Wie sind die internationalen Steuerregelungen für Überstunden?
In Deutschland bleiben derzeit alle Überstunden inklusive Zuschläge steuerpflichtig, was den Nettogewinn dämpft. Merz’ Vorschlag sorgt derweil für Kritik bei den Gewerkschaften. Sie warnen vor einem Freibrief für Arbeitgeber, die den Acht-Stunden-Tag aushebeln könnten, und kritisieren, dass Teilzeitkräfte benachteiligt werden. Es besteht die Gefahr, dass die Mehrarbeit steigt, ohne dass Löhne oder Arbeitsbedingungen langfristig verbessert werden. Es muss aufgepasst werden, dass die Überstunden nicht das Arbeitsrecht aushebeln.
Im Vergleich dazu kennen Länder wie die USA oder Großbritannien oft steuerliche Freistellungen für Überstunden oder Pauschalen, die Mehrarbeit stärker fördern. Schweden und Dänemark belohnen freiwillige Mehrarbeit mit ähnlichen Modellen, die den Nettolohn direkt steigern, um den Arbeitsmarkt flexibel zu halten. In Skandinavien gibt es oft steuerreduzierte Zuschläge oder Freibeträge bis zu einem gewissen Stundenvolumen, kombiniert mit flexiblen Arbeitszeitkonten.
Die Merz-Pläne bringen Deutschland damit international näher auf Linie, mit Fokus auf Zuschläge statt Vollentlastung, und orientieren sich an diesen Ansätzen, um den Anreiz für freiwillige Mehrarbeit zu stärken, ohne das gesamte Einkommen zu entlasten.
Was müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jetzt beachten?
Sobald die Steuerreform der Merz-Regierung in Kraft tritt, prüfe du als Arbeitnehmer deinen Tarifvertrag oder dein Arbeitszeitmodell, ob du die Vollzeitgrenze überschreitest. Lass dir Zuschläge separat ausweisen, damit sie steuerfrei bleiben. Dokumentiere deine Überstunden genau, um Nachweise für die Lohnabrechnung zu haben, und kläre mit der Personalabteilung, wie die neue Regel in deinem Betrieb umgesetzt wird.
Arbeitgeber sollten dann Lohnabrechnungen anpassen, Zuschläge klar vom Grundlohn trennen und Schulungen für die Buchhaltung durchführen, um Fehler zu vermeiden. Informiere deine Teams frühzeitig über die neuen Regeln, etwa in Betriebsversammlungen oder per E-Mail, damit niemand Chancen verpasst oder falsche Erwartungen entstehen. Überprüfe bestehende Arbeitszeitregelungen und bereite Software-Updates vor, die den steuerfreien Anteil automatisch erfassen.
Beide Seiten sollten aktuelle Entwicklungen im Bundesfinanzministerium und aufseiten der Gewerkschaften beobachten, da Anpassungen im Gesetzgebungsverfahren möglich sind – etwa zu Freibetragshöhen oder Ausnahmen. Hier sollten offizielle Kanäle wie das BMF-Portal oder Branchenverbände für Updates genutzt und Pufferzeiten eingeplant werden, falls sich die Umsetzung verzögert.
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