Den 3. Januar 2016 wird Markus Menzel wohl niemals vergessen. Als er gegen 23 Uhr einen Knall hörte, dachte er zunächst an einen verspätet gezündeten Feuerwerkskörper. Doch das Geräusch wiederholte sich, wollte nicht aufhören. Als er aus dem Fenster schaute, sah er einen hellen Feuerschein. Der Stall stand in Flammen. Die Löscharbeiten gestalteten sich schon wegen der Zugänglichkeit schwierig. 20 Rinder kamen um, 13 wurden weggebracht. Für den Landwirt war das ein Schock.

Seit seiner Kindheit gehörten Tiere zum Hof. "Ich möchte wieder einen Stall haben", sagt Markus Menzel. Aber so einfach ist das nicht. Bei einem Neubau innerorts gibt es emissionsschutzrechtliche Vorbehalte. Außerorts eine adäquate Lösung zu finden, gestaltet sich ebenfalls nicht leicht. In der Größenordnung für etwa 70 Tiere, wie sich das der Nebenerwerbslandwirt wünschen würde, wäre die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben. Diese Einschätzung hätten Vertreter des Amtes für Landwirtschaft abgegeben. "Eigentlich rechnet sich gar nichts", kommentiert das der Betroffene, auch Milchviehhalter hätten Probleme. Die Rindermast sei für ihn einträglicher als der reine Landbau auf den knapp 70 Hektar.

Das Hauptproblem ist aber, dass Markus Menzel nur der Pächter des Hofes ist. Der gehört seinem Vater (75), der in einem Pflegeheim im Fichtelgebirge lebt und für den vor vier Jahren von Amts wegen ein Betreuer bestellt wurde.

Die Rechtslage ist klar. Der Sohn kann Wünsche äußern, aber nicht entscheiden. "Mir sind die Hände gebunden", sagt Markus Menzel. Vertreter von Baufirmen etwa, die kämen jetzt alle zu ihm, "weil sie denken, ich bin der Ansprechpartner."

Brandversicherungen ersetzen prinzipiell das Zerstörte 1:1 an Ort und Stelle, was in Reundorf allerdings wohl so nicht in Betracht kommt. Außerhalb neu zu bauen muss abgestimmt und abgewogen werden.


Fragen zum Wiederaufbau

Ein Wiederaufbau und Weiterbetrieb der Landwirtschaft wäre im Sinne seines Vaters, da ist sich der Junior sicher, auch wenn die beiden nicht das beste Verhältnis hatten. Auch seine Schwester würde ihm da keine Steine in den Weg legen, sagt er. Trotzdem ist innerhalb eines Jahres noch nicht einmal mit dem Bau der Maschinenhalle auf dem Grund des abgebrannten Bestandes begonnen worden, obwohl damit offenbar allseits Einverständnis besteht. Es ist eben insgesamt eine heikle juristische Problematik.

Von gerichtlicher Seite sind Auskünfte zu Betreuungsverfahren nicht zulässig, wie die Direktorin des Amtsgerichts Lichtenfels, Ulrike Barausch, erklärt. Ganz allgemein gelte, dass Betreuer so entscheiden müssen, wie es der Betroffene selbst tun würde, wenn er es noch könnte - die Bedeutung und Tragweite überblickend. Der Wiederaufbau eines Betriebes, der Verluste erwarten lässt, dürfte grundsätzlich nicht dem mutmaßlichen Interesse eines Betreuten entsprechen. Entscheidend seien jedoch die Gesamtumstände.
In Reundorf besteht eine komplexe Situation, die den Beteiligten nach wie vor Geduld abverlangt.