Irgendwie passt das, was Max Warmuth und der Rest der "Calisthenics"-Gruppe machen, zum Zeitgeist. Dem Zeitgeist, der sich in der Fitness-Szene in den letzten Jahren entwickelt hat und immer noch anhält: Weg vom Gerätetraining, hin zum Natürlichen. Ganz nach dem Motto: Wozu sich im Studio einseitig an Geräten quälen, wenn ich alles vor der Haustüre finde. In der Natur, im Wald oder im Park.
Die Gruppe um Max Warmuth trifft sich jeden Sonntag am Nürnberger Pegnitzgrund zum Training. "Calisthenics" heißt das, was sie dort praktizieren. Hantelscheiben oder andere Geräte benötigen sie nicht. Man nimmt das, was der Park ohnehin schon anbietet: Kletterstangen, Ringe, Bänke.
Beim "Calisthenics" nutzt man das eigene Körpergewicht, um die Übungen möglichst langsam auszuführen. Dass dazu nicht jeder in der Lage ist, wird schnell klar, wenn man die Trainingseinheit der Nürnberger beobachtet.
Durchtrainierte Körper hangeln sich scheinbar mühelos an Reckstangen empor und präsentieren Haltefiguren, die schon beim Hinsehen anstrengen. "Jahrelanges Training", betont Warmuth.


Tester stoßen an ihre Grenzen

Bei ihrer sonntäglichen Trainingseinheit sind die Sportler im Pegnitzgrund ein Blickfang. Immer wieder bleiben Spaziergänger oder Jogger staunend stehen, machen Fotos und Videos. Hin und wieder wollen sie sich auch selbst versuchen. "Aber da stoßen selbst diejenigen an ihre Grenzen, die relativ gut trainiert sind." Bis man beim "Calisthenics" die Übungen nur ansatzweise beherrscht, dauert es sehr lange. "Wir haben zwei Jahre die Basics trainiert. Da muss man behutsam rangehen und auf die richtige Ausführung achten."


"Calisthenics" als Ausgleich

Für Warmuth ist "Calisthenics" der perfekte Ausgleich zu seinem Judotraining. Vor allem auch, weil er es draußen in der Natur an vielen unterschiedlichen Orten praktizieren kann. "Man kann sich an der frischen Luft auspowern." Der Begriff "Calisthenics" sei der Gruppe eigentlich nicht so wichtig. "Man könnte das auch Amateur-Turnen nennen."
Überhaupt würde die Fitness-Branche immer neue Trainingsformen hervorbringen, die sich nur punktuell unterscheiden. "Da wird teilweise nur ein neuer Name kreiert, um Geld zu verdienen." Der Markt ist da: Rund 17,5 Millionen Fitness-Trainierende gibt es derzeit in Deutschland. Dem zugrunde liegen noch knapp elf Millionen, die in einem Studio trainieren.


Ein unübersichtlicher Markt

Auch aus Sicht von René Streber, Mitarbeiter am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Uni Erlangen, ist der Fitnessmarkt unübersichtlich. Ein neues Programm sei meist nur die Abwandlung einer bereits bekannten Trainingsmethode. "Sozusagen mit einer neuen, schönen Verpackung." Als Suchender könne man schnell die Übersicht verlieren. Ganz besonders, da auch immer mehr Fitness-Apps oder Online-Programme Neueinsteiger ködern wollen. "Die gibt es wie Sand am Meer." Programme wie "Freeletics" (59,99 Euro für 6 Monate), "I make you sexy" (zehnwöchige Mitgliedschaft für 79 Euro) oder "Size Zero" (299 Euro für zehn Wochen) buhlen um die Sportmuffel und versprechen - teils inklusive Ernährungsberatung - schnelle Ergebnisse. Ein genauer Blick hinter die Kulissen zeigt: Die Programme unterscheiden sich nur punktuell.


App oder Studio?

Und so müssen sich Neueinsteiger entscheiden: Gehe ich den häufig günstigen Weg und lade mir mein Fitnessprogramm auf mein Handy? Oder bevorzuge ich die professionelle Betreuung in einem Studio?
Für Neueinsteiger, sagt Streber, können Apps durchaus eine Alternative zum Studio sein. Allerdings sei eine Betreuung durch geschultes Personal Gold wert. Denn bei allem Ehrgeiz dürfe man Eines nicht vergessen. "Ein großes Problem ist, dass Übungen falsch ausgeführt werden. Und dann schadet man dem Körper."