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Nürnberg
FSME

Frau erkrankte an FSME - und warnt nun vor gefährlichem Virus

Susanne Schlößer erkrankt vor drei Jahren plötzlich an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), vielen auch als Zecken-Krankheit bekannt. Das Virus schlägt auf ihr Gehirn. Nun warnt sie vor der gefährlichen Krankheit, die jeden treffen kann.
 
Susanne Schlößer FSME
FSME-Erkankte Susanne Schlößer im September 2017. Sie befindet sich da noch in der Klinik und kann sich noch nicht richtig bewegen. Foto: privat
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Nach FSME: Erkrankte warnt vor unterschätzter Krankheit: Sommer bedeutet für die meisten vor allem Sonne, Eis und Schwimmbad. Die abendliche Suche nach Zecken auf der Haut ist nur für wenige Teil der täglichen Routine. Das kann fatale Folgen haben.

Susanne Schlößer weiß das nur zu gut. Die heute 59-Jährige erkrankt vor drei Jahren an FSME. Was folgt, ist ein jahrelanger Weg zurück. Schlößer will andere mit ihrer Geschichte warnen.

FSME: "Virus schlug direkt aufs Gehirn" 

Dabei fing im Juli 2017 alles ganz harmlos an. "Ehrlich gesagt, dachte ich, ich hätte einen Burnout", so Schlößer im Gespräch mit inFranken.de. "Ich habe damals viel gearbeitet. Als dann Kopfschmerzen und fehlender Appetit dazu kamen, dachte ich mir nichts dabei. Ich war sehr müde, aber wer ist das nicht, wenn er viel arbeitet?" Nach Tagen erkannte ein befreundeter Arzt: Susanne Schlößer muss dringend ins Krankenhaus. Sie ist extrem dehydriert, hat seit Tagen nichts zu sich genommen.

Was dann folgt, weiß sie nur aus Erzählungen ihrer Familie. Sie kommt in Nürnberg ins Krankenhaus, ist erst in Quarantäne, dann folgen Untersuchungen. Schließlich steht fest: Es ist FSME. Sie wird in die Klinik am Europakanal in Erlangen verlegt.

An all das kann sie sich nicht mehr erinnern. "Ich war vollkommen weg, bekam starke Medikamente", berichtet Schlößer. Sie habe sehr viele wilde Träume gehabt und sei oft nicht ganz bei sich gewesen. Drei Monate verbringt sie in der Klinik. "Das Schlimmste ist, dass man nicht viel machen kann. Der Körper muss sich selbst heilen und das dauert." Die Klinik schreibt anschließend eine Geschichte über sie, um über die Krankheit aufzuklären. 

Als die heute 59-Jährige nach einem Vierteljahr entlassen wird, sitzt sie im Rollstuhl und ist halb blind. Sie verbringt ein paar Wochen zuhause, wird gepflegt. Dann kommt sie für sechs Wochen in die Reha. Dort geht es richtig bergauf. "Ich sage immer, ich bin mit einem Rollator rein und auf zwei Beinen wieder raus", scherzt Schlößer. Sie muss alles neu lernen. "Mein Gehirn musste trainiert werden, beispielsweise mit Kopfrechnen." Oft ist sie auch verzweifelt. "Ich habe viel geweint. Es war eine harte Zeit."

Eine Ärztin nimmt sie beiseite und sagt ihr: "Frau Schlößer, nur wenige überleben das, was sie durchgemacht haben. Sie hätten auch tot sein können." Also hat sie weitergemacht. Für ihre Familie, vor allem für ihre Söhne. 

Patientin: FSME-Ansteckung unklar

Heute klingt Schlößer lebensfroh und entschlossen: "Ich habe eine gute Konstitution, das hat mir von Anfang an geholfen. Aber ich arbeite täglich weiter." Zweimal die Woche geht sie zum Reha-Sport und versucht, sich viel zu bewegen - ohne ihren Körper zu stark zu belasten. "Ich habe immer noch starke Probleme mit den Augen - Bücher lesen oder am Computer arbeiten, ist für mich sehr schwer." Gelegentlich leidet sie unter Schwindel, tageweise habe sie Probleme beim Laufen. "Man darf nicht vergessen, dass mein Gehirn komplett angegriffen war. Das hinterlässt Spuren."

Woher sie das Virus hat, wissen die Experten nicht genau. "Die Ärzte vermuteten immer, dass ich einen Zeckenbiss hatte. Aber ich habe keine gesehen." Sie selbst glaubt an etwas anderes: Kurz vor ihrer Erkrankung flog ihr beim Spaziergang ein großes Insekt ins Auge. "Das waren unfassbare Schmerzen." Einige Wochen später kam sie ins Krankenhaus. Welche Theorie genau stimmt, weiß Schlößer nicht. "Den wahren Grund werde ich wohl nie herausfinden."

Gerade diesen Sommer warnen Experten des Deutschen Roten Kreuzes vor vermehrtem Zeckenvorkommen: "Die Risikogebiete für einen vermehrten Zeckenanfall sind dieses Jahr größer. Aufgrund des milden Winters gibt es zudem noch mehr Zecken als in den Vorjahren. Begonnen hat die Zeckensaison diesmal schon im März", sagt Professor Peter Sefrin, Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes. Die Gefahr sei dieses Jahr besonders hoch, so heißt es in der Warnung. Vor allem in Süddeutschland, also in Bayern und Baden-Württemberg, sei die Gefahr besonders hoch. 

FSME-Erkrankte: Ich würde Impfung empfehlen

Auch auf der Website des Robert-Koch-Instituts gibt es ausführliche Informationen zum FSME-Virus. Es gibt auf Seite des Instituts auch eine spezielle Rubrik, in der häufig gestellte Fragen beantwortet werden. Sie finden die Antworten hier.

Susanne Schlößer empfiehlt auf jeden Fall eine Impfung. "Natürlich kann vor einem Virus nichts hundertprozentig schützen, aber eine Impfung ist schon einmal der richtige Schritt", sagt sie. Man müsse bei der Gesundheit hinterher sein. "Viele meinen, nur weil sie nicht regelmäßig in den Wald gehen, sind sie sicher. Das stimmt so nicht." Sie habe sich wahrscheinlich in einem Wohngebiet angesteckt. "In jedem Strauch können Zecken lauern."

Alle Infos zur Zeckengefahr in Franken finden Sie in unserem Ticker: Experten warnen und geben Tipps.