• Klaus Berninger: Leiche des Bäckerlehrlings (16) im Wald entdeckt
  • Cold Case aus Franken: Polizei untersucht den Mordfall aus Wörth am Main neu
  • Befragungen und ein Messer: Das haben die Ermittler bisher herausgefunden
  • Neue Erkenntnisse zu Mord an Jugendlichem: Welche Rolle spielt ein Anhänger dabei?

Er wurde gerade einmal 16 Jahre alt: Mittlerweile sind über 30 Jahre seit dem Mord am Teenager Klaus Berninger vergangen. Doch die Polizei lässt nicht locker. Nun gibt es wieder neue Erkenntnisse zum "Cold Case" aus Unterfranken.

Update vom 15. Juli 2022: Änhänger, Katalog und Messer - "SOKO Berninger" verfolgt mehrere Spuren

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft aus Aschaffenburg gingen in den vergangenen Wochen weiter. Besonders aus den bisherigen Vernehmungen haben sich neue Fragen an die Bevölkerung ergeben, wie das Polizeipräsidium Unterfranken mitteilt. Die Ermittlungen zum im Mai aufgefundenen Messer laufen derzeit weiter und seien noch nicht abgeschlossen.

Rund 100 Hinweise aus der Bevölkerung sind bisher eingegangen: Die "SOKO Berninger" hat auf dieser Basis eine Vielzahl von weiteren Zeugenvernehmungen durchgeführt. Diese sollen dabei helfen, die Umstände, die zum Tod von Klaus Berninger geführt haben, weiter zu rekonstruieren. "Aus den Vernehmungen haben sich neue Fragestellungen ergeben, welche nun gezielt an die Bevölkerung gerichtet werden sollen", heißt es vonseiten der Polizei.

Im Bereich des mutmaßlichen Tatorts am "Schneesberg" wurde zudem ein Anhänger, der vermutlich zu einer Halskette gehört, gefunden. Dieser zeigt ein "Waage"-Symbol. Der Eigentümer bzw. die Eigentümerin des Anhängers konnte bisher noch nicht identifiziert werden.

Kettenanhänger an Tatort gefunden: Doch wem gehört er?

Die Polizei wendet sich daher mit folgenden Fragen an die Bevölkerung:

  • Kann jemand Angaben zu einem möglichen letzten Besitzer des Anhängers machen?
  • Gibt es Personen, die im Bereich des "Schneesberg" einen solchen Anhänger verloren haben?
  • Kann jemand Angaben zu Personen machen, denen seit einiger Zeit ein solcher Anhänger fehlt?

Doch die Ermittler haben noch mehr herausgeufnden: Klaus Berninger bestellte demnach kurz vor seinem Tod mehrere Gegenstände aus einem Katalog der Firma Schneider. Wo sich die bestellten Waren befinden, ist aber bis heute nicht geklärt.

Klaus Berninger bestellte kurz vor Tod aus Schneider-Katalog

Trotz intensiver Ermittlungen - auch bei der Firma Schneider selbst - konnte bislang kein damals aktueller Verkaufskatalog aus dem Jahr 1990 beschafft und somit keine näheren Angaben oder Bilder zu den fehlenden Gegenständen gefunden werden, bedauert die Polizei. Es soll mindestens zwei jährliche Ausgaben sowie mögliche Sonderprospekte gegeben haben. Die Polizei fragt daher: Ist jemand noch im Besitz eines Schneider-Katalogs aus dem Jahr 1990 und kann diesen der Kriminalpolizei Aschaffenburg für die Ermittlungen zur Verfügung stellen?

Aussagen widersprechen sich: Mit wem war Klaus zuletzt unterwegs?

Durch die Ermittlungen sollen insbesondere der Tag und die Umstände des Verschwindens von Klaus Berninger umfassend rekonstruiert werden. Im Zuge der Vernehmungen gab es dazu aber widersprüchlichen Aussagen. Es gebe derzeit Hinweise darauf, dass sich Klaus Berninger nicht wie zunächst vermutet, ab etwa 16 Uhr durchgehend bis 18 Uhr im Pub "Nachtfalter" aufgehalten hat. Stattdessen soll er sich bereits gegen 17.45 Uhr im Bereich der Odenwaldstraße/Pfarrer-Adam-Haus-Straße in Wörth mit einer männlichen Person aufgehalten haben.

Widersprüchliche gibt es auch bezüglich der weiteren gemeinsamen Wegstrecke bzw. dem Ort, an dem sich Klaus Berninger und diese Person getrennt haben sollen. Der Mann soll den 16-Jährigen nur ein kurzes Stück in Richtung Marktplatz begleitet und sich dort von ihm getrennt haben.

"SOKO Berninger" wendet sich an Bevölkerung

Auch hierzu stellt die Polizei Fragen an mögliche Zeugen:

  • Hat jemand KIaus Berninger am 20. Dezember 1990 gegen 17.45 Uhr im Bereich der Odenwaldstraße/Pfarrer-Adam-Haus-Straße in Wörth alleine oder in Begleitung einer weiteren Person beobachtet?
  • Hat jemand Klaus Berninger am 20. Dezember 1990 gegen 18 Uhr im Bereich des Pubs "Nachtfalter" in der Luxburgstraße gesehen? War er dabei möglicherweise in Begleitung von weiteren Personen?
  • Hat jemand Klaus Berninger am 20. Dezember 1990 kurz nach 18 Uhr im Bereich des Marktplatzes in Wörth gesehen? War er hier in Begleitung von weiteren Personen?
  • Hat jemand Klaus Berninger am Abend des 20. Dezember 1990 nach 18 Uhr im Ortsbereich von Wörth gesehen?

Am 5. Mai 2002 fanden die Ermittler außerdem ein Messer im Bereich des Schneesberg. Dieses wurde in den vergangenen Wochen umfassend in den Rechtsmedizinischen Instituten in München und Ulm untersucht. Die Ermittlungen hinsichtlich der Herkunft des Messers sind jedoch noch nicht abgeschlossen und dauern weiterhin an. Aus diesem Grund können die Untersuchungsergebnisse noch nicht offengelegt werden, erklärt die Polizei.

Zeugen werden gebeten, sich über die kostenfreie Hinweisnummer 0800/1011611 an die Kriminalpolizei Aschaffenburg zu wenden. Hinweise werden auch persönlich auf allen Dienststellen der Polizei in Bayern entgegengenommen.

Update vom 3. Juni 2022: Weitere Untersuchungen der möglichen Tatwaffe

Die Ermittlungen der "SOKO Berninger" zum Tötungsdelikt an Klaus Berninger im Jahr 1990 laufen weiterhin auf Hochtouren: Das Anfang Mai gefundene Messer befindet sich aktuell für weitere Überprüfungen bei einer zweiten Untersuchungsstelle, berichtet das Polizeipräsidium Unterfranken. In Wörth am Main und angrenzenden Gemeinden wurden am Donnerstag (2. Juni 2022) zudem neue Fahndungsplakate aufgehängt.

Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Aschaffenburg haben bei ihren Ermittlungen rund 100 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten. Die "SOKO Berninger" gehe diesen Hinweisen weiterhin nach und habe in den vergangenen Wochen bereits eine Vielzahl von Zeugenvernehmungen vorgenommen, durch welche die Umstände, die zum Tod von Klaus Berninger geführt haben, weiter rekonstruiert werden sollen.

Im Rahmen der Vernehmungen und der Bürgergespräche stellte sich heraus, dass trotz der bisher breit gesteuerten Aufrufe in der Öffentlichkeit noch nicht alle Bürger*innen in der Region Wörth erreicht werden konnten. "Insbesondere der dort sehr große Anteil an türkischsprachigen Bürger*innen soll nun mit entsprechend übersetzten Zeugenaufrufen erreicht werden", gibt die Polizei bekannt.

Die auf Türkisch formulierten Plakate haben Beamte der SOKO am Donnerstag in vielen Geschäften in Wörth am Main und der Umgebung aufgehängt. Zudem haben die Beamten die bereits auf Deutsch veröffentlichten Plakate gegen eine neue Variante ausgetauscht, um nochmals neue Impulse bei der Fahndung zu setzen.

Rechtsmedizin untersucht im Wald gefundenes Messer

Die bisherige Tatortabsuche der Bayerischen Bereitschaftspolizei am 5. Mai führte zum Auffinden eines Messers im Bereich des Schneesberg. Dieses wurde in den vergangenen Wochen in der Rechtsmedizin in München untersucht. Es sollen nun weitere detaillierte Überprüfungen in der Rechtsmedizin in Ulm folgen, die aufgrund der entsprechenden Ausstattung nur dort möglich seien.

Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen hat das Bayerische Landeskriminalamt eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro ausgesetzt. Zeugen werden gebeten, sich über die kostenfreie Hinweisnummer unter 0800/1011611 an die Kriminalpolizei Aschaffenburg zu wenden. Hinweise werden auch persönlich auf allen Dienststellen der Polizei in Bayern entgegengenommen.

Update vom 6. Mai 2022: Polizei stößt bei Suche am Tatort auf Messer

Bei einer erneuten Suche am Tatort haben die Ermittler mit Unterstützung der Bayerischen Bereitschaftspolizei am Dienstagabend (3. Mai 2022) ein Messer gefunden und sichergestellt. Ob dieses einen Tatbezug hat, müssen nun die weiteren Ermittlungen und insbesondere die Spurensicherung klären, teilte das Polizeipräsidium Unterfranken mit. Das Bayerische Landeskriminalamt stellt außerdem eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro in Aussicht.

Am Tatort wurden Stück für Stück rund 2500 Quadratmeter Wald systematisch abgesucht, was in den späten Abendstunden zu einem möglichen Erfolg führte. Mit Hilfe der eingesetzten Metalldetektoren konnte ein Messer gefunden werden, das von den Ermittlern derzeit als möglicherweise tatrelevant eingestuft wird, so die Polizei. Das Messer wurde vor Ort "spurenschonend sichergestellt" und wird nun umfassend untersucht. Nähere Angaben zum Messer und der genauen Auffindesituation könnten aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit aber nicht gemacht werden.

Zwischenzeitlich sind bei der SOKO Berninger 80 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, die nun überprüft und ausgewertet werden. Dadurch sollen insbesondere der Tattag, aber auch das persönliche Umfeld von Klaus Berninger rekonstruiert werden.

In diesem Zusammenhang haben Mitglieder der Sonderkommission am Freitag an verschiedenen Verkehrspunkten rund um Wörth am Main und günstig gelegenen Nachbargemeinden mehrere Bauzäune mit großflächigen Fahndungsplakaten aufgestellt. So sollen auch diejenigen Bürger*innen angesprochen werden, die möglicherweise zwischenzeitlich innerhalb der Region umzogen sind, erklärt das Polizeipräsidium.

Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, hat das Bayerische Landeskriminalamt nun eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro ausgesetzt. "Die Belohnung ist nicht für Personen bestimmt, zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört", betont die Polizei.

Die Kriminalpolizei hofft weiter auf Hinweise zum Fall: Zeugen werden daher gebeten, sich über die kostenfreie Hinweisnummer 0800/1011611 an die Kriminalpolizei Aschaffenburg zu wenden. Hinweise werden auch persönlich auf allen Dienststellen der Polizei in Bayern entgegengenommen.

Update vom 3. Mai 2022: Polizei sucht möglichen Tatort ab

Auf der Suche nach Hinweisen zum Mörder des Jugendlichen Klaus Berninger haben Polizisten ein rund 2500 Quadratmeter großes Waldstück am Schneesberg in Unterfranken durchkämmt. "Wir erhoffen uns, tatrelevante Gegenstände zu finden, die der Täter zurückgelassen hat", sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Wörth am Main an der bayerisch-hessischen Landesgrenze.

Bis heute - mehr als 30 Jahre nach dem Tod des Jugendlichen - sei beispielsweise die Tatwaffe nicht gefunden worden. Wie das Polizeipräsidium in Nachgang mitteilte, wurde vereinzelte Gegenstände bei der Aktion entdeckt. Diese sollen nun auf Relevanz geprüft werden. Die Ermittler gehen nach derzeitigem Stand von einem oder mehreren Tatbeteiligten mit Ortskenntnis aus dem Umfeld des Opfers aus.

Zehn Beamte untersuchten am Dienstag stundenlang einen rund 50 mal 50 Meter großen Bereich, unter anderem mit Metallsuchgeräten. Mit Flatterbändern sperrten sie einzelne Partien ab. "So versucht man, nichts auszulassen", erklärte der Sprecher. In dem Waldstück war die Leiche gefunden worden - wahrscheinlich stimmten Fundort und Tatort überein.

Die Polizei hatte den ungeklärten Fall kürzlich wieder aufgenommen und versucht, mit einem rund 20-köpfigen Ermittlerteam zu klären, wer den 16-Jährigen Ende 1990 tötete. Zuletzt waren hunderte Bürger der Kleinstadt im Landkreis Miltenberg befragt worden. Insgesamt gibt es dem Sprecher zufolge mittlerweile 70 Hinweise, denen nachgegangen wird. "Wir werden den Fall nicht innerhalb einer Woche klären", sagte er mit Verweis auf die sehr umfangreiche Arbeit.

Die Polizei geht davon aus, dass der Bäckerlehrling am Tag seines Verschwindens, dem 20. Dezember 1990, umgebracht wurde. Seine Leiche wurde drei Tage später in dem Wald von Spaziergängern entdeckt.

Mit neuen Techniken und Auswertungsverfahren wollen die Ermittler einen Täter überführen. Dazu laufen derzeit auch DNA-Untersuchungen von Beweismitteln, die damals gesichert worden waren. Nach bisheriger Erkenntnis starb der junge Mann durch Gewalt mit einem scharfkantigen Werkzeug gegen den Hals.

Update vom 28. April 2022: wieder Hinweise zum "Cold Case"

"Die Leute sind sehr auskunftsbereit", berichtete ein Polizeisprecher am Mittwoch (27. April). Viele sagten aber auch, dass sie nichts wüssten. Die Polizei sei mit etwa 130 Kollegen unterwegs gewesen, die von Haustür zu Haustür gegangen seien und geklingelt hätten.

Die Aktion sollte bis in den Abend und damit rund zehn Stunden dauern. Wer nicht zu Hause war, sollte mit einem Zettel im Briefkasten über den Fall und die Möglichkeit, an wen man sich mit Hinweisen wenden kann, informiert werden. In der Kleinstadt im Landkreis Miltenberg an der bayerisch-hessischen Landesgrenze leben etwa 4800 Menschen.

"Wir können nicht versprechen, dass wir den Fall klären können, aber wir versuchen alles", hatte ein weiterer Polizeisprecher am Vortag gesagt. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Polizei in Wörth bei einer öffentlichen Veranstaltung über die neuen Ermittlungen berichtet.

Seither waren etwa 20 Hinweise von Bürgern eingegangen, die seither ausgewertet werden. Mit der Anwohnerbefragung erhoffte sich die Polizei weitere Anhaltspunkte dafür, wer für den Tod von Klaus Berninger verantwortlich ist. Dabei haben die Ermittler nochmals 34 neue Hinweise erhalten.

Der 16-Jährige war Ende 1990 verschwunden und wurde tot gefunden. Die Polizei geht davon aus, dass er umgebracht wurde. Mit neuen Techniken und Auswertungsverfahren will sie nun einen Täter überführen. Entscheidend könnten zudem Hinweise von Menschen sein, die am Tag des Verschwindens des Bäckerlehrlings, dem 20. Dezember 1990, womöglich etwas beobachtet haben.

Drei Tage später fanden zwei Spaziergänger morgens seine Leiche in einem Wald bei Wörth. Nach damaliger Erkenntnis starb der junge Mann durch Gewalteinwirkung mit einem scharfkantigen Werkzeug gegen den Hals. Zur Tatwaffe gibt es laut Polizei keine gesicherten Erkenntnisse.

Ursprüngliche Meldung vom 25. April 2022: Klaus Berningers Leiche in Wald entdeckt

Zuletzt vor einer Kneipe gesehen, drei Tage später ermordet im Wald gefunden: Wer tötete einen 16-Jährigen vor mehr als drei Jahrzehnten im unterfränkischen Wörth am Main? Mit neuen wissenschaftlichen Techniken und Auswertungsverfahren will die Polizei nun einen Täter überführen. Die Kriminalpolizei Aschaffenburg hat dafür in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg die "Soko Berninger" gegründet und die Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Tötungsdelikt an dem 16-jährigen Klaus Berninger im Jahr 1990 wieder aufgenommen.

Entscheidend könnten auch die Hinweise von Menschen sein, die am Tag des Verschwindens des Bäckerlehrlings, dem 20. Dezember 1990, womöglich etwas beobachtet haben. Bei einer öffentlichen Veranstaltung am Freitagabend (22. April 2022) in der Kleinstadt informierten Polizei und Staatsanwaltschaft deshalb die Bürger über die neuen Ermittlungen und ermutigten sie, ihr Wissen preiszugeben. Rund 150 Menschen waren bei der Veranstaltung dabei, "einige Teilnehmer" hätten sich bereits an die Ermittler gewandt, teilte die Polizei am Samstag mit. Die Hinweise müssten die "Soko Berninger" nun überprüfen.

Sonderkommission startet Schilder-Aktion: Ermittler hoffen auf mehr Hinweise

Im Rahmen der Ermittlungen hat die Polizei jetzt eine ungewöhnliche Aktion gestartet: Mit Schildern und Plakaten machen die Beamten auf den Mordfall aufmerksam und erhoffen sich so größere Aufmerksamkeit und neue Hinweise:

Mit Unterstützung der Bayerischen Bereitschaftspolizei werden laut Polizeipräsidium Unterfranken am Dienstag (26. April 2022) die Anwohner vor Ort direkt befragt. Seit dem Zeugenaufruf seien bei der Polizei laut dpa bereits 20 neue Hinweise eingegangen, die jetzt geprüft werden.

 Diese würden nun ausgewertet, zum Inhalt könne man noch nicht viel sagen, sagte ein Polizeisprecher am Montag.

Bäckerlehrling vor mehr als 30 Jahren tot aufgefunden: Kripo rollt den Fall neu auf

Die Ermittler hoffen noch auf weitere Hinweise. Dazu gab das Polizeipräsidium Unterfranken am Samstag eine Liste mit Fragen an die Bevölkerung heraus:

  • Wer kann konkrete Angaben zum Mordfall Klaus Berninger machen?
  • Wer kann Hinweise auf mögliche Tatbeteiligte im Mordfall Klaus Berninger geben?
  • Wer kann Hinweise auf Personen geben, die möglicherweise etwas über den Mordfall Klaus Berninger wissen?
  • Wer hat Klaus Berninger am Nachmittag/Abend des 20. Dezember 1990, möglicherweise in Begleitung von weiteren Personen, gesehen?   
  • Wer hat Klaus Berninger am Abend des 20. Dezember 1990, nach 18 Uhr, gesehen?
  • Wer kann Angaben dazu machen, ob Klaus Berninger in irgendwelche Streitigkeiten verwickelt war?    
  • Gibt es Personen, die in der Zeit zwischen dem 20. und 23. Dezember 1990, Feststellungen im Bereich des Leichenauffindeortes im Waldgebiet „Schneesberg“ getroffen haben?
  • Wer kann Hinweise zu dem Einbruch in die Bäckerei Berninger in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 1990 geben?
  • Gibt es Zeugen, welche den Geldbeutel von Klaus Berninger in Zeit vom 20. bis 27. Dezember 1990 gesehen bzw. aufgefunden haben?

Zeugen können sich über die kostenlose Hinweisnummer 0800/1011611 an die Kriminalpolizei wenden. "Hinweise werden auch persönlich auf allen Dienststellen der Polizei in Bayern entgegengenommen", heißt es vom Präsidium.

Laut Polizei lebte der Jugendliche mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern in Wörth (Landkreis Miltenberg). Im elterlichen Betrieb machte er eine Ausbildung zum Bäcker. Am 20. Dezember 1990 wurde er gegen 18 Uhr vor einer Kneipe in der Stadt zum letzten Mal gesehen. Abends kehrte der 16-Jährige nicht nach Hause zurück, die Eltern meldeten ihn als vermisst. Die Polizei suchte vergebens nach dem Jungen. Am 23. Dezember 1990 fanden zwei Spaziergänger morgens dann seine Leiche in einem Wald bei Wörth - unweit der bayerisch-hessischen Landesgrenze. Den Ermittlungen zufolge wurde der Jugendliche bereits am Tag seines Verschwindens spätabends getötet.

16-Jähriger aus Wörth am Main getötet: Kamen der oder die Täter aus seinem Umfeld?

Nach damaliger Erkenntnis starb der junge Mann durch Gewalteinwirkung mit einem scharfkantigen Werkzeug gegen den Hals. "Zur Tatwaffe gibt es derzeit keine gesicherten Erkenntnisse", sagte ein Polizeisprecher. "Nach derzeitigem Ermittlungsstand wird höchstwahrscheinlich von einem oder mehreren Tatbeteiligten aus dem Umfeld des Opfers ausgegangen." Die Polizisten gingen damals etwa 180 Spuren nach, ohne Erfolg.

Im Herbst 2010 gab es erneut für mehrere Monate Ermittlungen. Die Kriminalpolizei Aschaffenburg arbeitet nun mit einer Sonderkommission an dem Fall. So sollen etwa DNA-Untersuchungen der Polizei eine neue Spur weisen.

Mord verjährt nicht, und so werden Altfälle, sogenannte Cold Cases, auch immer mal wieder aufgerollt. Doch je länger ein Verbrechen zurückliegt, desto schwieriger gestaltet sich die Aufklärung. Bayernweit gibt es unzählige "Cold Cases" - bei manchen Opfern steht bis heute nicht einmal ihre Identität fest.

red/dpa