"Mache einer älteren Dame ein wirklich glaubhaftes Kompliment." So lautete eine Aufgabe aus der Abschlussprüfung des "Fit4LIFe"-Projektes. In einer anderen Aufgabe sollten die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen etwas Osterschmuck besorgen, was gar nicht so leicht war, wie es auf den ersten Blick erschien, da in den Geschäften eher schon Weihnachtliches zu finden war. "Es ging darum, sich zu trauen, fremde Menschen anzusprechen", erklärte Sozialpädagoge, Siegfried Simon, der das Projekt gemeinsam mit der freiberuflich tätigen Familienhelferin Moni Völk leitete.

"Fremde Menschen anzusprechen war nicht immer ganz einfach", berichteten denn auch die 16-jährige Sarah und ihre Freundin Ilka. Aber die beiden Mädchen haben ihre Ängste und Hemmungen überwunden. Heute können sie offener und selbstbewusster auf andere zugehen. Und genau darum ging es in dem Coachingprojekt "Fit4LIFe" der Jugendhilfe des Landkreises Lichtenfels, das auf die Altersgruppe der Zwölf- bis 16-Jährigen mit schwierigem sozialem Hintergrund zugeschnitten war.

Es ging um den Aufbau von Selbstvertrauen, um die Stärkung sozialer Kompetenzen, um eine realistische Selbsteinschätzung und um die Fähigkeit, eigene Ziele zu formulieren und zu verfolgen. Das Projekt lief über einen Zeitraum von sechs Wochen, in denen sich die Jugendlichen und ihre beiden Coachs einmal in der Woche zu gemeinsamen Aktivitäten trafen. Zum Abschluss des Projektes am Montagnachmittag gab es einen Erfahrungsaustausch - und die Teilnahme-Zertifikate.

Hilfsbereitschaft war gefordert

In den gemeinsam verbrachten Wochen ist viel passiert. Eine dreitägige Bootstour auf dem Main hatte die Gruppe zusammengeschweißt. "Dabei haben einige der Kids, die noch nie in einen Boot saßen, super gepaddelt", erinnert sich Simon. An einem Tag hätten einige von ihnen auch Erfahrungen als "Lebensretter" gesammelt. Andere Paddler waren mit ihren Booten gekentert; denen kamen dann die Jugendlichen zu Hilfe.

Auch der Besuch auf den Ponyhof wird ihnen noch lange in Erinnerung bleiben. In dieser Lerneinheit ging es darum, Verantwortung zu übernehmen. "Ziel war es, den Jugendlichen klar zu machen, dass, wenn man etwas macht, man es auch richtig und verantwortungsvoll macht", erläutert Simon.

Während der sechs Wochen hat jeder Teilnehmer bestimmte Fähigkeiten und Vorlieben entwickelt. Beispielsweise die Begeisterung für Technik oder das Hüten des Feuers.

Sichtlich beeindruckt von dem Erfolg des Konzeptes zeigten sich auch Landrat Christian Meißner (CSU) und Martin Fabian, Geschäftsführer der Lifocolor Farben GmbH & Co. KG in Lichtenfels. Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens hatte das Unternehmen das Fit4LIFe-Projekt nämlich für dieses Jahr finanziert.