Frühestens Ende 2028 sollte Schluss sein bei dem unterfränkischen Autozulieferer. Jetzt soll das Werk deutlich früher dicht gemacht werden. Genau dann, wenn ein staatliches Förderprojekt endet.
Lange haben Arbeitnehmer und Gewerkschaften in der Vergangenheit um das Magna-Werk in Dorfprozelten (Landkreis Miltenberg) gerungen – und schließlich eine Einigung mit dem Konzern erzielt. Bis mindestens Ende 2028 sollte das Werk erhalten bleiben, in dem Außenspiegel für Autos hergestellt werden.
Das war 2023. Und mittlerweile hat man es sich bei Magna anders überlegt. Nun soll schon Mitte 2027 Schluss sein, und rund 220 Mitarbeiter sollen ihre Jobs verlieren. Die Nachricht von der Schließung in Dorfprozelten schlug hohe Wellen. Aber was ist mit der Zusage, das Werk länger zu betreiben? Und mit Fördermitteln des Freistaates, die parallel zur Standortsicherung an Magna geflossen sind?
Magna hat bislang 1,2 Millionen Euro Förderung kassiert
Auf Nachfrage von inFranken.de erläutert das Bayerische Wirtschaftsministerium, dass Magna im Rahmen eines Technologieförderprogrammes im September 2023 Fördermittel beantragt hat. 2,3 Millionen Euro wurden damals bewilligt. 1,2 Millionen Euro der bewilligten Summe seien aktuell ausgezählt, teilt ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums mit.
Unklar ist indes, ob die Bewilligung und Auszahlung der Mittel explizit an den Weiterbetrieb des Standortes bis Ende 2028 gebunden ist. Das Wirtschaftsministerium verweist in dieser Frage auf die Förderrichtlinien, die allerdings nur allgemeine Anhaltspunkte geben, unter welchen Bedingungen Fördermittel ausgezahlt werden. Aufschluss könnte daher nur der Förderantrag und der Bewilligungsbescheid geben.
Daher wollte inFranken.de von Magna wissen, wie die aktuelle Einschätzung des Unternehmens zur vereinbarten Standortsicherung bis Ende 2028 ist, warum sich das Unternehmen nicht mehr daran gebunden fühlt und ob die Auszahlung der Fördermittel in irgendeiner Form an die Standortzusage gebunden sei. Antwort von Magna: kein Kommentar.
So reagiert Magna auf konkrete Fragen zur Schließung in Dorfprozelten
Auf unsere konkreten Fragen teilt ein Unternehmenssprecher von Magna lediglich allgemein mit, dass eine Fortführung des Standortes aufgrund der anhaltend negativen Geschäftsentwicklung und der Entwicklung des Marktes "wirtschaftlich nicht mehr darstellbar" sei. Das Werk werde deshalb Mitte 2027 geschlossen. "Von dieser Maßnahme sind 216 Mitarbeiter betroffen". Darüber hinaus gebe man zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Informationen.
Die Entscheidung von Magna stößt offenbar Martin Stock übel auf. Der CSU-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Miltenberg stellt fest, dass der Wegfall der Arbeitsplätze "für große Verunsicherung im Landkreis" sorge. Nach seinen Informationen laufe der Bewilligungszeitraum für die Fördermittel noch bis August 2027, so Stock in einer Presseerklärung. Das ist genau jener Zeitraum, zu dem Magna nun angekündigt hat, das Werk zu schließen.
Die Politik versucht, Unternehmen zu lenken – Unternehmen reagieren aber ausschließlich auf Markt, Technik und Wirtschaftlichkeit. Diese beiden Logiken passen nicht zusammen. Und genau deshalb sollte sich die Politik aus unternehmerischen Entscheidungen heraushalten.
Ein Werk bleibt nicht offen, weil ein Minister es „wünscht“. Ein Werk bleibt offen, wenn Produkte laufen, Prozesse stabil sind und die Zahlen stimmen. Das weiß jeder, der täglich in der Fertigung steht. Politik dagegen arbeitet mit Förderprogrammen, Pressemitteilungen und Standortversprechen – Instrumenten, die in der Realität der Produktion kaum Wirkung haben.
Magna zeigt das exemplarisch: Fördergeld kassiert, Standortzusage gegeben, Markt kippt – Werk zu. Nicht aus Bosheit, sondern weil die technische und wirtschaftliche Basis wegbricht. Genau hier wird sichtbar, warum politische Einmischung oft nur Erwartungen erzeugt, die später enttäuscht werden.
Die Aufgabe der Politik ist nicht, Werke zu retten. Die Aufgabe der Politik ist, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Unternehmen überhaupt investieren können: Energiepreise, Infrastruktur, Steuern, Bürokratie.