Oktober und November sind für Autofahrer die Monate, in denen es auf Landstraßen gefährlich werden kann. Denn im Herbst sind viele Wildtiere verwirrt. "Der Lebensraum hat sich total verändert", sagt Kreisjagdberater Erich Fiedler. Die ihnen bekannten Felder sind abgemäht und bieten somit keinen Sichtschutz mehr für die Tiere.

Das Schwarzwild beispielsweise ernähre sich zurzeit tagsüber in den geschützten Waldstücken von Bucheckern und Eichelmast, sagt Fiedler. Nachts begebe es sich auf die Suche nach tierischem Eiweiß, zu finden auf den Feldern. So kann es schnell zu Wildunfällen in der Dunkelheit kommen. "Und dann kommt meist nicht nur eins, sondern die ganze Rotte", so Fiedler.

Landkreis Forchheim: 337 gemeldete Wildunfälle 2019 - mehr als im Jahr zuvor

2019 verzeichnete die Polizei in Stadt und Landkreis 337 gemeldete Wildunfälle, sagt Matthias Düthorn, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizei Forchheim. Im Jahr zuvor waren es 283. Welche Strecken davon besonders betroffen sind, kann er im Detail nicht nennen. "Das ist bei der Masse an Unfällen schwer zu überblicken. Der überwiegende Teil passiert auf Staats- und Kreisstraßen", sagt er, beispielsweise zwischen Hallerndorf und Willersdorf. Dort hat es im vergangenen Jahr 13 gemeldete Wildunfälle gegeben.

Ist ein Anruf bei der Polizei eingegangen, leiten die Beamten das weitere Vorgehen ein (siehe Artikel unten). Nicht gemeldete Wildunfälle gelten in Bayern als Ordnungswidrigkeit und ziehen ein Bußgeld nach sich. "In der Regel melden die Leute die Unfälle aber", ist Düthorns Erfahrung aus dem Landkreis.

Anders beschreibt das Kreisjagdberater Fiedler. Die Dunkelziffer angefahrener oder getöteter Tiere sei deutlich höher. Oft finden die Jagdpächter die Tiere, die sich nach einem Unfall verletzt noch Richtung Wald schleppen. "Eine verletzte Wildsau geht noch hundert Meter weit." Kritische Punkte sieht er beispielsweise an der B 2 vor der Landkreisgrenze zu Bayreuth oder an der Staatsstraße 2260 zwischen Obertrubach und Neudorfer Höh.

Spezielle Warnschilder könnten mehr Unfälle verhindern

Fiedler plädiert deshalb dafür, an diesen Orten spezielle Warnschilder aufzustellen. Der bayerische Jagdverband (BJV) und das bayerische Landwirtschaftsministerium hatten Ende vergangenen Jahres neue Hinweisschilder entwickelt, um auf die Vielzahl an Wildunfällen aufmerksam zu machen. Insgesamt 1.500 Warntafeln stehen für Kreisgruppen und Jägervereine zur Verfügung. Genehmigt werden müssen die Orte für die Aufstellung aber erst vom Bauamt Bamberg, das für Forchheim zuständig ist.

Bisher sei auf Initiation Fiedlers, der sich bereits im Februar mit einem Antrag an das Bauamt gewandt hatte, allerdings nichts passiert. Acht Schilder stehen noch verpackt bei ihm, sagt er.

Grund dafür sind Aspekte der Verkehrssicherheit. Es müsse in Absprache mit der Verkehrsbehörde am Landratsamt erst geprüft werden, ob die vorgeschlagenen Stellen tatsächlich Unfallschwerpunkte sind, sagt Sabrina Hörl, Pressesprecherin am Bauamt Bamberg.

Auch müsse vorher klar sein, ob die Schilder weit genug weg von der Straße stehen können und sie die Autofahrer nicht ablenken. Bis dahin und darüber hinaus gilt also: Vorsicht auf den Straßen.