Stoisch kauend stehen sie da, die neun Rinder. Gemächlich und neugierig trotten sie auf den neuen Zaun zu, der ihre zehn Hektar große Weide nun abgrenzt. Diese Weide ist eine Halbinsel, bei Hochwasser wird sie sogar ganz vom Main umflossen. Das Biotop bei Unterbrunn wird von einer 1,7 Kilometer langen Mainschleife umfasst, die im Zug der Renaturierung vor einigen Jahren geschaffen worden war.
Auf der Insel haben Menschen keinen Zutritt. Das Biotop, das vom Landschaftspflegeverband betreut wird, ist vor allem für Vögel ein Refugium.
In den vergangenen Jahren dehnte sich die Vegetation auf den ehemaligen Kiesabbauflächen jedoch zunehmend aus. Vor allem Gehölze, hohe Stauden und Grasflächen nahmen zu - die wertvollen niedrigen Magerrasenfluren wurden weniger.


Speiseplan: Gras und zarte Triebe

Andrea Musiol und Bernd Flieger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt regten deshalb an, das Areal zu beweiden. Der Probebetrieb mit neun Rindern des Biobetriebs Billinger aus Draisdorf begann im Mai. Mit Erfolg: Die vier Mutterkühe und ihre Kälber vertilgen nicht nur Gras, sondern knabbern auch an den zarten Trieben der Gehölze. Das sei beabsichtigt, erklärt Gerhard Hübner vom Landschaftspflegeverband. Es werde sogar schon darüber nachgedacht, den Rindern einige Ziegen und Esel zuzugesellen, die all das vertilgen, was die Rinder verschmähen.
Dass die Rinder durchaus ihren eigenen Kopf haben, bewiesen sie im Sommer, als der Wasserstand des Mains wegen des geringen Niederschlags sehr niedrig war. Die Rinder büxten aus. Sie nutzten eine seichte Stelle und passierten den Fluss an dieser Furt, obwohl sie sonst durchaus Respekt vor dem Main als Grenze haben.
Nun wurde ein professioneller Festzaun gesetzt, um vor allem die Ausflüge der Rinder zum angrenzenden Campingplatz am Altmainsee zu verhindern. Die Kosten belaufen sich auf rund 5700 Euro. Die Anschaffung wurde zu 85 Prozent über das "BayernNetzNatur"-Projekt finanziert und von der RV-Bank Bad Staffelstein mit 1250 Euro bezuschusst.
"Wir versprechen uns unter dem Naturschutzaspekt einen Mehrwert", sagt Landrat Christian Meißner (CSU) bei der Einweihung des Biotops am Donnerstagnachmittag.
Und Ebens felds Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) ergänzt: "Ich wollte das unbedingt haben - die Gemeinde hat alles gemacht, was möglich war." Das sei ein weiterer Schritt auf dem Weg zum "sanften Tourismus", der in Ebensfeld das politische Ziel sei. "Wir haben vor, dieses Naturschutzgebiet in Richtung Oberbrunn zu erweitern", kündigte er an.