• Lichtenfels bekommt ein neues Stadtviertel mit Ladenzeile
  • Auf 3,4 Hektar soll ein "Mehrgenerationencampus" entstehen
  • Investoren und Stadt wollen bezahlbaren Wohnraum schaffen

Auf dem ehemaligen Baywa-Areal am Alten Güterbahnhof in Lichtenfels soll ein neues Stadtviertel entstehen. Die TDR Immo GmbH & Co. KG will nach Plänen eines Architekten aus Hilpoltstein auf dem 3,4 Hektar großen Gelände einen "Mehrgenerationencampus" schaffen. Am Montag (30. März 2021) hat der Lichtenfelser Stadtrat das Bauleitverfahren einstimmig beschlossen. "Wir wollen das neue Viertel zukunftsfähig gestalten", erklärt Stadtsprecher Sebastian Müller gegenüber inFranken.de

Wohnen in Lichtenfels: 56 Wohnungen an der Bamberger Straße 

An der Bamberger Straße soll ein zusammenhängender Häuserblock mit 56 Wohneinheiten zur Miete entstehen. Alle Wohnungen haben Balkone, die in Richtung Innenhof zeigen. Im mittleren Haus ist ein Durchgang zum Kern der Anlage vorgesehen. Hier hat der Hilpoltsteiner Architekt Klaus Thanner eine überdachte, aber offene Markthalle entworfen, in der regionale Händler aus der Region ihre Produkte an Ständen anbieten.

"Gleichzeitig gibt es hier einen Zugang zu den Wohnungen und eine darunter liegende Tiefgarage. Alles ist mit einem Aufzug miteinander verbunden", sagt Thanner. Im Erdgeschoss der neuen Wohnungen - so die Idee - befinden sich Ladenzeilen. Hier sollen Anwohner und Besucher in einem Café Kuchen, Brötchen und Kaffee genießen. Außerdem sollen eine Metzgerei, eine Apotheke und ein Supermarkt einziehen. "Die Ladenfläche für einen Nahversorger beträgt üblicherweise 600 bis 1.000 Quadratmeter", so Projektmanager Raik Krohn vom Immobilieninvestor TDR Immo. Dieser Platz sei im neuen Quartier an der Bamberger Straße vorhanden.

Um die Tiefgarage zu bauen, sei es nötig, den Boden auszutauschen, sagt Stadtsprecher Müller. Im Stadtrat hatte es zuvor Diskussionen über die Schadstoffbelastung auf dem Lichtenfelser Güterbahnhofsareal gegeben. "Aktuelle stichpunktartige Messungen haben ergeben, dass der Schadstoffgehalt des Bodens zum großen Teil nicht zu hoch ist", sagt Müller. Nicht überall muss aus Sicht des Bauamts also Erdreich abgetragen werden.

Belastend ist für viele Anwohner allerdings der Verkehr an der Durchgangsstraße. Deshalb hat die Stadt gefordert, eine Verbreiterung des Gehwegs und einen etwa 200 Meter langen Radweg bei den Plänen für das Viertel zu berücksichtigen. "Das haben wir getan. Außerdem wollen wir an der Bamberger Straße Bänke aufstellen und Bäume pflanzen", sagt Projektmanager Krohn, der von einem "grünen fließenden Übergang im Viertel" und einer "Komfortzone" für die Anwohner spricht. 

"Mehrgenerationencampus" in Lichtenfels: "Wohnen der Zukunft"

Im hinteren Bereich des Areals entstehen den Plänen zufolge 37 Einfamilienhäuser, die als Doppel- oder Reihenhausblöcken mit drei Einheiten angedacht sind. "Die Flachbauten sind allesamt begrünt", erklärt Architekt Thanner. Kleine "Wasserflecken", sprich künstliche Mini-Seen, sollen das Regenwasser versickern lassen - und für ein naturnahes Flair sorgen.

Auch ein Kneipp-Becken hat Architekt Thanner in seinen Entwurf integriert. Insgesamt ziehe sich ein "Grünstreifen mit Versickerungsmulden und einem Biotop" durch das gesamte Baugebiet, so Thanner. Für die Kinder soll dort ein Spielplatz inmitten von "großkronigen Laubbäumen" gebaut werden.

"Der Anspruch ist es, mehrere Generationen zusammenzuführen. Das ist modernes Wohnen. Die älteren Leute werden nicht am Stadtrand abgeschottet und junge Familien mit Kindern oder Kinderwunsch haben Platz, den es in Lichtenfels so bisher kaum gibt", sagt Projektmanager Krohn. Dass verschiedene Altersgruppen und soziale Schichten zusammenkommen, sei wichtig, um den "Kitt in der Gesellschaft zurückzubekommen". Dafür soll das neue Quartier in Richtung Stadtmitte eine Verlängerung in Form eines Anbaus bekommen, in dem eine Kita, ein Hort, eine Pflegeeinrichtung für Demenzkranke und altersgerechte, barrierefreie Wohnungen untergebracht sind.

 Auch die Wohnungen am Komplex Bamberger Straße sollen barrierefrei sein. "Es geht hier nicht um eine Luxussanierung", sagt Krohn. Stattdessen wolle man "Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen". Auch sozial schlechter gestellte Familien sollen im neuen Lichtenfelser Stadtviertel zuhause sein.

Stadtsprecher Müller spricht von einem "komplett gemischten" Quartier. Die Stadt Lichtenfels berate den Investor, man sei in "enger, guter Abstimmung". Das betreffe etwa auch Fördergelder aus Programmen für den Sozialen Wohnungsbau. Die Planungskosten für das Viertel sollen daher gering gehalten werden, auch die Wohnungen selbst seien "relativ einheitlich geplant", sagt Müller. 

Lichtenfelser haben großes Interesse: „Hohe Nachfrage“

Die Idee scheint auch in der Stadt gut anzukommen. Die Nachfrage sei hoch, heißt es von allen Seiten. Das bestätigt auch Müller. "Wir haben jetzt schon immer wieder Anfragen erhalten. Die Interessenten kommen oft aus Lichtenfels und wollen dann wissen, ob man sich schon ein Haus vormerken lassen kann, ob etwas zum Verkauf oder zur Miete steht", sagt Müller.

Doch noch stecke vieles "in den Kinderschuhen". Im nächsten Schritt werde der Bebauungsplan "auf die Reise geschickt", so Müller. Frühestens in einem Jahr rechne die Stadt damit, dass erste kleinere Arbeiten auf dem Gelände beginnen.

Dann soll auch geklärt sein, ob für die bessere Umweltbilanz auch eine Fernwärmeleitung zur nahen Kläranlage gelegt oder gleich ein Biomasseheizkraftwerk entstehen könnte. Denn bisher müsse die Stadt den Klärschlamm teuer entsorgen, so Architekt Thanner.

Erste potenzielle Bewohner der Anlage könnten Pflegekräfte der Regiomed-Kliniken und Beschäftigte von GE Additive sein, sagt Projektmanager Krohn. Sie sollen, so der Plan, in zwei sogenannten "Boarding-Häusern" wohnen, die in der Nähe der Schrebergärten am Lichtenfelser Sportplatz entstehen. Dort sind Apartments zum Wohnen auf Zeit vorgesehen. 

Die größte Herausforderung für die Planung seien Wind- und Lärmbelästigung durch Zugverkehr gewesen. "Deshalb entsteht in Richtung der Bahngleise ein begrünter Lärmschutzwall, der gleichzeitig ein Feuchtbiotop für Eidechsen ist", sagt Krohn. 

In Nürnberg entsteht ebenfalls ein neues Stadtviertel. Die Bürger dürfen entscheiden, wie es heißen soll.