Matthias EinwagEinfach auf den Auslöser drücken ist Stefan Hemmerlein zu wenig. Der 28-Jährige experimentiert gern mit der Kamera und mit den Objekten vor dem Objektiv. Dadurch erzielt er faszinierende Effekte - etwa wenn er mit Kamera und Stativ loszieht, Metallspäne in einen Schneebesen stopft, diese entzündet und herumwirbelt. Das funkensprühende Ergebnis, das er auf die Speicherplatte seiner Kamera bannt, spricht für sich.
Erst vor wenigen Jahren hat Stefan Hemmerlein die Fotografie als Hobby für sich entdeckt. Irgendwann, sagt er, spürte er einen Drang: "Ich will jetzt eine Spiegelreflexkamera haben." Er zog los, kaufte sich eine und begann autodidaktisch mit der Fotografiererei. Mit der Zeit eignete er sich immer neue Kniffe und Fertigkeiten an, wozu auch das Nachbearbeiten am Computer gehört. Vieles lässt sich da verändern, verbessern - doch wenn das Original nichts taugt, nützt es wenig, das Bild zu veredeln.


Freude am menschlichen Antlitz

Der gelernte Molkereifachmann, der in Bad Staffelstein aufgewachsen ist und in Zapfendorf wohnt, widmet sich vor allem der Porträtfotografie. Das menschliche Gesicht ist doch - wie der Philosoph Georg Christoph Lichtenberg einmal sagte - die unterhaltsamste Fläche auf der ganzen Welt. "Tierfotos liegen mir gar nicht", sagt er. Sehr gern gestaltet Stefan Hemmerlein inszenierte Bilder mit Personen - etwa die Aufnahme für eine Buchrezension des Fantasy-Romans "Menosgada" von Werner Karl im Fränkischen Tag: Ein schwarzer Druide wird von einer weißen Druidin gebannt.


Der geklaute Augenblick

Inszenieren ist aber nicht alles. Freude macht es ihm Leute zu fotografieren, wenn die es gar nicht merken. So entstehen authentische Aufnahmen eines eingefrorenen Augenblicks, der Ewigkeit wird eine Sekunde stibitzt. Auf seiner Webseite hemmerlein-photography.degewährt er Einblicke in sein Schaffen. Ein Filou, der er durch aus ist, hat so seine eigene Philosophie übers Hobby Fotografie. Diebische Freude bereitet ihm "der Moment, wenn dich Berufsfotografen als Konkurrenz ansehen". Gewissermaßen ist das eine Art des Ritterschlags. Die Locations findet Stefan Hemmerlein in seinem Wohnzimmer und an vielen Orten der Obermain-Region. Der Staffelberg gehört ebenso zu seinem Revier wie der Staffelsteiner Kurpark und der Riedsee sowie die Ruine Rotenhan bei Ebern. Magische Orte liebt er so sehr wie die Unschärfe des Hintergrunds seiner Bilder - und wie den Sternenhimmel, das Gesicht des Weltalls.