Seit Ende 2017 prescht der ICE über die Gleise der Neubaustrecke durch Banzgau. 22 Tunnel und 29 Brücken zwischen Ebensfeld und Erfurt kennzeichnen diese Trasse. Um für Unglücksfälle auf dieser Strecke gewappnet zu sein, wurden Sicherheitskonzepte ausgearbeitet - eines für die erste Bauphase des Tunnelbaus, eines für die Phase des Röhrenausbaus mit elektrischen Oberleitungen und Gleisen und eines für die Betriebsphase. Am Erstellen dieser Konzepte wirkte Kreisbrandinspektor (KBI) Siegfried Hammrich aus Püchitz maßgeblich mit. Für sein ehrenamtliches Engagement wurde ihm kürzlich von Innenminister Joachim Herrmann die bayerische Staatsmedaille "Stern der Sicherheit" verliehen.

Siegfried Hammrich hatte vor rund zehn Jahren Neuland betreten, als er vom damaligen Kreisbrandrat Siegfried Kerner damit betraut wurde, sich um die Sicherheitskonzepte während der Bauphase und für die anschließende Betriebsphase der ICE-Trasse zu kümmern. Zusammen mit Kreisbrandrat Timm Vogler, Kreisbrandinspektor Gerhard Elflein und Kreisbrandmeister Lutz Schneider nahm er sich über Jahre hinweg dieser Aufgabe an. Es folgten unzählige Planungsgespräche, Begehungen und Schulungen.

Umstellen der Denkweise

"Das alles zu planen, die Leute zu motivieren und das Konzept umzusetzen war eine Herausforderung", sagt der 50-Jährige. Für Einsätze im Tunnel müssen Feuerwehreinsatzkräfte ihre Denkweise umstellen: "Im Tunnel gilt: erst löschen, dann retten - also genau umgekehrt wie bei einem herkömmlichen Brandeinsatz."

Und weil so eine Eisenbahnmagistrale Landkreis- und Ländergrenzen durchschneidet, war und ist die Zusammenarbeit mit den Kollegen in den Kreisen Coburg und Sonneberg unverzichtbar. Das für die Betriebsphase erarbeitete Rettungskonzept ist für alle 22 Tunnel gleich, so dass die Einsatzkräfte überall eingesetzt werden können. Käme es zum Beispiel zu einem Großschadensereignis in dem 3,7 Kilometer langen Tunnel Eierberge (zwischen Wiesen und Püchitz/Stadel), so würden nach ausgelöstem Katastrophenalarm die Coburger und Sonneberger Kollegen mit eingebunden, sagt Siegfried Hammrich.

Seit 2016 üben die Rettungskräfte direkt in den Tunnelröhren. Bis die ICE-Strecke im Dezember 2017 in Betrieb genommen wurde, war diese Stationsausbildung problemlos möglich. In dieser Zeit fanden etliche Großübungen in den unterirdischen Röhren statt - etwa im März 2017 im Tunnel Reitersberg und im September 2017 im Tunnel Eierberge. Dazu stellte die Deutsche Bahn mehrgliedrige ICE-Einheiten zur Verfügung, die es den Einsatzkräften ermöglichten, unter sehr realistischen Bedingungen zu üben.

"Wir konnten zudem beim hochspezialisierten Interkantonalen Feuerwehr-Ausbildungszentrum in der Schweiz unser Einsatzkonzept theoretisch und praktisch an Übungszügen in Tunneln durchspielen und verbessern", sagt Siegfried Hammrich. So viel zur Vergangenheit. Wer aber nicht übt, der bleibt nicht fit. Deshalb seien Multiplikatoren ausgebildet worden, die fortlaufend den Nachwuchs schulen und dafür sorgen, dass Erlerntes nicht in Vergessenheit gerät. Im Kreis Lichtenfels sind etliche Feuerwehren zu drei Tunnelbasiseinheiten (TBE) zusammengefasst, deren Personal besonders für Unglücksfälle in den Röhren ausgebildet wurde.

Künftig muss weitergeübt werden

Die Rettungsabläufe in den Tunneln müssen bei laufenden Betrieb weiter geübt werden. Künftig, sagt KBI Hammrich, werde es wohl Übungen geben, die zu jenen Zeiten angesetzt werden, zu denen kein Zug fährt - also am späten Samstagabend bis in den frühen Sonntag hinein. Dafür wünscht sich der KBI gut motivierte Feuerwehrleute und das Verständnis der Arbeitgeber. Denn Feuerwehrarbeit wird in Bayern zum allergrößten Teil ehrenamtlich geleistet. Siegfried Hammrich, der hauptberuflich im Staffelsteiner Rathaus arbeitet, weiß, wie wichtig das Entgegenkommen der Chefs ist. Für diese Unterstützung sind Feuerwehrleute dankbar.