Während vor der Basilika ein Schneesturm alles winterlich einfärbte, war drinnen noch Sommer. Der Musiksommer Obermain des Landkreises Lichtenfels führte am Sonntag mit dem "Vocalconsort Leipzig" musikalisch in den Advent. Das Konzert unter der Leitung von Gregor Meyer bescherte zu Herzen gehende Gesangskultur und ein ungewöhnliches Hörerlebnis. Als Solisten brillierten Susanne Globisch (Harfe) und Markus Ritzel an der Rieger-Orgel.
In der Region ist man verwöhnt mit guten, ambitionierten Chören und Vokalensembles, doch hier spürte man schon bei den ersten Takten, dass die Gäste aus Leipzig etwas ganz Besonderes boten. Ausgewogen war das Verhältnis von Männer- und Frauenstimmen, die Sängerinnen und Sänger sind jung, bringen eine musikalische Ausbildung in Chören oder an der Hochschule mit und können ohne weiteres solistisch hervortreten. Doch das allein wäre wohl noch nicht der Schlüssel zum Erfolg dieses grandiosen Konzerts. Der dürfte weitgehend beim Gründer und Leiter Gregor Meyer zu finden sein, der auch den Gewandhaus-Chor in Leipzig dirigiert. Er hat das Ensemble auf eine Gesangskultur eingeschworen, die die geistliche Chormusik in ihrer ganzen Tiefe erleben lässt, zumal auch auf größtmögliche Wortverständlichkeit Wert gelegt wird.
Der Einstieg in den 18-teilgen Zyklus erklang von der Orgelempore. Markus Ritzel wählte mit Louis Claude Dacquins (1694-1772) "Noel ètranger" eine besinnliche Weihnachtsliedvariation, die die Zuhörer auf das Konzert einstimmten. Lupenreiner A-cappella-Gesang beeindruckte dann mit den ersten vier Liedern geistlicher Chormusik. Besonders herauszuhören waren die glockenhellen Frauenstimmen in vollkommener Ausgewogenheit mit den übrigen Stimmen. Susanne Globisch interpretierte zwei Weihnachtslieder von Linda Schaible, einer zeitgenössischen Komponistin. Die Harfenklänge webten einen Klangteppich, der sich von der Orgelempore bis zum Hauptaltar erstreckte.
Die Mezzosopranstimmen eröffneten behutsam die bekannte Adventskyrie "Maria durch den Dornwald ging" von Günter Raphael (1903-1960), die dann die mystisch verhaltenen tiefen Männerstimmen über die schlichte Alt-Melodie fortsetzten. Eine erstaunliche Bearbeitung erfuhr das Adventslied von Michael Praetorius (1517-1621) "Es ist ein Ros' entsprungen". Gregor Meyer verknüpfte die polyphone Barockmusik mit modernen Stilelementen. In einer Eigenkomposition des 38-Jährigen erklang zum Schluss "Die Nacht ist vorgedrungen".
Der langanhaltende Beifall der Zuhörer forderte eine Zugabe. Die sechsstimmige Schütz-Motette "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" bestach noch einmal in differenzierter Klanglichkeit. Nach dem Pianissimo erfuhr die Motette nuancierte Steigerungen mit dynamischer Dramatik, die stimmgewaltig das Konzert beendete.