Die Neigung der Deutschen, sich etwas zu gönnen oder für Anschaffungen auszugeben, war schon in den vergangenen drei Jahren hoch. Und daran soll sich so schnell nichts ändern, sagen die Marktforscher der GfK in Nürnberg voraus. "Der Konsum war im vergangenen Jahr eine ganz entscheidende Stütze der Konjunktur. Und die Voraussetzungen für 2016 sind ähnlich gut", berichtete GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl gestern bei einer Pressekonferenz in Nürnberg.


Planungssicherheit

Die Wirtschaftskraft und ein robuster Arbeitsmarkt sorgten dafür, dass die Angst vor Arbeitslosigkeit momentan kein Thema sei. Das schaffe Planungssicherheit für die Privathaushalte.
Dies sei vergleichbar mit der Sicherheit, die Unternehmen bräuchten, um Investitionsentscheidungen zu treffen, erklärte Bürkl.
Hinzu kämen ein hoher Einkommensoptimismus und niedrige Preise für Energie, vor allem Benzin und Rohöl. "Die Verbraucher sehen keinerlei Inflationsgefahren", sagte der Marktforscher. Alternativen zum Konsum seien dagegen "nicht sehr ausgeprägt". Vor allem die Sparneigung verharre weiter im Keller. Im Frühjahr vergangenen Jahres habe es so ausgesehen, dass der Indikator für die Sparneigung aus seinem Sumpf kommen könnte, sagte Bürkl. Doch dann sei EZB-Chef Mario Draghi mit der Verlängerung seines Anleihekaufprogramms gekommen. Seitdem ist die leichte Erholung bei der Sparneigung nach den GfK-Zahlen gestoppt. "Von einer Normalisierung des Zinsniveaus sind wir in Deutschland sehr weit entfernt."


Energiepreise als Risiko

GfK-Vorstandsvorsitzender Matthias Hartmann gab gestern die Prognose ab, dass der private Konsum in Deutschland in diesem Jahr real um zwei Prozent steigen wird. Der Wert sei zurückhaltend geschätzt. "Wir können die Augen vor manchen Risiken nicht verschließen", sagte Hartmann. Solche Risiken seien ein Scheitern des Schengener Abkommens und damit wieder geschlossene Grenzen aufgrund der Flüchtlingskrise oder weiter abstürzende Energiepreise, die dazu führen könnten, dass die betroffenen Branchen ihre Investitionen verringern.
Von der guten Konsumlaune profitierten zuletzt vor allem die Anbieter von Gütern für den langfristigen Bedarf. So sei etwa 2015 die Zahl der Pkw-Neuzulassungen gestiegen, berichtete GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth. Ebenso hätten die Ausgaben für Häuser oder Renovierungen deutlich zugelegt.
Daneben gaben die Verbraucher erneut mehr für Reisen aus. Profitiert von der Konsumlaune hat laut Adlwarth auch der Erlebniskonsum. "Im Kinomarkt haben wir das beste Ergebnis, seit wir das beobachten", sagte Adlwarth.


Möbelhandel profitiert

Laut GfK verwenden die Verbraucher zwei Drittel ihres verfügbaren Einkommens für derartige große Anschaffungen, Urlaub und Dienstleistungen. Der Rest komme dem Einzelhandel zugute.
Auch dieser hat die gute Verbraucherstimmung im vergangenen Jahr nutzen können. Und 2016 sieht es ähnlich gut aus. Die GfK prognostiziert für den Lebensmitteleinzelhandel einen Zuwachs von 1,5 Prozent auf 173,2 Milliarden Euro. Für den sogenannten Non-Food-Handel sieht es sogar noch etwas besser aus. Er wird laut GfK voraussichtlich um 1,7 Prozent zulegen, auf 170,5 Milliarden Euro. Mit Nonfood bezeichnen die Marktforscher Elektroware, Textilien, Hausrat oder Baumarktartikel. "Vor allem der Möbelhandel hat hier sehr stark profitiert", berichtete Adlwarth. Dagegen sei auf dem Textilmarkt ein leichtes Minus von 0,4 Prozent zu verzeichnen.


Mittelsegment verliert

Immer mehr Konsumenten achten beim Kauf vor allem auf die Qualität. "Der Trend zu höherwertiger Ware hält an", sagte Adlwarth. "Dies zu Lasten des Mittelsegments." Als Beispiel brachte der Handelsexperte den Verkauf von Kücheneinrichtungen. Küchen im obersten Preissegment, also teurer als 20 000 Euro, seien zuletzt ein Drittel häufiger verkauft worden. Ebenso habe es im Billigsegment Zuwächse gegeben, wenn auch nur fünf bis sieben Prozent.