• EHEC-Ausbruch in Franken: Verschiedene Kitas in Nürnberg und Fürth betroffen 
  • Kinder steckten sich mit gefährlichen Darmbakterien an - und erkrankten teils schwer
  • Nach stationäre Behandlung in Uniklinik Erlangen: Kinder "konnten entlassen werden"

In Nürnberg und Fürth wurden vor Kurzem mehrere EHEC-Fälle festgestellt. Kleinkinder verschiedener Kindertagesstätten hatten sich mit den Darmbakterien angesteckt und erkrankten daran zum Teil schwer. Mehrere Kinder mussten stationär im Universitätsklinikum Erlangen behandelt werden. inFranken.de hat bei den Behörden nachgehakt, welche neuen Erkenntnisse zum EHEC-Ausbruch inzwischen vorliegen. 

Update vom 22.08.2022: Kinder nach EHEC-Infektion aus Uniklinik entlassen - Behörden äußern sich

Mehrere Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren, die unterschiedliche Kitas in den beiden Nachbarstädten besuchen, hatten sich vor wenigen Wochen mit EHEC angesteckt. Laut Tobias Thiem, dem Leiter der Abteilung Kindertageseinrichtungen am Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, waren drei Kinder aus Fürth und zwei Kinder aus Nürnberg "schwerer erkrankt" und mussten stationär behandelt werden. Bei fünf weiteren Kindern konnte eine leichtere Erkrankung nachgewiesen werden, sagte Thiem am Freitag (19. August) im Gespräch mit inFranken.de.

"Alle Kinder, welche stationär behandelt wurden, konnten bereits entlassen werden", teilt Christian Ell, Pressesprecher des Landratsamts Fürth, inFranken.de am Montag (22. August 2022) auf Nachfrage mit. Ein Kind habe nach der Entlassung jedoch noch ambulant versorgt werden müssen.

"Allen Eltern wurde das Angebot unterbreitet, eine Stuhlprobe vorzunehmen", berichtet Ell. Dadurch seien weitere Erkrankungsfälle festgestellt worden. Die betroffenen Kinder hätten jedoch keine Symptome gezeigt. 

Quelle von EHEC-Ausbruch "noch immer nicht bestimmt"

Der letzte EHEC-Fall sei dem Gesundheitsamt Fürth am 1. August 2022 übermittelt worden. Seitdem habe es keine neuen Fälle mehr gegeben. Tobias Thiem, dem Abteilungsleiter für Kindertageseinrichtungen, zufolge, sei der Ausbruch eingedämmt worden.

Die Quelle des EHEC-Ausbruchs habe derweil "noch immer nicht bestimmt" werden können. Der Verdacht, die Catering-Firma, die die Kitas in Nürnberg und Fürth zuletzt belieferte, sei der Auslöser gewesen, konnte bisher nicht bestätigt werden.

In den Kitas gelten derzeit die regulären Sommerschließzeiten. Zukünftig sollen in den Kindertagesstätten die "generellen Basishygiene-Maßnahmen" weiter beachtet werden.

Update vom 03.08.2022: Mehrere Kinder stationär in Uniklinik Erlangen - Kita nach EHEC-Ausbruch geschlossen

Laut Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) können EHEC-Infektionen blutige Durchfallerkrankungen verursachen. Besonders gefürchtet sind demzufolge die Keime, weil sie unter Umständen zu schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen führen können - insbesondere bei kleinen Kindern. 

"Nach unserem Kenntnisstand sind drei Kinder aus Fürth und zwei Kinder aus Nürnberg schwerer erkrankt", berichtet Tobias Thiem von der Stadt Fürth inFranken.de am Dienstagabend (2. August 2022). Dem Leiter der Abteilung Kindertageseinrichtungen am Amt für Kinder, Jugendliche und Familien zeigen die betroffenen Kinder Anzeichen für das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS).

"Vier Kinder befinden sich noch stationär in der Uniklinik Erlangen"

Bei dem HUS handelt es sich dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge um eine Erkrankung, die sich in Blutgerinnungsstörungen, einer Zerstörung der roten Blutkörperchen bis hin zum akuten Nierenversagen äußern kann. Die in der Region "von schweren Erkrankungen" betroffenen Kinder befinden sich Thiem zufolge in ärztlicher Behandlung.

Laut dem Pressesprecher des Fürther Landratsamts, Christian Ell, wurde bei fünf weiteren Kindern ebenfalls EHEC nachgewiesen. Zahlreiche Stuhlbefunde seien zudem noch ausstehend. Die infizierten Kinder sind laut Behördenangaben zwischen zwei und sechs Jahre alt. "Vier Kinder befinden sich noch stationär in der Uniklinik Erlangen", erklärt Ell am Mittwoch (3. August 2022) inFranken.de auf Nachfrage.

Der Träger der Kindertageseinrichtung hat dem Landratsamt zufolge indessen Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens ergriffen. So dürften erkrankte Kinder nur mit einer ärztlichen Bescheinigung in die Einrichtung zurückkehren. "Allen Eltern wurde zusammen mit der Übermittlung einer Information das Angebot unterbreitet, eine Stuhlprobe vorzunehmen, selbst wenn die Kinder keine Symptome zeigen", berichtet Ell. Darüber hinaus griffen strenge Hygienevorschriften, was das Händewaschen, die Desinfektion oder die Essensausgabe betreffe. "Nach unserem Kenntnisstand wurde zwischenzeitlich ein anderer Caterer mit der Essensversorgung beauftragt", konstatiert Ell.

EHEC-Fälle an Kitas in Nürnberg und Fürth - Catering-Firma als Ursache?

Ob die Catering-Firma, die die Kitas in Nürnberg und Fürth zuletzt belieferte, tatsächlich die Quelle des EHEC-Ausbruchs bildet, steht gleichwohl noch nicht fest. An der Ursache werde nach wie vor geforscht, teilt Dr. Ulrike Goeken-Haidl, Sprecherin des Gesundheitsamts der Stadt Nürnberg inFranken.de am Mittwoch mit. In Nürnberg wurde die betroffene Kindertagesstätte durch das Gesundheitsamt derweil vorübergehend geschlossen. Bis Freitag bleibt die Einrichtung komplett zu.

Erstmeldung vom 29.07.2022: EHEC-Ausbruch in Nürnberg und Fürth - Kinder stecken sich mit Darmbakterien an

In Nürnberg und in Fürth haben sich nach derzeitigem Stand bis zu sechs kleine Kinder mit den Darmbakterien Enterohämorrhagische Escherichia Coli (EHEC) angesteckt. Das berichtet die Stadt Nürnberg am Freitag (29. Juli 2022) in einer Pressemitteilung. 

Die Kinder besuchen demnach verschiedene Kindertagesstätten in Fürth beziehungsweise Nürnberg. "Die zuständigen Behörden - das jeweils zuständige Gesundheitsamt als Infektionsschutz- und das Ordnungsamt als Lebensmittelüberwachungs-Behörde - arbeiten hierbei eng mit den Aufsichtsbehörden auch auf Ebene der Regierung von Mittelfranken und des Freistaats Bayern zusammen", heißt es vonseiten der Stadt.

Laut Angaben der Stadt Nürnberg haben die Behörden die Ursache des Ausbruchs recherchiert. Als "mögliche Quelle" wurde demzufolge eine Catering-Firma identifiziert, die beide Kindertagesstätten beliefert. Da der Lebensmittelunternehmer als Maßnahme der Eigenkontrolle standardmäßig Lebensmittelproben der zuletzt ausgelieferten Speisen aufbewahre (sogenannte "Rückstellproben"), seien von der Lebensmittelüberwachung umgehend Proben entnommen worden.

EHEC: Durchfallerkrankungen mit teils schwerwiegenden Komplikationen möglich

"Die insgesamt elf Probenahmen werden aktuell im Labor ausgewertet, um dort Erkenntnisse über die Ursache der Bakterienübertragung zu gewinnen", teilt die Stadt Nürnberg mit.

Zur Unterstützung der Untersuchung sollten Ärzte, Eltern oder Personal in Betreuungseinrichtungen dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt das Auftreten von weiteren möglichen Infektionen melden, bei denen der Verdacht einer EHEC-Infektion besteht.

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden sich EHEC-Bakterien im Darm von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen, Ziegen, Rehen oder Hirschen. Sie können bestimmte Giftstoffe, sogenannte Shigatoxine, produzieren. Die Tiere erkranken daran in der Regel nicht. "Werden solche Keime aber auf den Menschen übertragen, können sie Durchfallerkrankungen mit zum Teil schwerwiegenden Komplikationen verursachen", erklärt die Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.

Ausführliche Fachinformationen zu EHEC hält außerdem das Robert-Koch-Institut auf seiner Webseite parat.

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