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Nürnberg
Erschossener Schäferhund

"Ich habe das Liebste meines Lebens verloren": Hundehalter erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei

In Nürnberg erschoss ein Polizist einen Schäferhund, der auf ihn losgegangen war. Der Besitzer des Tiers beschuldigt nun den Beamten, verantwortungslos gehandelt zu haben. Die Polizei verteidigt den Einsatz der Schusswaffe.
 

Familienstreit endet mit Hundeattacke auf Polizisten in Nürnberg:  Am Sonntagabend (16.08.2020) wurde die Polizei in Nürnberg zu einem Einsatz in den Pegnitzauen gerufen. Zwei Familiengruppen waren aneinander geraten. Im Laufe des Einsatzes griff ein Schäferhund einen Polizisten an. Dieser erschoss das Tier. Der Hundehalter erhebt nun schwere Vorwürfe.

Update vom 18. August 2020, 11 Uhr: Trauernder Hundehalter erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei

Nach dem Vorfall am Montag, bei dem ein Polizeibeamter einen Schäferhund aus Notwehr erschossen hatte, meldet sich nun der Besitzer zu Wort. Er habe versucht, die Streitereien zwischen den beiden Gruppen zu schlichten, so berichtet der Besitzer Thomas gegenüber NEWS5. Am Schluss sei sein Hund aus nicht ersichtlichen Gründen erschossen worden.

"Ich finde es verantwortungslos von den Polizisten", sagt der Besitzer weiter. "Es waren Kinder dabei. Er hat von vorne auf den Hund geschossen. Es war ein glatter Durchschuss, es hätte locker noch ein Kind erwischen können." Außerdem habe sein Hund den Polizisten nicht angegriffen, sondern nur gebellt und zwei Schritte nach vorne gemacht. Daraufhin habe der Polizist geschossen. "Ich habe das Liebste meines Lebens verloren." Die vermeintlichen Anzeigen könne er sich nicht erklären. "Mein Hund hat niemanden gebissen", berichtet er weiter. Weder den Polizisten noch die Personen der anderen Gruppe. 

Zwei weitere Zeugen berichten ebenfalls gegenüber NEWS5 von dem Vorfall. "Der Hund hat zwei Sätze vor gemacht und dann war es auch schon vorbei", sagt Tobias, ein Freund des Besitzers. Der Polizist habe direkt geschossen. "Die Kinder standen direkt daneben." Der Hund sei "ein Kläffer" gewesen, aber habe nie jemanden angegriffen. "Gebissen hat sie nie." 

Die Polizei verteidigte den Einsatz der Schusswaffe. Der "relativ aggressive Schäferhund" habe den Polizisten angegriffen, so Rainer Seebauer, Pressesprecher der Polizei Mittelfranken gegenüber NEWS5. "Ein Schäferhund ist ein relativ großer Hund. Der Kollege wurde schon einmal gebissen. Da hilft auch kein Tierabwehrspray mehr. Er musste von der Schusswaffe Gebrauch machen." Die Polizisten ermitteln nun den Hintergrund des Streits und den gesamten Ablauf der Tat. 

Erstmeldung vom 17. August 2020: Schäferhund geht auf Polizisten in Nürnberg los

Als der Hund erneut auf den Polizisten losgehen wollte, feuerte ein weiterer Beamter einen Schuss auf die Hinterläufe des Tieres, um den Angriff zu verhindern. Der verletzte Beamte wurde in ein Krankenhaus gebracht und auch der angeschossene Hund kam in eine Klinik. Der Schäferhund verstarb jedoch einige Stunden später.

Es stellte sich heraus, dass das aggressive Tier bereits vor dem Eintreffen der Polizei zwei Menschen verletzt hatte: Ein Kind und ein Mann aus der "gegnerischen" Gruppe wurden gebissen. Beide wurden vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht.

Der Kriminaldauerdienst hat die Ermittlungen zum Einsatz der Schusswaffe durch den Polizeibeamten übernommen. Gegen den Hundehalter wird außerdem wegen Körperverletzung ermittelt.

Kein Hund ist von Grund auf aggressiv - wie sehr der Charakter der Tiere von ihrer Erziehung abhängt, zeigt eine Geschichte aus dem Tierheim Nürnberg: Kampfhund "Abby" kümmert sich um einen ehemaligen Koma-Patienten.