Der öffentliche Teil der Stadtratssitzung am Dienstagabend war schnell abgehandelt. Schließlich waren die Fraktionen des Bad Staffelsteiner Rates beim einzigen Tagesordnungspunkt sofort einig: Der Steinbruch Deisenstein bei Kümmersreuth darf nach Meinung des Gremiums nicht erweitert werden.

"Wenn man sich seine Gedanken über alle Faktoren gemacht hat, kann man das Einvernehmen nicht geben", hieß der Schluss, den Fraktionsvorsitzender Jürgen Hagel für die CSU zog. Wasserversorgung sei die dringlichste Aufgabe der Gemeinde. Den Schutz des Wassers sieht nicht nur die CSU durch eine Erweiterung des Steinbruchs in Gefahr. Man befinde sich in einem "hochsensiblen Gebiet", sagte auch SPD-Fraktionschef Dieter Leicht.

In dem Gebiet bei Kümmersreuth, um das es geht, wo die Naturdenkmale Kemitzenstein, Hohler Stein und Mondstein liegen, will die Firma Steinwerke Kaider Neupert-Kalk ihren Steinbruch erweitern.
Dazu wurde vom Landratsamt Lichtenfels ein immissionsschutzrechtliches Verfahren eingeleitet, in dem auch die Stadt Bad Staffelstein um eine Stellungnahme gebeten wurde. Die fällt nun erwartungsgemäß negativ aus.

Neben CSU und SPD lehnten am Dienstag auch die Fraktionen der Freien Wähler, der Staffelsteiner Bürger für Umwelt- und Naturschutz (SBUN) und der Jungen Bürger (JB) die Erweiterung geschlossen ab. Über 16 Hektar wollte die Firma Neupert den Steinbruch am Deisenstein ausdehnen, damit - so das Unternehmen - wolle man Arbeitsplätze und den Abbau von Dolomit für die nächsten 30 Jahre sichern. Doch das sieht nun schlecht aus.

Neben der Stadt Bad Staffelstein ist auch das Wasserwirtschaftsamt Kronach an dem Verfahren beteiligt. Dessen Urteil hat wohl am meisten Gewicht. Auch hier sind die Chancen auf ein positives Votum für die Firma gering. Das Abbaugebiet würde komplett innerhalb des geplanten Wasserschutzgebietes für die Schwabthaler Quellen, die Döritzquelle der Stadt Lichtenfels und für die Tiefenthalquelle der Rehabilitationsklinik Lautergrund liegen.

Es geht um 40 Arbeitsplätze

Doch Geschäftsführer Hans Neupert wehrt sich: "Wir bauen seit 1952 am Deisenstein Kalk und Dolomit ab, in der Zeit sind noch nie negative Auswirkungen auf das Trinkwasser festgestellt worden." Die Schwabthaler Quellen seien ohnehin nur schwer schützbar. Was die wohl geplatzte Erweiterung für das Unternehmen heißt, deutet Hans Neupert nur an: "Wenn wir keine Genehmigung mehr bekommen, wird 2020 definitiv Schluss sein und 40 Arbeitsplätze fallen weg."

Deshalb ist die Entscheidung den Mitgliedern des Stadtrats auch nicht leicht gefallen. Es sei eine Güterabwägung, sagte Hans Bramann von den Freien Wählern. Er wies auch darauf hin, dass es sich hier um ein immissionsschutzrechtliches Verfahren handle, das heißt, es gehe um den Lärm, der durch eine Erweiterung des Steinbruchs entstehen würde. Hier sei der Betreiber bereit, seine Arbeitsweise umzustellen. "Wir wollen das verbessern, weg vom Bohren und Sprengen hin zum Fräsen", sagt Hans Neupert. Das Unternehmen hat bereits Fräsmaschinen getestet. Der Lärm sei laut Messungen maximal auf 30 Metern zu vernehmen.

Doch ohne Erweiterung ist auch eine Umstellung auf die Fräsmaschine nicht möglich, sagt der Geschäftsführer. Letztlich habe, sagt auch Stadtrat Bramann, der Wasserschutz bei dem Votum überwogen. Die Firma könne jedoch wieder in ein paar Jahren einen neuen Antrag auf Erweiterung stellen.

Das weist Hans Neupert zurück: "Ein neuer Antrag ist nicht realisierbar." Die Kosten für ein solches Verfahren seien schlicht zu teuer. "Das kann sich die Firma alle fünf Jahre nicht leisten", sagt Neupert.

Noch ist nichts entschieden. Das Landratsamt Lichtenfels hat in dem aktuellen Verfahren das letzte Wort. Doch große Hoffnungen auf einen positiven Bescheid gibt es beim Unternehmen Neupert nicht mehr.