Stammzellenspende dank Corona-Test? Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Neuregistrierungen zur Stammzellenspende stark zurückgegangen. Leidtragende sind dabei vor allem die Leukämie-Kranken, die oftmals nur mit einer Blutspende überleben können. Doch passende Spender sind rar.

Die Aktion Knochenmarkspende Bayern organisiert normalerweise jährlich viele Präsenz-Aktionen zur Gewinnung neuer Spender - durch die Corona-Pandemie ist das nicht mehr möglich. Wenn sich keine neuen Spender in der Datenbank registrieren, warten Krebs-Patienten vergeblich auf eine passende Spende. Falk Stirkat, Arzt im Medic-Center Nürnberg, hatte nun eine Idee, wie dieses Problem womöglich gelöst werden kann. 

Corona-Test soll Stammzellenspender ermitteln: "Gleich mehrere Leben retten"

"Viele lassen sich derzeit auf Corona testen. Und egal ob Schnelltest oder PCR, es ist immer ein Abstrich, der genommen wird. Fast genauso wie der Typisierungs-Abstrich für die Stammzellenspender. Warum verbinden wir das nicht miteinander?", fragt Stirkat. Sein Einfall stieß dem Medic-Center zufolge sofort auf Anklang. "Die Idee, Menschen beim Corona-Abstrich zu fragen, ob sie Stammzellspender werden wollen, ist so genial wie einfach. Sie sind 'eh da‘ und lassen einfach einen zweiten Abstrich machen", kommentiert Dr. Hans Knabe, Vorstand der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern.

Auch der leitende Arzt des Medic-Centers Nürnberg, Norbert Schöll, ist demnach begeistert: "Die Kombination, den Menschen die Möglichkeit zu geben, mit einer Typisierung etwas Gutes zu tun UND sich nach dem Corona-Abstrich sicher zu fühlen, hat was", wird der Mediziner auf der Webseite der Einrichtung zitiert. "Denkt man genauer darüber nach, rette ich mit den beiden Abstrichen gleich mehrere Leben: Die, die ich nicht mehr mit Corona anstecken kann und die, denen ich eventuell mit einer Stammzellenspende helfen kann.“ 

Um zu sehen, wie die zusätzlichen Gespräche und Abstriche organisatorisch in die Tat umzusetzen sind, gebe es seit Mitte April einen Testlauf an der Nürnberger Sabel-Schule. Deren Direktor, Michael Gruber, habe die Schülerschaft bereits informiert, dass bald zusätzlich zu den bisherigen Reihentestungen des Medic-Centers nun auch die Möglichkeit bestehe, Stammzellspender zu werden. 

Stammzellenspende: So funktioniert die Registrierung

Patienten, die sich unabhängig von einem Corona-Abstrich für die Registrierung als Stammzellspender interessieren, können sich unter der E-Mail-Adresse stammzellspender@mediccenter.de direkt ans Medic-Center Nürnberg wenden. Wer hierbei Name und Telefonnummer angibt, erhält von der Praxis einen Anruf zur Terminvereinbarung. Unabhängig davon lässt sich auf der Website der Stiftung AKB jederzeit kostenfrei ein "Lebensretterset" nach Hause bestellen. Das Set enthält dabei alles, was für die Registrierung als Stammzellspender notwendig ist. 

Ein Feuerwehrmann aus Nürnberg ist vor Kurzem zum Lebensretter geworden - allerdings nicht bei einem Einsatz. Dieter Lambing wurde als Stammzellenspender ausgewählt.