• Altdorf: Familienbetrieb droht nach fast 100 Jahren das Aus
  • Getreidepreise verdoppelt: Kunstmühle Max Bauer bekommt kein Weizen mehr
  • "Wenn der Krieg nicht endet": Chef befürchtet Schließung seiner Mühle schon kurz nach Ostern
  • "Bete jeden Tag für Wunder": Nur eine Sache könnte Betrieb noch retten 

Wegen des Ukraine-Kriegs steht das traditionelle Familienunternehmen der Max Bauer Kunstmühle in Altdorf (Nürnberger Land) plötzlich kurz vor dem Aus. Das berichtet der Betreiber Erich Bauer gegenüber inFranken.de. Der Ukraine-Krieg habe dazu geführt, dass der Betrieb, den Bauer in der dritten Generation führt und der 1930 gegründet wurde, um seine Existenz bangen muss. Denn die Mühle bekomme kaum noch Getreide, so der Chef. Nur eine Sache könne sie noch retten. 

Altdorfer Familienunternehmer bangt um seine Mühle - "Landwirte spekulieren jetzt"

"Diejenigen, die ihre Lager vor Wochen vollgemacht haben, die haben jetzt Glück", erzählt Bauer. Vor acht Wochen habe ihn eine Tonne Weizen noch 240 Euro gekostet, aktuell seien es bereits 440 Euro pro Woche. "Gleichzeitig haben sich die Personal- und Stromkosten massiv erhöht, jetzt droht auch noch Gas-Knappheit", so der Mühlenchef. Er selber habe seine Bestände nicht so frühzeitig aufgefüllt, wie manch andere Konkurrenten. "Die Landwirte spekulieren jetzt", sagt der 64-Jährige.

Viele der Farmer hätten sich über die letzten Jahre eigene große Lager geschaffen, in denen das Getreide deutlich länger haltbar bleibe. "Sie verkaufen zum Teil aktuell gar nicht. Wir beziehen Weizen und Roggen fast ausschließlich regional. Unsere Produzenten sitzen in Nürnberg und rund 80 bis 90 Kilometer drumherum, hauptsächlich gen Osten, etwa in Pegnitz oder in Maxhütte-Haidhof", erzählt der Unternehmer. "Mein Großvater hat die Mühle aus dem 16. Jahrhundert im Jahr 1930 gekauft, ich bin Betreiber in der dritten Generation seit den 1990er Jahren."

Im Unternehmen, das sich laut Selbstbeschreibung "auf qualitativ hochwertige Mehle aus Weizen und Roggen" spezialisiert habe, gebe es neben seiner Frau und ihm nur vier weitere Beschäftigte. "Mein Sohn wird den Betrieb nicht übernehmen. Er ist zwar auch Müller, arbeitet aber als Betriebsleiter in seiner Lehrlingsmühle in Baden-Württemberg und schätzt dort die geregelte Arbeitswoche mit fünf Tagen – und dass er sich nicht um solche Probleme wie Getreidespekulation kümmern muss", so Bauer weiter.

Nur Investor kann Traditionsbetrieb aus Altdorf noch retten - Ukraine-Krieg hat Lage "drastisch verschlechtert"

Niemand wisse aktuell, wie es weitergehen solle, berichtet der 64-Jährige. "Wenn der Krieg nicht endet, könnte es sein, dass wir nach Ostern leer sind und für immer schließen müssen. Ich bete jeden Tag für ein Wunder." Nur eine Sache könne dem Betrieb noch helfen, erklärt Bauer: "Was wir jetzt dringend bräuchten, wäre ein Investor mit Branchen-Kenntnissen." Denn die Situation in den kleinen Mühlen habe sich "drastisch verschlechtert". 

"Die kleinen Bäcker, die unser Mehl beziehen, machen einer nach dem anderen dicht." Sie fänden schlicht kein Personal mehr, die Preise hätten sich gleichzeitig stark erhöht. Normalerweise könne man in Altdorf 80 bis 150 Tonnen Mehl aus Roggen und Weizen pro Tag produzieren. "Letzte Woche habe ich aber gerade mal einen LKW mit 30 Tonnen bekommen. Unsere Bestände sind fast leer, gerade sind noch 80 Tonnen da, das ist fast gar nichts", sagt der verzweifelte Mühlen-Chef.

Mit den "großen Konzernen" können man einfach nicht mithalten. "Die können solche Preisschwankungen ausgleichen und sich auch mal einen Verlust erlauben, weil sie viel mehr Kapital und bessere Infrastruktur haben", sagt er. Ganz anders seine Lage: Bauer habe im Altdorfer Familienbetrieb "Kurzarbeit eingeführt habe und die Produktion auf 20 Prozent heruntergefahren". Nun hoffe er darauf, dass doch nicht so bald Schluss sei mit dem Traditionsunternehmen. Das hänge aber auch von den Spekulationen auf dem Markt ab. Und davon, ob sich ein Investor finde. 

Auch interessant: Bekannte Modekette kündigt alle Mietverträge - knapp 200 Filialen droht jetzt das Aus