Der geplante Ausbau des Frankenschnellwegs in Nürnberg sorgt weiterhin für massive Kritik. Jetzt könnte das Millionen-Projekt durch einen Bürgerentscheid begraben werden.
Seit vielen Jahren wird über den Ausbau des Frankenschnellwegs in Nürnberg debattiert. Die Stadt plant, die stauanfällige Verkehrsachse für etwa eine Milliarde Euro kreuzungsfrei umzugestalten. Die Kritiker halten die Pläne für überteuert und unzureichend. Am 28. Juni 2026 sind nun alle wahlberechtigten Nürnberger in einem Bürgerentscheid gefragt, ob die Stadt den geplanten Ausbau stoppen oder weiterverfolgen soll.
Der Frankenschnellweg im Westen von Nürnberg ist die innerstädtische Verlängerung der A73 und verbindet die Stadt mit Fürth und Erlangen. Laut Angaben der Stadt passieren täglich 60.000 Fahrzeuge aus Nürnberg und der Metropolregion die stauanfällige Strecke. Diese führt im Stadtgebiet über mehrere Kreuzungen mit Ampeln.
Frankenschnellweg-Ausbau: Tunnel, Lärmschutz, Begrünung - die Pläne der Stadt Nürnberg
Die Stadt beabsichtigt daher, die Verkehrsachse kreuzungsfrei auszubauen. Das Herzstück ist ein 1,8 Kilometer langer Tunnel. Zudem soll der Frankenschnellweg im Westen um eine dritte Spur erweitert werden, und es sollen Lärmschutzwände errichtet werden. Die Kosten belaufen sich laut der Stadt auf rund eine Milliarde Euro. Der Freistaat übernimmt demnach 80 Prozent der förderfähigen Kosten, was laut dem städtischen Servicebetrieb Öffentlicher Raum nach aktuellem Kostenstand 650 Millionen Euro entspricht. Darüber hinaus will das Land zusätzliche 100 Millionen Euro separat finanzieren.
Die Initiatoren des Bürgerentscheids sind der Ansicht, dass der Ausbau die Verkehrsbelastung in der Stadt nicht verringern wird. Es profitiere nur der Durchgangsverkehr, sagte Sprecherin Brigitte Sesselmann. Der Frankenschnellweg werde dann vor allem für den Schwerlastverkehr zur attraktiven Abkürzung, denn auf der Kreisstraße müsse dieser im Gegensatz zum längeren Weg auf den Autobahnen um Nürnberg herum keine Maut zahlen.
Die Gegner kritisieren auch die hohen Kosten, in denen die Begrünung von Teilen des Tunneldeckels und der jährliche Unterhalt des Tunnels in Millionenhöhe noch nicht enthalten seien. "Beides müsste allein die Stadt zahlen", sagte Sesselmann. Das Geld fehle dann in grundlegenden Bereichen wie Bildung, Soziales, Gesundheit, Kultur und öffentlichem Nahverkehr. Aus Sicht der Gegner wird der Ausbau das Stauproblem nicht lösen.
Gegner formieren sich: Unter anderem wird ein Tempolimit vorgeschlagen
Dazu müsse die Stadt ein überregionales Verkehrskonzept mit Fürth, Erlangen und Schwabach erarbeiten und den öffentlichen Nahverkehr ausbauen, um den Pendlerverkehr zu reduzieren, sagte Sesselmann. Kurzfristig könnten Tempolimits und Verkehrslenkungen helfen. Beim Bürgerentscheid dürfen rund 380.000 wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger abstimmen.
Diese haben dafür Briefwahlunterlagen erhalten. Abstimmen können die Menschen aber auch persönlich am 28. Juni in einem Abstimmungsraum, der ihnen in der Benachrichtigung mitgeteilt wurde. Etwas verwirrend: Wer den Ausbau stoppen will, muss auf dem Stimmzettel "Ja" ankreuzen, weil man damit der Auffassung der Initiatoren zustimmt.