An Allerheiligen rückt das Thema Tod näher in den Fokus. Fragen wie beispielsweise, wie möchte ich bestattet werden und was kostet das alles, hat sich wohl jeder schon einmal gestellt. Neben den klassischen Erdbestattungen kommt für immer mehr Leute eine Feuerbestattung in Frage. Auch in der Region verlieren die Friedhöfe ihr gewohntes Gesicht.

Trend zur Urnenbestattung

Friedhofsverwalter der Stadt Bad Staffelstein, Wolfgang Jung, stellt fest, dass die Urnenbestattungen in den letzten vier bis fünf Jahren stetig zunahmen. "Der großen Masse ist das Finanzielle egal. Als Grund für eine Urnenbestattung wird meist der geringe Pflegeaufwand für die Angehörigen genannt", erzählt Jung. Der Trend geht für ihn ganz klar zur Urnenbestattung. Um dem entgegen zu kommen, wurde in diesem Jahr eine Urnenwand auf dem Staffelsteiner Friedhof errichtet. Aktuell gibt es 45 Urnennischen. In jeder Nische ist Platz für drei bis vier Urnen. "Die Urnenwand ist jedoch noch erweiterbar. In Zukunft sollen noch 75 Urnennischen dazu kommen", so Jung.

Finanziell gesehen gibt es zwischen den Bestattungsmöglichkeiten größere Unterschiede. Eine Erdbestattung ist mit 1450 Euro am teuersten. Das Urnengrab kostet ungefähr 693 Euro. "Bei diesen beiden Bestattungsarten muss man jedoch noch den Grabstein dazu rechnen, der kommt auch nochmal auf 1500 Euro", erzählt der Friedhofsverwalter. Die Kosten für eine Urnennische liegen laut Jung bei 1160 Euro. "Mehr braucht man dabei aber nicht", sagt Jung. Bei all diesen Preisen ist das Aufbahren im Leichenhaus, das Öffnen und Schließen des Grabs, sowie die Leichenträger mit eingerechnet. Am Staffelsteiner Friedhof gibt es eine weitere Möglichkeit sich bestatten zu lassen: das anonyme Gräberfeld. Auf einer Rasenfläche wird die Urne des Verstorbenen eingesetzt, ohne das dessen Angehörigen wissen, wo genau sie bestattet wurde.

Neue Gestaltung

Seit der Einweihung ist an dieser Stelle im Friedhof viel passiert. Die Einrahmung der Wiese, die Bank sowie die Gestaltung beider Steine wurden vom Gartenbauverein selbst verwirklicht. Die Mitglieder Peter Stündel und Georg Walter haben die Gedenksteine aus alten Steinresten selbst gestaltet. Vorsitzende Marlies Thiele ist sehr stolz, was in der letzten Zeit hier passiert ist, besonders auf den Gedenkstein mit der Madonna. Rund herum wurde alles gefließt und eine Bank aufgestellt. "Hier können die Angehörigen Blumen und Kerzen hinstellen. Momentan ist es nicht all zu viel, aber zu Allerheiligen wird das hoffentlich wieder mehr", so Thiele. Die vier Mitglieder des Gartenbauvereins, Marlies Thiele, Katharina Lutz, Peter Stündel und Georg Walter sind im Herbst fast täglich am anonymen Gräberfeld und befreien die Fläche vom herabfallenden Laub.

In den letzten Jahren stieg die Anzahl der anonymen Bestattungen. Aktuell liegen über 50 Urnen an dieser Stelle begraben. "Viele Leute sind im Alter nach Staffelstein gezogen und haben keine Verwandten hier, die das Grab pflegen können. Oft ist es aber auch so, dass sie schon immer hier gelebt haben, aber ihre Kinder weggezogen sind", erzählt die Vorsitzende des Gartenbauvereins. Die Kosten für diese Art der Bestattung belaufen sich auf 450 Euro, um die Urne unter die Erde zu bringen. "Hier bleiben die Urnen aber im Gegensatz zur Urnenwand immer begraben", sagt Marlies Thiele. Fakt ist, dass der Trend in Sachen Bestattung klar zur Urnenbestattung geht.

Seit 1900 gibt es Feuerbestattungen. Damals haben sich vielleicht zwei von eintausend Menschen feuerbestatten lassen. Heutzutage sind es in Städten wie beispielsweise Rostock schon 90 Prozent Feuerbestattungen. "In Staffelstein und Ebensfeld hält es sich noch relativ die Waage. Da stehen sich Urnenbestattung und Erdbestattung mit 60 zu 40 Prozent gegenüber", berichtet Michael Stromer, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege des Landkreises Lichtenfels. "Man sieht nun zeitversetzt auf dem Friedhof, wie sich die Gesellschaft gewandelt hat", meint Stromer.

Kehrseite des Trends

Immer mehr Grabstätten bleiben leer, der Platzbedarf wird geringer und der Pflegebedarf für Friedhofsträger steigt aufgrund der Anzahl eher an. "Es kommt zu einem wahren Gesichtsverlust des bestehenden Friedhofes", stellt Stromer fest. "Im ländlichen Raum gehört ein Friedhof einfach zum Dorfleben dazu. Er ist Begegnungsort und gleichzeitig Ort der Trauerbewältigung", so der Kreisfachberater. Aus der Tradition heraus erzählen Friedhöfe für Stromer viel über die gesamte Gesellschaft. Bei einem solch schnellen Wandel wie jetzt, verliert eine Stadt viel von ihrer Identität. "Wir sollten auf jeden Fall darüber nachdenken, was wir verlieren, wenn wir uns neueren Bestattungsformen zuwenden", appelliert Stromer. In vielen anderen Ländern kann man die Urne auch schon mit nach Hause nehmen oder die Asche des Verstorbenen verstreuen. Deutschland, Österreich und Italien sind momentan noch die einzigen Länder, in denen Urnen auf dem Friedhof bestattet werden müssen. "Wenn das auch noch wegfallen sollte, muss man sich wirklich die Frage stellen, ob unsere Friedhöfe sterben", so Stromer. Man müsse auch an die vielen Arbeitsplätze denken, die hinter dem Thema Beerdigung stehen. "In Hamburg musste man aufgrund des neuen Trends 120 Beschäftigten des Friedhofs kündigen", so Stromer. Ihm ist klar, dass das Thema Beerdigung etwas sehr Persönliches ist und das dementsprechend auch jeder individuell entscheiden muss, was er möchte. "Meine Aufgabe als Kreisfachberater ist es einfach zu sagen, worum geht es hier, was machen unsere Friedhöfe aus. Und was gewinnen beziehungsweise verlieren wir, wenn wir etwas ändern".

Lisa Kieslinger