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Wirtschaft

Siemens baut 265 Stellen in Franken ab - Kritik an Verlagerung ins Ausland

Siemens streicht an seinem Standort in Nürnberg 265 Arbeitsplätze - und damit weniger als geplant. Dies berichtet die Nürnberger SPD. Die Stadtratsfraktion übt scharfe Kritik an der "Verlagerung von Zukunftstechnik" ins Ausland.
 
Siemens baut 265 Stellen in Franken ab - Kritik an Verlagerung ins Ausland
Siemens baut an seinem Standort in der Vogelweiherstraße in Nürnberg 265 Arbeitsplätze ab. Bislang war sogar von rund 373 Stellenstreichungen die Rede. Foto: Daniel Karmann / dpa

Siemens streicht in Nürnberg weniger Jobs als gedacht: Der Technologie-Riese Siemens baut an seinem Standort in der Nürnberger Vogelweiherstraße 265 Arbeitsplätze ab - und damit mehr als 100 weniger als ursprünglich angenommen. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Nürnberger SPD-Stadtratsfraktion vom Montag (1. März 2021) hervor. "Die SPD-Fraktion zeigt sich erfreut über das klare Bekenntnis von Siemens an den Standort Nürnberg Vogelweiherstraße und die angekündigten Millioneninvestitionen in eine moderne, digitale Vorzeigefabrik", heißt es darin.

Der anfangs angekündigte Stellenabbau von rund 373 Arbeitsplätzen habe dank des engagierten Einsatzes des lokalen Betriebsrats um rund 30 Prozent auf 265 Stellen reduziert werden können. "So konnten mehr als 100 Arbeitsplätze gerettet werden", halten die Sozialdemokraten fest. Die SPD lehnt indes die "Verlagerung der innovativen Antriebstechnik" für Elektrobusse nach China und der großen Motoren nach Tschechien weiterhin entschieden ab. 

Siemens Nürnberg: Verlagerung nach China macht laut SPD "wenig Sinn"

"Elektromobilität ist eine der wichtigen innovativen Zukunftstechnologien gegen den Klimawandel und für die Wettbewerbsfähigkeit des Standort Deutschlands,“ sagt Thorsten Brehm, Fraktionsvorsitzender der SPD. "Die innovative Antriebstechnik für Elektrobusse und LKWs aus Nürnberg nach China zu verlagern, um von dort aus die europäischen Kunden zu bedienen, macht wenig Sinn."

Brehm zufolge handele Siemens hierbei entgegen einem Trend. "Wenn internationale Unternehmer wie Elon Musk seine Elektrofahrzeuge in Deutschland produzieren lässt und erst vor ein paar Tagen der US-Fahrzeughersteller FORD ankündigte, ebenfalls seine Elektro-Autos in Deutschland herzustellen, dann ist es völlig unsinnig, dass Siemens gegen den Trend diese Zukunftstechnologie raus aus Deutschland nach China verlagert", moniert der Fraktionsvorsitzende.

Aus diesem Grund fordert Brehm Nürnbergs Wirtschafts- und Wissenschaftsreferenten Michael Fraas (CSU) auf, sich bei Siemens und der Siemens Einheit "Commercial Vehicles" vehement für den Erhalt dieser innovativen Geschäftseinheit in Nürnberg einzusetzen.   

Geplante Motorenproduktion in Tschechien stößt bei SPD auf Widerstand

Auch dass die große Motorenproduktion ins benachbarte Tschechien gehen soll, stößt bei der SPD auf Widerstand. "Diese Großmotorenproduktion ist mit hohem Engineering-Anteil verbunden. Zum einen geht auch hier wichtiges Experten-Know-how verloren“, ergänzt Ulrich Blaschke, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. "Zum anderen hat sich in der Vergangenheit oft gezeigt, dass bei Verlagerungen von Produktion in osteuropäische Länder dort die Qualität der Produkte gelitten hat.“

Großes Lob kommt von SPD-Stadtrat Dieter Goldmann für die langen und konstruktiven Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat, angeführt vom Betriebsratsvorsitzenden Gerald Eberwein, und dem Siemens-Management zum Thema Investitionen und Weiterbildung. "Seit über einem Jahr laufen am Siemens Standort Vogelweiherstraße erfolgreich zahlreiche Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter zur digitalen Fabrik", resümiert Goldmann. Die Zusagen vom Siemens-Management, weitere Millionen in digitale Prozesse, Produkte und die Qualifizierung der Mitarbeiter zu investieren, sei die zukünftige Basis in eine moderne, digitale Vorzeigefabrik im Herzen von Nürnberg.

Unterdessen will Siemens Energy am Standort Erlangen offenbar rund 680 Arbeitsplätze abbauen. "Für die Erlanger Beschäftigten ist diese Nachricht ein Schock", erklärt eine IG-Metall-Funktionärin.