• Nürnberg: Familienmetzgerei Krön hat nach 124 Jahren geschlossen
  • Traditionsbetrieb in vierter Generation muss für immer zumachen
  • "Ist, als würde ein Familienmitglied beerdigt": Inhaber ist traurig
  • Auch Kunden bedauern Metzgereischließung zutiefst - "sehr schade"

In Nürnberg ist ein weiteres Kapitel Nürnberger Stadtgeschichte zu Ende gegangen: Die Familienmetzgerei Krön in der Schnieglinger Straße hat nach 124 Jahren ihre Pforten geschlossen. Sowohl im Traditionsbetrieb als auch auf Kundenseite herrscht große Trauer.

Update vom 30.09.2022: Metzgerei Krön in Nürnberg für immer zu - Traurige Kunden bedanken sich bei Familienbetrieb

"Eine Ära geht zu Ende", hielt die Metzgerei Krön an ihrem letzten Verkaufstag am 24. September auf Facebook fest - gefolgt von einem weinenden Emoji. Zum Abschied bedankten sich Inhaber Jürgen Krön und sein Team bei ihrer Stammkundschaft. "Danke an alle, die uns bis zum Schluss die Treue gehalten haben. Ihr seid der Wahnsinn."

Auf Kundenseite herrscht teils ebenfalls riesige Trauer hinsichtlich der Ladenschließung. "Ihr fehlt uns jetzt schon", betont eine Frau im Kommentarbereich des Facebook-Beitrags. "Von Herzen alles Gute! Und DANKE ans gesamte Team", schreibt sie. "Wir danken Euch für jahrzehntelange super Qualität, tolle Produkte und super nette Bedienung", erklärt eine andere Nutzerin. "Schniegling wird ohne Euch nicht mehr dasselbe sein! Passt gut auf Euch auf und alles Gute für die Zukunft."

"Danke für die vielen Jahre mit hochqualitativem Fleisch und kompetenter Beratung", drückt ein Mann seine Wertschätzung für die Mettgerei aus. "Wir werden euch immer als Referenz für andere Metzger in ehrendem Andenken behalten", verspricht er. Ein anderer Kunde äußert ebenfalls sein Bedauern. "Ich kenne euch ja auch schon mein ganzes Leben lang. Mit Euch geht ein Stück Schniegling kaputt. Sehr schade."

Erstmeldung vom 16.09.2022: "Als würde ein Familienmitglied beerdigt" - Nürnberger Traditionsmetzgerei muss nach 124 Jahren schließen

Die Metzgerei Krön in Nürnberg macht zu. Im kommenden Jahr hätte der 1898 gegründete Familienbetrieb sein 125-jähriges Jubiläum gefeiert. Doch dazu kommt es nun nicht mehr. "Am nächsten Samstag ist unser letzter Verkaufstag", erklärt Inhaber Jürgen Krön am Freitag (16. September 2022) im Gespräch mit inFranken.de. Der Metzgermeister führt das traditionsreiche Unternehmen in vierter Generation. Die Schließung trifft den 42-Jährigen emotional hart. "Es ist, als würde ein Familienmitglied beerdigt", sagt er mit gebrochener Stimme.

Mit der Metzgerei-Schließung in der Schnieglinger Straße endet am 24. September ein weiteres Kapitel Nürnberger Stadtgeschichte. Die Gründe für das Aus des Traditionsbetriebs sind vielfältig. "Das erste Corona-Jahr haben wir sehr gut überstanden", berichtet Krön. Das Ladengeschäft konnte den Wegfall des Catering-Services demnach kompensieren. Im zweiten Jahr der Pandemie sei der Umsatz in der Metzgerei dann aber zurückgegangen. Das Catering habe zugleich nie mehr zu alter Stärke zurückgefunden. "Das hat mich schon viel Geld gekostet", hält Krön fest. 

"Dann kam der Ukraine-Krieg". Die daraus resultierende Kosten-Explosion setzte der Nürnberger Familienmetzgerei schwer zu. Die stark gewachsenen Getreidekosten führten zu höheren Futtermittelpreisen. Die Folge für die Metzgerei: "Der Rindfleischpreis ist extrem gestiegen", sagt Krön. Durch die in die Höhe geschnellten Dieselpreise sei außerdem der Transport spürbar teurer geworden. Doch nicht nur das. "Verpackungsmaterial, Gewürze, Hilfsstoffe, das Rohmaterial Fleisch - das ist alles drastisch gestiegen." Als Konsequenz daraus musste auch die Metzgerei ihre Preise anpassen. "Wir haben den Kostenanstieg aber nur durchgereicht", betont der 42-Jährige.

Preisanstieg: Metzgermeister zieht nach drastischem Umsatzrückgang "die Notbremse"

Dennoch führten die höheren Preise zu einem spürbaren Umsatzrückgang. "Innerhalb einer Woche sind uns 30 Prozent Kunden weggebrochen", schildert der Metzgermeister die dramatischen Auswirkungen. Der fortdauernde Kundenschwund ist ihm zufolge der Hauptgrund für die anstehende Ladenschließung. "Ich kann den Leuten aber keinen Vorwurf machen", sagt er. "Jeder möchte gern seinen Lebensstandard beibehalten. Hierfür muss man sparen. Und die Deutschen sparen nun mal gern am Essen." 

Die bittere Folge für den fränkischen Metzgermeister: "Das Geld, das ich mir erwirtschaftet habe, reicht für mich nicht zum Leben", stellt Krön klar. Für gewöhnlich habe er 70 Stunden in der Woche gearbeitet - in der Weihnachtszeit gelegentlich sogar 90 Stunden. "Nun muss ich die Notbremse ziehen." Als eingetragener Kaufmann hafte er mit seinem gesamten Privatvermögen. "Das kann ich meiner Familie nicht antun. Sonst stehe ich auf der Straße und bekomme nicht einmal Hartz IV", gibt er zu bedenken.

Jürgen Krön ist in dem Haus in der Schnieglinger Straße 258 aufgewachsen. Sein Vater und seine Mutter, inzwischen 80 und 70 Jahre alt, arbeiten beide nach wie vor im Betrieb mit. "Um die beiden zu ersetzen, bräuchte ich mindestens drei neue Mitarbeiter", betont der 42-Jährige. Doch Personal sei weder zu bekommen noch könne er es bezahlen. 

Die explodierenden Energiepreise erschwerten die ohnehin schon prekäre Lage zusätzlich. "Ich habe jetzt schon rund 3500 Euro Energiekosten", berichtet der Nürnberger. Wenn im Dezember sein Vertrag auslaufe, rechne er mit einer Verdoppelung. "Das ist einfach nicht zu machen", betont der Kaufmann. Kritik übt er diesbezüglich auch an der Politik - insbesondere an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck.

Familienmetzgerei muss Produktion einstellen - Inhaber kritisiert Wirtschaftsminister Habeck

Der Grünen-Politiker sorgte unlängst mit der Aussage für Wirbel, dass er nicht mit einer Pleitewelle, aber mit Betriebsstopps rechne. "Damit hat er zwar recht", sagt Krön. Seine Metzgerei könne den Betrieb nach dem Stopp allerdings nicht wiederaufnehmen, weil seine Mitarbeiter glücklicherweise neue Arbeitsplätze gefunden hätten. Mit Blick auf Habecks Aussage erklärt er: "Wenn man das hört, kann man schon ein wenig ärgerlich werden, um es mal vorsichtig zu sagen." In einem emotionalen Video auf der Facebook-Seite der 124 Jahre alten Familienmetzgerei verschafft Krön seinem Ärger Luft.

"Meine Firma hat zwei Weltkriege überstanden. Aber nun sind wir gezwungen, die Produktion einzustellen", hält er darin fest. "Es können sich leider viele Kunden meine Produkte nicht mehr leisten - oder wollen sie sich nicht leisten, weil sie sparen müssen." Die Resonanz auf Kröns Beitrag ist laut ihm groß: "Auf das Video sprechen mich viele im Laden an", berichtet er inFranken.de. Gerade andere Geschäftsleute können Kröns Lage demnach gut nachvollziehen. "Ganz vielen geht der Arsch auf Grundeis", erzählt er mit Blick auf die drastisch steigenden Energiekosten.

 "Sie müssen aber trotzdem heizen." Für Jürgen Krön endet indes notgedrungen sein bisheriger Lebensweg, der so eng verknüpft ist mit dem Nürnberger Traditionsbetrieb seiner Familie. "Ich bin hier aufgewachsen. Es stand nie zur Debatte, dass ich beruflich etwas anderes mache", sagt der Metzger merklich aufgewühlt. "Es ist traurig, wenn so etwas nach vier Generationen passiert. Das ist sehr schwierig. Das Geschäft ist nicht nur Arbeit für mich."

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