Das Memorium Nürnberger Prozesse sucht für seine derzeit entstehende Wechselausstellung "Rechtsterrorismus. Verschwörung und Selbstermächtigung – 1945 bis heute" Zeitzeuginnen und Zeitzeugen eines rechtsterroristischen Verbrechens, das sich 1982 in Nürnberg ereignet hat.

Wie die Pressestelle der Museen der Stadt Nürnberg erklärt, tötete der Rechtsterrorist Helmut O. kurz vor Mitternacht am 24. Juni 1982 in der Nürnberger Innenstadt drei Menschen und verletzte drei weitere schwer. Sein erstes Ziel war die Diskothek "Twenty Five" in der Königstraße, von der er wusste, dass dort hauptsächlich Personen mit Migrationshintergrund oder mit ausländischer Staatsbürgerschaft zugegen sein würden.

"In der Diskothek schoss er gezielt auf ausländisch aussehende Menschen. Anschließend lief er die Königstraße weiter in Richtung Klaragasse. Dort rief er, dass er 'nur auf Türken schießen' würde und feuerte in eine Gruppe ausländischer Passanten. Schließlich lieferte er sich einen Schusswechsel mit der Polizei und erschoss sich danach selbst", so die Stadt. 

Gesucht werden Zeuginnen und Zeugen, die persönliche Erfahrungen mit dem Verbrechen gemacht haben, Hinterbliebene von Opfern sind oder sich heute aktiv an der Erinnerung an das Ereignis beteiligen. Die Aussagen dienten zur aktuellen Erforschung der Hintergründe der Tat und der Etablierung einer opferzentrierten Perspektive in der Ausstellung.

Die Kontaktaufnahme kann per E-Mail an memorium@stadt.nuernberg.de, per Telefon unter 09 11 / 2 31-2 86 12 oder per Post an Memorium Nürnberger Prozesse, Bärenschanzstraße 72, 90429 Nürnberg, erfolgen.

Die Ausstellung ist ab 27. Oktober 2022 für ein Jahr im Cube 600, Fürther Straße 104, zu sehen. "Sie wird zeigen, dass Rechtsterrorismus keine temporäre und lokale Erscheinung der Gegenwart ist, sondern ein ständiger Begleiter der deutschen und internationalen Geschichte. Beispiele aus Nürnberg und Umgebung werden mit nationalen und internationalen Fällen in Beziehung gesetzt und dadurch gemeinsame ideologische Kernelemente sichtbar gemacht", heißt es. Gefördert wird das Projekt von der Stiftung GLS Treuhand, dem Freistaat Bayern mit Haushaltsmitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales sowie der Amadeu Antonio Stiftung.

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