Schwabach
132 Jahre alter Traditionsbetrieb

Strompreis könnte sich verachtfachen: Fränkische Familienbäckerei plagen Existenzängste

Die aktuelle Kosten-Explosion setzt der Bäckerei Distler enorm zu. "Die Energiepreise gehen durch die Decke", sagt der Inhaber. Den Chef des 1890 gründeten Familienbetriebs plagen Existenzängste.
Schwabach: Bäckerei Distler trifft Kosten-Explosion mit voller Wucht - Inhaber plagen "Existenzängste"
Die Bäckerei Distler in Schwabach leidet massiv unter der Energiekrise. Die jüngste Kosten-Explosion stellt für das Familienunternehmen und seine 85 Beschäftigten eine gewaltige Herausforderung dar. Foto: Schwabachs Bäcker Distler
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  • Schwabach: Bäckerei Distler setzt Energiekrise immens zu - "geht durch die Decke"
  • Kosten-Explosion trifft fränkischen Familienbetrieb mit voller Wucht
  • Traditionsunternehmen wurde 1890 gegründet - Inhaber plagen "Existenzängste"
  • "Die gebrauchen jeden Cent": Bäcker sorgt sich um seine 85 Mitarbeiter 

Die Energiekrise treibt vor allem vielen kleinen Betrieben Sorgenfalten auf die Stirn. Auch die Schwabacher Bäckerei Distler leidet massiv unter der prekären Situation. "Ich rechne für das kommende Jahr mit dem Sechs- bis Achtfachen unseres jetzigen Strompreises", berichtet Bäcker- und Konditormeister Gerd Distler inFranken.de. "Die Kosten gehen in die Höhe - so schnell können Sie gar nicht schauen." Den Inhaber des 132 Jahre alten Traditionsbetriebs nimmt die angespannte Lage sehr damit. "Das sind Existenzängste, die mich umtreiben", sagt der 51-Jährige.

Schwabach: Bäckerei Distler macht Energiekrise schwer zu schaffen - "auch unseren Kunden fehlt das Geld"

Die jüngste Kosten-Explosion stellt für das Familienunternehmen und seine 85 Beschäftigten die zweite Krise innerhalb kurzer Zeit dar. "Corona haben wir noch relativ gut überstanden. Nur in unseren Cafés hatten wir etwas Einbußen", konstatiert Distler. Dieses Jahr kam es dann gleichwohl zu einem drastischen Preisanstieg. Butter, Milch, Speiseöl - alles sei spürbar teurer geworden. Vor allem auch der Hauptrohstoff der Bäckerei: das Getreide. "Am Getreide hängt ja alles dran", betont der fränkische Bäckermeister. "Der Mehlpreis hat sich verdoppelt."

Die höheren Einkaufspreise bekommen letztlich auch die Kunden zu spüren. "Im Frühjahr mussten wir unsere Preise anpassen", erzählt Distler. Die Gas- und Öl-Krise infolge des Ukraine-Kriegs belastet den Traditionsbetrieb derweil zusätzlich. Die Krux bei der Sache: "Das betrifft ja auch die Privathaushalte. Auch unseren Kunden fehlt das Geld", hält der 51-Jährige fest. "Das ist die Problematik. Irgendwann sagt sich der Kunde dann vielleicht: 'Dann gehe ich jetzt doch zum Discounter."'

Die zunehmenden Lebenshaltungskosten setzten auch den Angestellten der Bäckerei zu. "Unseren Mitarbeitern macht natürlich auch ihre kommende Nebenkostenabrechnung zu schaffen", erklärt Distler. "Sie brauchen jeden Cent. Da schauen wir immer, dass sie über die Runden kommen." Zwar versuche er, sozial zu handeln, wenn ein Angestellter einen Vorschuss oder anderweitige Unterstützung benötige - doch auch ihm seien über kurz oder lang die Hände gebunden.

Bäckermeister klagt sein Leid: "Die Energiepreise gehen durch die Decke" - Appell an Politik

"Die Energiepreise gehen durch die Decke", sagt der Bäckereiinhaber. "Ich rechne künftig mit ungefähr 200.000 Euro im Jahr mehr, als wir heuer ausgeben." Zwar liefen die Öfen in den sechs Läden der Bäckerei noch mit Öl - die Ausgaben spüre man dennoch allerorten. "Wir leben ja von der Frische", gibt der Bäcker zu bedenken. "Wenn Sie um 16 Uhr frische Brezen wollen, müssen wir die um 15 Uhr backen." Die Öfen seien entweder an oder nicht. Ein Dazwischen gebe es diesbezüglich nicht. 

Vonseiten der Politik wünscht sich der Chef des mehr als hundert Jahre alten Bäckereibetriebs unterdessen eine spürbare Entlastung. "Wir brauchen eine Deckelung, keine Umlage", betont Distler mit Blick auf die umstrittene Gasumlage. "Wir hoffen, dass für uns kleine Handwerksbetriebe eine Lösung gefunden wird." Denkbar sei für Bäckereien etwa eine Preisobergrenze für Mehl. 

Die gegenwärtige, alles andere als leichte Situation stellt nicht zuletzt auch für Distlers Kinder ein Hindernis dar. "Mein Sohn hat gerade seine Meisterprüfung zum Bäcker und Konditor abgelegt", berichtet Distler, der die Bäckerei schon in vierter Generation führt. Der 23-Jährige und dessen 21-jährige Schwester, die die Verkaufsleitung innehat, sollen das traditionsreiche Unternehmen dereinst übernehmen. "Sie wachsen gerade hinein. Spaß macht es ihnen aber aktuell nicht", erklärt der Inhaber der Schwabacher Bäcker Distler in Hinblick auf die angespannte Lage.

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