Die Schauspieler auf der Bühne des "Fränkischen Hofes" saßen am Samstagabend auf gepackten Koffern und die 170 Zuschauer, darunter viele aus dem Landkreis Lichtenfels, kringelten sich vor Lachen. "Wenn einer einer Reise tut...", so auch der Titel des Stücks aus der Feder der unterfränkischen Autorin Regina Rösch, dann hat er bekanntlich viel zu erzählen. Wenn die Danndorfer Theatergruppe "Die Brandstifter" eine Kur nach Bad Füssing unternimmt, dann sorgen orientierungslose Feuerwehrleute, brillenlose Hinterwäldlerinnen und zwei aufgebrezelte Paradiesvögel für Heiterkeit am laufenden Band. Obendrein werden auch noch jede Menge Kurschatten produziert, die bis auf einen, allerdings nur von geringer Haltbarkeitsdauer sind.

Der Vorhang hatte sich gerade geöffnet, Regisseur Peter Wagner seine einleitenden Worte gesprochen, da torkelten fünf Floriansjünger krakeelend und nicht mehr Herr ihrer eigenen Sinne durch den Saal auf die Bühne zur Danndorfer Bushaltestelle. Ringellöckchen lugten unter dem Helm hervor, Brillen zum Schieflachen wurden zur Schau getragen und sprachliche Missverständnisse der lustigen Art prasselten wie ein Wasserfall auf das Publikum herab. Überzeichnete Charaktere - ganz nach dem Geschmack der Zuschauer - regierten bis Mitternacht die Theaterbühne. "Überraschung: Ihr fahrt nach Bad Füssing zur Kur!", hallte es durch den Saal. Die Feuerwehrmänner Oswald Krause, gespielt von Herbert Laschinsky, und Emil Lautenschläger (Michael Schmidt, der aus Altenkunstadt stammt), vollführten einen Freudentanz.


Ach nöööö: Die Ehefrauen reisen mit

Zu früh gefreut: Die vertrottelten Ehefrauen, zum Schieflachen verkörpert von Uschi Kausich und Silvia Wagner, kurten ebenfalls mit. Was sich im Kurort abspielte, glich eher einem Alptraum als einer Erholung. Erholsam war es nur für die Zuschauer, die Tränen lachten. Auf der Bühne machte der Name von Hairstylist Detlef immer wieder die Runde, den jedoch niemand zu sehen bekam.

Auch sie war während des Stücks nicht zu sehen: Margit Drechsler aus Burghaig, assistiert von ihrer Tochter Kira, gehörte zu den Heinzelmännchen, die den Theaterladen hinter der Bühne am Laufen hielten. In einem Stück, das von Doppelrollen und Verwandlungen lebt, ist die Maske das A und O. "Als gelernte Kosmetikerin muss ich meine Kunden alltagstauglich schminken, als Maskenbildnerin im Theater kann ich der Fantasie freien Lauf lassen: Ich muss nicht sparsam sein, kann nach Herzenslust in die Farbpalette greifen und mit Glitzer großzügig umgehen", gewährte Drechsler einen Einblick in ihre Arbeit. Bei der es schnell gehen muss. Schminken hinter der Bühne ist für Drechsler eine Minutensache. "Während die Männer ihren Schmuck anlegen und eine andere Person deren Fingernägel lackiert, kümmere ich mich um ihre Gesichter." Aus Männern eine Travestiekünstlerin im Stil einer Olivia Jones machen zu wollen, das ist für die Kosmetikerin aus Burghaig die "Königsdisziplin, die sie kreativ herausfordert".


Jedem seine Herausforderung

Für die Schauspieler ist es eine Herausforderung, einer solchen Rolle Leben einzuhauchen. Laschinsky und Schmidt meisterten sie hervorragend. In Highheels, Klunkern, bunten Perücken, schrillen Brillen und Make-up bis zum Abwinken stolzierten die zwei durch die Kurklinik. Das Sahnehäubchen auf ihre urkomische Verwandlung war das piepsende Denglisch, das die
Paradiesvögel zum Besten gaben.

Am Ende gab es ein Happy End zwischen den Ehefrauen und Ehemännern. Das Nachsehen hatten die Heiratsschwindler, famos gespielt von Hans Kausich und Roland Schuberth, sowie die zwei feinen Damen auf Männerpirsch (Simone Grieß und Carmen Scharner). Völlig überraschend kam es dann noch zu einem Kurschatten, der sich mit einem Ratschlag von den Zuschauern verabschiedete: "Bei einer Kurliebe ist äußerste Diskretion wichtig."


Weitere Aufführungen:

Wer sich hinter dem Kurschatten verbirgt, das erfahren alle Theaterfreunde bei den folgenden Aufführungen, für die es noch Restkarten an der Abendkasse gibt: Samstag, 5., Sonntag, 6., Freitag, 11., und Samstag, 12. Mai. Mit Ausnahme der Sonntagsvorstellung, die bereits um 16 Uhr beginnt, öffnen sich die Vorhänge im Saal des "Fränkischen Hofes" jeweils um 19.30 Uhr.