• Energiekrise, Kosten-Explosion & Co.: Fränkische Autozulieferer kämpfen mit etlichen Problemen
  • Nürnberg: Leoni leidet unter Engpässen und Kriegsfolgen - Gasverbrauch vergleichsweise gering
  • Herzogenaurach: Autozulieferer Schaeffler mit starkem Gewinneinbruch - gestiegene Beschaffungskosten
  • Bamberg: Bosch nimmt aktuelle Situation "sehr ernst" - diese Maßnahmen plant das Unternehmen

Die drastisch gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Energie setzen den deutschen Automobilzulieferern schwer zu. Laut einer Umfrage des Verbands der Automobilindustrie (VDA) stellt der Strompreis in der Automobilindustrie gegenwärtig die größte Herausforderung dar. Ein Drittel der Unternehmen bereitet sich demnach auf mögliche Produktionseinschränkungen vor. Auch in Franken hat die Branche mit erheblichen Problemen zu kämpfen. inFranken.de erklärt, was Leoni, Schaeffler und Bosch aktuell am meisten Kopfzerbrechen bereitet.

Nürnberg: Autozulieferer Leoni kämpft mit Lieferengpässen und Kriegsfolgen - Gasverbrauch hält sich in Grenzen

Der Nürnberger Automobilzulieferer Leoni sorgte zuletzt mit Finanzproblemen und Verkäufen für Schlagzeilen. Das Unternehmen schrieb im zweiten Quartal neuerliche rote Zahlen. Leoni bezifferte den Nettoverlust am 10. August auf 47 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor war es ein Minus von knapp neun Millionen gewesen. Der Zulieferer hat seit Jahren zu kämpfen. Die anhaltenden Lieferengpässe, der Anstieg der Energiekosten und der Ukraine-Krieg machen dem Unternehmen zu schaffen. Der Krieg traf das bisherige Kabelgeschäft mit zwei Werken in der Ukraine hart. 

Besser sieht es dagegen mit Blick auf die Gaskrise aus. "Die Produktion von Bordnetzen zählt nicht zu den besonders energieintensiven Industrien mit einem hohen Gasverbrauch", erklärt Leoni-Pressesprecher Gregor le Claire am Dienstag (27. September 2022) inFranken.de. "Wir benötigen Gas in erster Linie für Heizung und Warmwasser." Dies gelte gleichfalls für einen reinen Verwaltungsstandort wie Kitzingen. Dort betreibt Leoni sein Zentrum der Bordnetz-Sparte sowie deren Forschung und Entwicklung.

"Natürlich haben wir die Entwicklung der Gaspreise auf dem Schirm und stehen dazu beispielsweise mit unseren Energieversorgern im Austausch, um jederzeit reagieren zu können", betont le Claire. "Dabei hilft uns zusätzlich, dass das Thema Energiesparen generell bei Leoni ohnehin schon seit Jahren eine große Rolle spielt."

Herzogenaurach: Autozulieferer Schaeffler erleidet drastischen Gewinneinbruch - gestiegene Beschaffungskosten

Der weltweit tätige Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler in Herzogenaurach hatte zuletzt mit einem starken Gewinneinbruch zu kämpfen. Wie aus dem Zwischenbericht für das erste Halbjahr 2022 Anfang August hervorging, erzielte die Schaeffler-Gruppe in den ersten sechs Monaten einen Betriebsgewinn (EBIT) in Höhe von 458 Millionen Euro - ein horrender Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Damals lag der Gewinn noch bei 702 Millionen Euro.

Die erlittenen Einbußen führt das mittelfränkische Unternehmen maßgeblich auf stark angestiegene Beschaffungskosten zurück, "die nur teilweise durch Verkaufspreisanpassungen kompensiert werden konnten". Laut Schaeffler wirkten sich zudem die pandemiebedingten Umsatzrückgänge in China negativ auf die Marge aus.

Unglücklich ist man in Herzogenaurach aber dennoch nicht. "Die Schaeffler-Gruppe lieferte in diesem herausfordernden Umfeld ein solides Ergebnis, mit dem wir mehr als zufrieden sind“, sagte Claus Bauer, Vorstand für Finanzen und IT der Schaeffler AG. 

Bamberg: Autozulieferer Bosch nimmt aktuelle Situation "sehr ernst" - diese Maßnahmen sind geplant

Auch der Bamberger Autozulieferer Bosch kann sich laut Eigenaussage allgemeinen Preis- und Nachfrageschwankungen auf den Beschaffungsmärkten nicht entziehen. "Aktuell gehören dazu die Halbleiterengpässe und die enorme Steigerung der Rohstoffpreise und der Energiekosten", teilt Sprecher Sven Kahn inFranken.de vom Bosch-Hauptsitz in Stuttgart mit. "Weltweit arbeiten unsere Teams in Einkauf und Logistik deshalb mit unseren Lieferanten und Kunden an Lösungen, um trotz der zahlreichen Herausforderungen wettbewerbsfähige Preise zu erzielen und Lieferketten aufrechtzuerhalten."

Bosch beziehe Energieträger wie andere Unternehmen am Energiemarkt. "Derzeit können wir unsere Fertigungs- und Betriebsstätten versorgen", konstatiert Kahn. Maßgeblich sei dafür eine vorausschauende Beschaffungsstrategie und ein hohes Maß an Energieeffizienz. Wie bei Leoni spielt das Thema Gas auch bei Bosch eine eher untergeordnete Rolle. Bosch decke lediglich 20 Prozent seines Energiebedarfs mit Gas und benötige damit nicht sehr große Mengen. Das Gas werde zum größten Teil für das Beheizen von Räumen gebraucht. "Unser Hauptenergieträger ist Strom, den wir im Wesentlichen als Grünstrom beziehen", erklärt der Unternehmenssprecher. "An immer mehr Standorten erzeugen wir weltweit zum Beispiel Strom über Photovoltaikanlagen."

Dennoch beschäftigt die Energiekrise auch Bosch. "Wir nehmen die aktuelle Situation sowie die Appelle der Bundesregierung insgesamt sehr ernst", betont Kahn. "Derzeit gehen wir davon aus, dass künftig eine anhaltende Verknappung der Gasversorgung nicht ausgeschlossen und damit im Winter auch für Bosch spürbar werden kann." Die Energieeffizienz des Zulieferers soll daher durch kurzfristige Maßnahmen weiter optimiert werden. "Wo möglich, bereiten wir zudem zum Beispiel den Einsatz alternativer Energieträger vor" - indem etwa zum Heizen Öl statt Gas genutzt werde. Wo Mitarbeitende verstärkt auf freiwilliger Basis mobil arbeiteten, könnten ungenutzte Arbeitsflächen außerdem unbeheizt bleiben. Um Strom zu sparen, sollen Außenbeleuchtungen und beleuchtete Werbeflächen über den Winter womöglich reduziert oder ganz abgeschaltet werden.

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