"Es hat heuer bei den Erdkröten sehr lang gedauert, bis sie sich auf die Wanderschaft zum Laichgewässer begeben haben. Der Regen und die etwas wärmeren Temperaturen sorgten nach der lang andauernden Kälte erst dafür, dass es erst in den letzten Tagen bei den warmen Nächten so richtig los ging. Mit den Molchen hat die Wanderung vor zwei Wochen begonnen", sagt Marion Damm, die erste Kreisvorsitzende des LBV Lichtenfels. Schon seit 22 Jahren betreut die begeisterte Tierschützerin zusammen mit ihrer Familie einen Krötenzaun an der Straße zwischen Ummersberg, Marktgemeinde Ebensfeld, und Busendorf im Itzgrund.


Bis Mitternacht im Einsatz

So lang die Wanderung anhält, ist täglich Vormittag und am Abend jeweils ein aufwendiger Einsatz notwendig, um die Tiere sicher über die Straße zu bringen. "Gestern waren wir bis Mitternacht unterwegs. Etwa 250 Tiere sind schon wieder zurück gelaufen, so dass wir den Krötenzaun aufmachen mussten. Ich hätte nicht gedacht, dass jetzt alles so schnell geht", erzählte die Kreisvorsitzende. Manchmal hat sie bei ihren Einsätzen noch zusätzlich fleißige Helfer wie die Kinder von den Jugendgruppen "Monsterpfoten" vom Tierheim Lichtenfels und den "Turmfalken" vom Gartenbauverein Döringstadt. Marion Damm versteht es mit viel pädagogischem Geschick und Einfühlungsvermögen die Kinder für die Einsätze vorzubereiten und zu begeistern. "Wenn die Kröten auf ihrem uralten Wanderweg nachts an einen für sie unüberwindlichen aufgestellten Zaun kommen, tasten sie sich daran entlang und fallen dabei in ebenerdig eingegrabenen Eimer. Eine Moospolsterung auf dem Boden des Behälters verhindert einen harten Aufprall und die Tiere können sich darin verstecken", so die Vorsitzende.

Bei den Einsätzen am Krötenzaun am Straßenrand werden Warnwesten getragen. Jedes Kind hat einen Eimer dabei, in dem die gefundenen Tiere vorsichtig hinein gelegt werden. Oft gibt es die Kröten auch im Doppelpack. Die kleineren Männchen lassen sich gern auf dem Rücken der Weibchen zum Laichplatz tragen. Aber nicht alle Tiere fallen in die Eimer. Manche verstecken sich geschickt im Gras. Diese Erdkröten zu entdecken mache Kindern besonders viel Freude. Die Krötenrettung sei sie ein sehr intensives und schönes Naturerlebnis, das die Teilnehmer nie vergessen werden.


Bis zu 6000 Eier in langen Laichschnüren

"Eigentlich sind die Kröten Landtiere. Aber, um sich zu vermehren, müssen sie im Frühjahr Weiher, Seen und Gartenteiche aufsuchen. In ihnen findet dann die Balz der Amphibien statt. Das Weibchen bindet in flachen Uferzonen an Wasserpflanzen lange Laichschnüre, die bis zu 6000 Eier enthalten können. Diese werden dann von den Erdkrötenmännchen vom Rücken der Partnerin umgehend befruchtet", erklärt die Vorsitzende. Innerhalb von zwei bis drei Monaten entwickeln sich die kleinen Erdkröten vom Ei zu vierbeinigen Erdkrötchen. Die spektakuläre Verwandlung von Kiemenatmer im Wasser und zum Lungenatmer an Land wird in Fachkreisen auch Metamorphose genannt. So ausgerüstet ist eine kleine Erdkröte auf sich allein gestellt. "Sie ist vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Neben dem Tod auf der Straße fallen viele in ungesicherte Kellerschächte oder auch in Gullis. Außerdem haben die Kröten auch Fressfeinde wie Marder, Schlangen, Greifvögel und Katzen. Nur etwa zehn bis 20 Tiere pro Gelege überleben", resümiert Damm. Ein große Gefahr für die Amphibien seien frische Dünge- oder Spritzmittel. Diese würden durch die sensible Haut der Tiere dringen und können dann tödlich wirken. Auch der ganzjährige Holzeinschlag mit Großmaschinen wirke sich negativ auf die Population aus. Hier werde alles zusammengefahren, so die Vorsitzende.


Amphibien werden gezählt

Die Kröten so wie auch Molche und Frösche werden gezählt und die jeweilige Anzahl von Marion Damm vermerkt. "Trotz des aufgestellten Krötenzaunes werden immer wieder Tiere überfahren, die sich außer der Absperrung bewegen und auch oft noch in kleinerer Anzahl bis zum Frühsommer wandern. "Die Autofahrer sollten unbedingt bei den aufgestellten Schildern vorsichtig fahren. Geschwindigkeitsbeschränkungen von 70 auf 50 Stundenkilometer und ein Warnschild mit einem Frosch sollen Zeit zum Abbremsen geben. Nur wenige aber halten sich daran. Sie rasen wie die Verrückten abends an uns vorbei, obwohl wir mit Warnwesten bekleidet sind und Taschenlampen dabei haben. Ich habe den Eindruck, dass Umwelt- und Naturschutz einen immer geringeren Stellenwert bei der Bevölkerung genießt. Die allgemeine Gleichgültig und die mangelnde Achtsamkeit ist erschreckend. Auch fehlt die Achtung vor den freiwilligen Helfern, die einen sehr wichtigen Dienst für den Artenschutz leisten. Die Autos sausen oft haarscharf mit 100 Stundenkilometern an uns vorbei", sagt die Naturschützerin.

"Amphibien gehören zu den sehr gefährdeten Tierarten. Auf der Suche nach idealen Lebensräumen besiedeln die Kröten auch gerne naturnahe Gärten, so Damm. Als nachtaktive Tiere beziehen sie als Tagesunterstand schattig gelegene Stein- und Reisighaufen so wie Holzstapel. Besonders aktiv sind Kröten bei leichtem Nieselregen und Wärme am späten Abend. Dann gehen sie auf Jagd nach kleinen Schnecken, Laufkäfer, Erdraupen, Regenwürmer und Spinnen. Dies zeigt, dass der Mensch durch einen naturnahen Garten mit einer großen Vielfalt reichlich belohnt wird", so Marion Damm.