Nürnberg
Heftige Vorwürfe

"Über Jahre gespart": Familie erlebt 14-stündige Odyssee am Flughafen Nürnberg - Urlaubstraum geplatzt

Am Flughafen Nürnberg sollte ein Ferien-Flieger ohne das Gepäck vieler Passagiere abheben. Betroffenen soll dabei ein anderer Flug ohne Aufpreis angeboten worden sein - sie stiegen aus. Und erleben jetzt den absoluten Horror, wie eine Passagierin berichtet.
Flughafen Nürnberg: Familie erlebt 14-stündige Odyssee am Airport - Urlaubstraum geplatzt
"Hungrig, müde, erschöpft" sei Familie Dunaew am Flughafen Nürnberg gewesen, so die Mutter. Geholfen habe nach dem Gepäck-Chaos und dem Ausstieg niemand. Foto: Sabine Dunaew/Collage: Fynn Partheymüller
  • Flughafen Nürnberg: Reisende sollen teils ohne Gepäck nach Rhodos 
  • "Pilot gab uns andere Möglichkeit": Passagierin verlässt Maschine wegen "Versprechen" 
  • Schock in Reisecenter - offenbar Vorwurf des freiwilligen Reiseabbruchs
  • "Kein Personal am Flughafen": TUI will Vorfall prüfen - und verspricht "kulante Lösung"

Familie erlebt Urlaubs-Horror nach Koffer-Chaos am Flughafen Nürnberg. Sabine Dunaew wollte eigentlich am Pfingstsamstag (04. Juni 2022) zusammen mit ihrem Mann und Sohn nach Rhodos in den Urlaub fliegen. Doch was sich nach ihrer Aussage am Flughafen Nürnberg abspielte, gleicht einem Albtraum - ohne Ende in Sicht. Ähnlich ging es einer anderen Passagierin des Flugs, über die inFranken.de bereits berichtet hatte.

Flughafen Nürnberg: Massive Verspätungen und Gepäck-Chaos - Passagierin berichtet von Unruhe

Um 2.15 Uhr kam Familie Dunaew demnach am Flughafen Nürnberg an, um nicht zu spät für ihre Reise zu sein. "Da der Flug um 5 Uhr ging, wollten wir so früh wie möglich da sein", berichtet Sabine Dunaew gegenüber inFranken.de. "Vor Ort gab es schon etliche Schlangen beim Einchecken". "Es waren vier Schalter geöffnet, die Mitarbeiter sagten uns, dass sie erst seit maximal zwei Monaten dort arbeiten würden", erklärt sie weiter. Dies ist laut Flughafen Pressesprecher Christian Albrecht auf Personalmangel zurückzuführen. "Wir haben momentan eine angespannte Personalsituation", berichtet er. 

Als die Familie an ihrem Gate ankam, gab es laut Dunaew schon andere Fluggäste, die bestätigt haben sollen, dass bereits Flüge ohne Gepäck gestartet seien. "Eigentlich war das Boarding um 4.30 Uhr geplant, aber wir kamen erst kurz nach 6 Uhr am Flugzeug an", so Dunaew.

Der Pilot der Maschine des Flugs ART4412 der Airline SmartLynx meldete sich nach Aussage von Sabine Dunaew zu Wort. "Er entschuldigte sich für die Verspätung und teilte mit, dass der unser Reiseveranstalter TUI entschieden hätte, dass wir ohne Gepäck fliegen würden. Da ist bei uns allen natürlich Unruhe aufgekommen, die Stewardessen konnten unsere Fragen nicht beantworten", berichtet sie. "Er fügte an, dass die Koffer dann morgen oder übermorgen in Rhodos ankommen würden."

"Können aussteigen": Pilot soll Gratis-Nutzung eines anderen Flugs versprochen haben 

"Der Pilot gab uns auch eine andere Möglichkeit. Reisende, die ihren Koffer unbedingt brauchen, können aussteigen und ihn abholen. Ein TUI-Mitarbeiter würde in der Halle auf uns warten und sich um uns kümmern", erklärt Dunaew.

"Weiter versprach er, dass wir einen anderen Flug nehmen könnten und wir im Falle, dass wir keinen an diesem Tag bekommen sollten, auch eine Unterkunft kriegen würden". Der Pilot der Maschine setzte die Reisenden laut Dunaew unter massiven Zeitdruck, da "er ASAP (so schnell wie möglich) eine Entscheidung bräuchte, da er in kurzer Zeit losfliegen muss", so Sabine Dunaew. Für sie unverständlich, da laut Aussagen von Familien, die mitgeflogen seien, "die Maschine erst über eine Stunde später startete".

"So entschieden sich insgesamt mit uns fünf Familien, auszusteigen, um unsere Koffer abzuholen", berichtet Dunaew. "In der Flughafen-Halle angekommen, war aber niemand da, um uns zu helfen". Da das TUI-Reisecenter erst um 10 Uhr öffnete, entschieden sich die Familien ihr zufolge dazu zu warten.

"Kein Rechtsanspruch": Familie soll Flugzeug in Nürnberg freiwillig verlassen haben 

"Als um 10 Uhr das TUI-Reisecenter öffnete, konnte uns auch nicht weitergeholfen werden. Uns wurde gesagt, dass wir direkt bei TUI anrufen sollen. Am Telefon wurde uns vorgeworfen, dass wir eine "no show"-Reise angetreten sind, so als ob wir gar nicht erst eingestiegen wären", berichtet sie. So soll der Pilot TUI versichert haben, dass die fünf Familien "auf eigenen Wunsch" ausgestiegen seien. "Uns wurde dann vorgeworfen, dass wir unsere Reise abgebrochen hätten". Somit "bestünde für uns kein Rechtsanspruch", so Dunaew weiter. "Wir waren sprach- und fassungslos".

"Der Pilot hatte uns aber die Versprechen gemacht. Wir waren sogar bereit, auf einen unserer Urlaubstage zu verzichten, um auf einen anderen Flug zu warten". Andere Fluggäste vom Flieger nach Rhodos könnten "bestätigen, dass der Pilot das gesagt hat". Das Chaos am Flughafen in Nürnberg war damit für Familie Dunaew noch nicht zu Ende. "Es gab ja auch noch das Problem mit unseren Koffern. Wir sind stündlich zum Lost & Found Schalter, wurden dort aber auch jedes Mal vertröstet", berichtet Dunaew. "Uns wurde aber zugesichert, dass wenn wir in Deutschland bleiben, wir auch unser Gepäck bekommen würden."

Gegen 16 Uhr sei der Geduldsfaden der Familien endgültig geplatzt. "Nach 14 Stunden Wartezeit am Flughafen sind wir dann nach Hause gefahren. Natürlich haben wir die 91 Euro Parkplatzgebühr trotzdem bezahlen müssen", so die genervte Mutter weiter. Sabine Dunaew berichtet, dass Familien, die mit dem Flieger nach Rhodos geflogen sind, über mehrere Tage kein Gepäck geliefert bekommen hätten. "Wir haben unser Gepäck auch noch nicht bekommen. Gestern kam ein Anruf von unserem Hotel, dass zwei unserer drei Koffer auf Rhodos angekommen wären", so Dunaew am Freitag (10. Juni 2022)

"Nicht unser Anspruch": Flughafen Nürnberg will Verantwortung für Gepäck-Chaos übernehmen

"Wir wollten das Gepäck natürlich so schnell wie möglich nachliefern, es ist eine bedauernswerte Situation, das ist natürlich nicht unser Anspruch", so Flughafensprecher Albrecht. Wie er weiter erklärt, sei nicht allein der Flughafen Nürnberg an dieser Situation schuld. "Es gab 1700 Gepäckstücke, die nachgeliefert werden mussten. Da die Anschlussflüge auch alle voll waren, mussten wir Gepäck teilweise an andere Flughäfen liefern, um sie zu schicken". "Das geht in manchen Fällen nicht in ein oder zwei Tagen." "Wir übernehmen dafür natürlich Verantwortung und werden zeitnah Gespräche mit den Airlines und Reiseveranstaltern führen", so Albrecht weiter. 

Auch der dritte Koffer von Sabine Dunaew wurde laut ihr gefunden: am Flughafen Nürnberg. "Das ist ein völliges Chaos", findet sie. Was aus einer Zurückerstattung der Kosten wird, wisse sie nicht. "Das Geld ist schon an TUI überwiesen, ob wir es zurückbekommen, das weiß ich nicht", erklärt sie. Sie und die anderen geschädigten Familien hätten sich diesbezüglich einen Anwalt besorgt. Die Kosten für den siebentägigen Urlaub beliefen sich laut ihr auf rund 3700 Euro. "Das ist für uns ein Batzen Geld, das haben wir über Jahre gespart und jetzt können wir nicht einmal in den Urlaub". 

TUI selbst stehe "nicht mit den Piloten von Airlines, die unsere Gäste in den Urlaub fliegen, in Kontakt", so der Reiseveranstalter auf Anfrage von inFranken.de. "Auch hat die TUI kein Personal am Flughafen Nürnberg. Wieso es zu diesen Aussagen kommen konnte, werden wir jetzt untersuchen lassen", heißt es in einer schriftlichen Antwort. Man werde zusammen mit dem Flughafen Nürnberg "eine kulante Lösung für die wegen des Gepäckbandausfalls am Flughafen Nürnberg nicht abgeflogenen Gäste der Smartlynx-Maschine organisieren", verspricht TUI jedoch.