In Nürnberg soll das neue Stadtquartier Wetzendorf Wohnraum für etwa 2800 Menschen bieten. Der Bund Naturschutz zeigt sich jedoch äußerst besorgt. Nicht nur der regionale Gemüseanbau werde geschädigt.
- Nürnberg plant neues Stadtquartier Wetzendorf - für 2800 Menschen
- Bund Naturschutz sieht wertvolles ökologisches Gebiet gefährdet
- "Möglichst umweltfreundlich": Umweltreferentin entgegnet Kritik
- Naturschützer ziehen brachliegendes Gewerbegebiet vor
"Nürnberg ist ein Gebiet mit Wohnraummangel", sagt Umweltreferentin Britta Walthelm im Gespräch mit inFranken.de. Das sei die Motivation hinter dem geplanten Stadtquartier Wetzendorf am nordwestlichen Rand Nürnbergs. Der Streitpunkt: Hier befinden sich ein Überschwemmungsgebiet des Knoblauchslands und Ackerflächen für den Gemüseanbau. Der Bund Naturschutz (BN) wehrt sich gegen die Versiegelungspläne und schlägt Alternativen vor. Diese lösten das Wohnungsproblem jedoch nicht, so Walthelm.
Neues Nürnberger Baugebiet soll in Überschwemmungsgebiet entstehen - BN kritisiert Versiegelung scharf
Das Planungsgebiet liegt südlich der Schleswiger Straße und nördlich der Parlerstraße am Wetzendorfer Landgraben. Dieser ist laut dem BN-Vorsitzenden Klaus-Peter Murawski verantwortlich für die "Hauptentwässerung vom Flughafen und Marienberg über das gesamte sich anschließende Knoblauchsland bis zur Pegnitz". Auch der Seegraben übernehme eine Entwässerungsfunktion. "Links und rechts dieser Gräben liegen Überschwemmungsgebiete, die nicht bebaut werden dürfen, damit das Wasser aufgefangen werden kann."
Die Agrarflächen fungierten hier bereits seit Jahrhunderten als Versickerungsflächen "und die Bauern hatten keine Probleme mit der Bewässerung ihrer Felder", führt Murawski aus. Anstatt dieses System zu erhalten "versiegelt man es jetzt. Versiegeltes Land muss man wieder künstlich entwässern", fügt er hinzu. Die Stadt indes sehe sich in einem Interessenskonflikt zwischen Wohnraumnot und Umweltaspekten. Die Entwicklung von Baulücken in Nürnberg habe grundsätzlich Vorrang vor neuen Flächen außerhalb, erklärt Walthelm. "Der Ansatz, innen immer weiter zu verdichten, stößt aber an Grenzen." Denn häufig seien Gebiete betroffen, "wo es im Sommer eh schon heiß ist".
Neben der Brunecker Straße ist Wetzendorf ein Beispiel für Außenentwicklung. Laut einem Stadtratsbeschluss soll die Landwirtschaft im Knoblauchsland zwar erhalten bleiben, "es gibt aber einzelne kleinere Flächen, die noch erschlossen werden sollen", so die Umweltreferentin. Wetzendorf sei darüber hinaus schon seit Jahrzehnten im Nürnberger Flächennutzungsplan verankert. "Es ist klar, dass sich die Situation lokal durch die Versiegelung verschlechtert. Wir versuchen aber, das neue Quartier möglichst umweltfreundlich zu entwickeln."
Nürnbergs Umweltreferentin verteidigt Stadtquartier Wetzendorf - Park mit "neuem Erholungsraum"
Das Knoblauchsland sei ein sogenanntes Kaltluftentstehungsgebiet, das durch Luftströme die Stadt im Sommer kühle. "Die einzelnen Baublöcke werden so ausgerichtet, dass es zwischen Norden und Süden grüne Korridore gibt, sodass die Luft hindurchströmen kann", stellt sie die Planungen vor. Zudem sei inmitten des gut 22 Hektar großen Baugebiets eine Parkfläche von 9,5 Hektar im Sinne des Hochwasserschutzes vorgesehen. "Wir haben das Baugebiet an einzelnen Stellen zurückgenommen, dass es nicht in dem Überschwemmungsgebiet liegt." So komme zudem ein neuer Erholungsraum für die Bürgerschaft samt Radwegeverbindung hinzu.
"Wir stellen den nötigen ökologischen Ausgleich fast vollständig in dem Gebiet her", fügt sie hinzu. So würden die beiden Gräben "renaturiert und ökologisch aufgewertet". Nur ein Ausgleich für Feldbrüter sei hier nicht möglich. Dafür seien Flächen an anderer Stelle im Knoblauchsland vorgesehen. Murawski zeigt sich besorgt um die "stadtnahe Versorgung mit Gemüse und Obst auf wertvollen und fruchtbaren Ackerböden. Auf der gesamten Erdoberfläche sind nur sieben Prozent für den Nahrungsmittelanbau geeignet". Auch für Walthelm sei der Wegfall von landwirtschaftlichen Flächen "schmerzhaft", doch "der überwiegende Teil der Flächen steht auch weiterhin der Landwirtschaft zur Verfügung", betont sie nochmals.