Nürnberg
Akuter Personalmangel

Nach Koffer-Chaos am Flughafen Nürnberg: Airport holt sich Verstärkung aus der Türkei

Am Flughafen Nürnberg spielten sich zuletzt wiederholt chaotische Szenen ab. Im Kampf gegen den akuten Personalmangel setzt der Airport nun auf Aushilfskräfte aus dem Ausland.
Flughafen Nürnberg holt türkische Aushilfskräfte - wird das Koffer-Chaos nun beendet?
19 junge Männer und Frauen aus der Türkei unterstützen den Flughafen Nürnberg aktuell bei der Gepäckverladung und der Flugzeugreinigung. Foto: Daniel Karmann (Airport Nürnberg)
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  • Flughafen Nürnberg: Airport holt 19 Aushilfen aus der Türkei - befristete Stellen
  • Nach Koffer-Chaos: Junge Männer und Frauen sollen Personalnot lindern
  • Arbeitskräfte weiter dringend benötigt - "Hochsaison läuft bis in den Herbst"
  • Weiter steigende Passagierzahlen erwartet: Airport-Chef mit eindringlichem Appell

Auf Deutschlands Flughäfen kam es in den vergangenen Wochen mitunter zu chaotischen Szenen bei der Abfertigung. Grund war in der Regel die prekäre Personalsituation der Airports. Um ein Gepäckgewirr und Flugausfälle fortan möglichst zu verhindern, setzt der Flughafen Nürnberg auf Aushilfen aus dem Ausland. 19 Arbeitskräfte aus der Türkei unterstützen den Airport bei der Gepäckverladung und der Flugzeugreinigung - allerdings nur vorübergehend.

Flughafen Nürnberg setzt auf türkische Arbeitskräfte - weiter jede helfende Hand dringend gebraucht

Die jungen Männer und Frauen aus der Türkei mussten laut Angaben des Nürnberger Flughafens zunächst Bewerbungsverfahren, Visumvergaben, Sicherheitsüberprüfungen und Schulungen absolvieren. Inzwischen sind sie jedoch einsatzbereit. Auf dem Airport-Gelände wird augenfällig weiterhin jede helfende Hand dringend gebraucht - auch wenn sich die Sommerferien in Bayern allmählich ihrem Ende nähern. "Die Kolleginnen und Kollegen auf Zeit werden benötigt, denn die Hochsaison läuft am Flughafen noch bis in den Herbst hinein", betont Airport-Geschäftsführer Michael Hupe.

Der Flughafen-Chef appelliert schon jetzt, die Chancen für die Beschäftigung von Arbeitskräften aus Nicht-EU-Staaten dauerhaft zu erleichtern. Dies ist ihm zufolge insbesondere in Hinblick auf die Ferienzeit vonnöten. "Die nächste Sommerreisewelle kommt bestimmt", erklärt Hupe. Auf Bayerns zweitgrößtem Flughafen arbeiten laut eigenen Angaben gegenwärtig rund 1000 Beschäftigte. Die nun für befristete Zeit neu dazu gekommenen 19 türkischen Mitarbeiter werden dem Airport zufolge nach Tarifvertrag bezahlt. Der Flughafen stelle den jungen Menschen außerdem Wohnungen zur Verfügung. Ein dauerhafter Aufenthalt ist indes nicht vorgesehen. "Das Beschäftigungsverhältnis kann bis spätestens 6. November 2022 bestehen", heißt es in einer Mitteilung des Flughafens vom Donnerstag (1. September 2022). 

Gemäß dem Luftfahrt-Leitspruch "safety first" hätten die türkischen Arbeitskräfte sämtliche Voraussetzungen erfüllen müssen, die auch für alle anderen Beschäftigten gelten. Insbesondere habe für die neuen Beschäftigten die Pflicht bestanden, Schulungen sowie "Sicherheits- bzw. Zuverlässigkeitsüberprüfungen" zu durchlaufen. Im operativen Bereich - wie etwa beim Check-in, der Flugzeugabfertigung und im Gepäckservice - hat der Flughafen laut Eigenaussage seit Dezember 2021 rund 150 neue Mitarbeiter einstellen können. Zusätzlich seien circa 80 Angestellte aus Verwaltung, Technik und Management geschult worden, um zu Stoßzeiten und bei Verkehrsspitzen aushelfen zu können. 

680.000 Fluggästen allein in den Sommerferien - fränkischer Airport wieder auf Vor-Pandemie-Niveau

Der infolge der Pandemie entstandene Passagierschwund am Nürnberger Flughafen gehört derweil offenkundig der Vergangenheit an. "Nach coronabedingten Einbrüchen unserer Passagierzahlen haben wir in diesem Sommer mit rund 680.000 Fluggästen allein in den Sommerferien wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht", berichtet Airport-Chef Hupe. Die Hauptreisesaison läuft demnach noch bis Ende Oktober. 

Solang sollen die neuen türkischen Arbeitskräfte die Stammbelegschaft möglichst tatkräftig unterstützen. Zu ihren Hauptbetätigungsfeldern zählen die Gepäckabfertigung und die Flugzeuginnenreinigung

"Die neuen Kolleginnen und Kollegen sind hoch willkommen“, sagt auch Jan C. Bruns, Geschäftsführer der Flughafentochter AirPart, die für operative Aufgaben zuständig ist. "Die Frauen und Männer aus der Türkei leisten einen wertvollen Beitrag, um den momentanen Engpass zu beseitigen." 

Flughafen Nürnberg erwartet weiter steigende Passagierzahlen - Airport-Chef appelliert an Politik

Helfende Hände werden laut dem Geschäftsführer des Nürnberger Flughafens indessen auch im nächsten Jahr benötigt. Der Grund: Für 2023 erwartet der fränkische Airport weiter steigende Passagierzahlen. Um diese bewältigen zu können, sei man auf Hilfe von außerhalb der EU angewiesen. "Der deutsche und EU- Arbeitsmarkt allein wird den Bedarf nicht decken können", betont Hupe. Das bewirke schon der immer stärker spürbare demografische Wandel.

Der Flughafen-Geschäftsführer appelliert deshalb an die Politik, die Verfahren zur Aufnahme von Arbeitskräften auch aus Nicht-EU-Ländern frühzeitig anzustoßen und zu beschleunigen. Damit die benötigten Arbeitskräfte rechtzeitig bis zum nächsten Sommerflugplan zur Verfügung stehen könnten, müsse eine Regelung, die den Einsatz dieser Arbeitskräfte ermöglicht, bis spätestens Ende 2022 vorliegen.

Weitere Arbeitskräfte am Airport werden demnach kontinuierlich gesucht. Die offenen Stellen sind auf der Webseite des Flughafens Nürnberg einsehbar.

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