Über sein Alter scherzt er selbst. "Wo ist der 90-Jährige?" sei er kürzlich gefragt worden. "Das bin ich", antwortete er und erntete staunende Blicke.
Hans Pfadenhauer sieht nicht aus wie 90, eher wie 70. Wie er seine Vitalität erhalten hat? Er lacht: "Meine Vespa ist mein ein und alles." Mit dem Motorroller ist er nahezu täglich unterwegs. Er fährt nach Bamberg oder Coburg und dreimal in der Woche nach Kronach zum Kaffeetrinken mit Freunden.
"Ich genieß' des, wie ein freier Vogel", erzählt er vom Rollerfahren, "des is' mein Erlebnis". Ein Auto habe er nie besessen, sagt der gebürtige Burgkunstadter, der über 40 Jahre in der Schuhfabrik arbeitete. "Früher hat man kein Geld gehabt, da konnte man sich das nicht leisten - umso größer ist die Freude jetzt", fährt er fort.
"Die Vespa macht mir Freude, sie hält mich fit."


Ausflüge mit Gleichgesinnten

Hans Pfadenhauer gehört dem Vespa-Club Bayreuth an. Zusammen mit Gleichgesinnten unternimmt er im Sommer gern Ausflüge - etwa zum Mekka aller Biker, nach Heckenhof. "Ich bin im Club einer der ältesten Fahrer", sagt er und grinst.

Doch er sucht sich auch eigene kurze Touren, fährt gerne von Bad Staffelstein nach Kaltenbrunn hinüber, zu seinem Freund Giuseppe Sanfilippo, dem Wirt des Alten Bahnhofs, der ebenfalls ein Vespa-Enthusiast ist.
"Ich freu' mich auf die Sommerzeit", sagt der 90-Jährige, dann könne er wieder mit der Vespa ausfliegen, wieder weitere Touren unternehmen. Er strahlt übers ganze Gesicht, wenn er vom Kauf einer neuen Thermojacke oder von seiner "Vespa"-Jacke erzählt - das blühende Leben, er wirkt, als wolle er Bäume ausreißen.


Seit 68 Jahren verheiratet

Dabei hat der 90-Jährige durchaus auch Schlimmes gesehen im Leben. Im Krieg ist er gewesen, als junger Mann an der Ostfront. Im Lazarett in Ostpreußen lernte er 1943 seine Elisabeth kennen, die er heiratete. 68 Jahre sind die beiden nun zusammen. Hans Pfadenhauer umsorgt seine Frau, so gut er kann. Er kocht und wäscht und ist stets für sie da. Seine Ausflüge mit der Vespa taktet er so, dass er sie nicht zu lange allein lassen muss.

Ganz große Stücke halten Elisabeth und Hans Pfadenhauer auf ihre Enkelin Sabine. Ohne "das Enkala", wie Hans Pfadenhauer sagt, wäre sein Leben und das seiner Frau so nicht denkbar. Sie mache viel mehr als nur das Ausfüllen von Formularen, sie unterstütze, wo sie nur könne und sei ihr guter Geist.

Beim Kochen assistiert Elisabeth Pfadenhauer, die gehbehindert und auf den Rollator angewiesen ist, ihrem Mann. Sie gibt ihm Tipps und passt auf, dass nichts anbrennt. Es könnte ja sein, dass der Fußballnarr und Bayern-Fan zu sehr auf Radio und Fernseher achtet, während er am Herd steht. Das Radio laufe bei ihm nämlich immer, erzählt er, ohne Musik gehe gar nichts.

Apropos Medien: An Weihnachten erhielt Hans Pfadenhauer ein iPad: "Des is' wunderbar. Da drauf hab ich alle meine Termine." Ein Handy nutzt er schon lange - und er hat es auch immer dabei, wenn er mit der Vespa unterwegs ist: "Wenn ich mal liegen bleib', ruf ich den ADAC."

Alkohol trinkt Hans Pfadenhauer kaum. Höchstens mal ein Gläschen Rotwein. Dass er vital geblieben ist im Alter, schiebt er, verschmitzt grinsend, auf eine spezielle Mixtur, die er regelmäßig einnehme: "Ich schwör' auf mein Geheimrezept: Zitronen mit Knoblauch - a Schnapsgläsla voll am Tag." Das wirke sich gut auf seinen Organismus aus, und der Zitronensaft absorbiere den Knoblauchgeruch.

Und dann zeigt Hans Pfadenhauer stolz seine schwarze Vespa LX 135, die elf oder zwölf PS aus den 125 Kubikzentimetern heraushole. So ganz genau weiß er das gar nicht, denn die Leistung ist ihm nicht wichtig, für ihn zählt der Fahrspaß, das Vergnügen, mit dem Roller über die Landstraße zu fahren. "110 geht die schon", sagt er, doch das sei eine Geschwindigkeit, die er fast nie fahre, höchstes mal kurz auf der Autobahn. Die Freude am Fahren hat er auch nach zwei unverschuldeten Unfällen nicht verloren. Zweimal hätten Autofahrer ihn angefahren, beide seien betrunken gewesen. Die Blessuren am Bein verheilten schnell und gut. Und die Schrauben und Platten, die er im Arm habe, spüre er kaum.
Angemerkt hätte man's ihm ohnehin nicht.