Eine alte Bauernregel besagt: "Servaz muss vorüber sein, will man vor Nachtfrost sicher sein." Servaz oder Servatius ist der 13. Mai und einer der Eisheiligen. An diesen fünf aufeinanderfolgenden Tagen im Frühjahr treten oftmals die letzten Nachtfröste vor dem Sommer auf. So geschehen auch dieses Jahr – das wurde den Apfelbäumen im Landkreis Lichtenfels zum Verhängnis.

"Es hat dieses Jahr in die Blüte reingefroren", beschreibt Michael Stromer das Problem. Der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege von der Umweltstation Weismain erklärt weiter: "Manche der Apfelbäume hat es auch im Fruchtansatz erwischt." Das hänge auch mit dem Klimawandel zusammen. So verkürzten die milden Winter die Winterruhe der Bäume und deren Austrieb beginne früher. Deshalb setze ihnen der Spätfrost sehr stark zu und die Ernte falle schlecht aus, weiß Stromer. Die wenigen Äpfel, die an den Bäumen hingen, seien zudem von schlechter Qualität – oftmals durch die Spätfröste deformiert oder von Apfelwickler und Schorf befallen.

80 Prozent weniger

Einen Anhaltspunkt, wie schlecht die diesjährige Apfelernte ausgefallen ist, geben die Zahlen des Saftmobils vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege. Nach Angaben Stromers wurden dort bereits 2019 im Vergleich zu 2018 knapp 80% weniger Äpfel zu Saft gepresst. Für die laufende Saison 2020 wird mit ähnlich geringen Mengen gerechnet. "Es gibt aber auch Apfelsorten, die ganz gut hängen", stellt Stromer fest. So sei beispielsweise die Ausbeute bei der Spätsorte "Welschisner" in diesem Jahr wieder recht gut. Auch mit der Ernte des aktuell reifen "Großherzog Friedrich von Baden" könne man zufrieden sein.

Gute Ernte bei anderen Obstsorten

Ähnlich gut habe es bei den Kirschen ausgesehen, erklärt der Kreisbeauftragte. Während deren Ernte bereits im Juni und Juli stattfand, hätten auch einige Zwetschgenbäume in den vergangenen Wochen gut getragen. Ebenso die Mirabelle, deren Äste sich unter der Last der reifen Früchte stark gebogen hätten – beispielsweise im Obstdorf Romansthal. Auch bei den Birnen ist der Fachmann optimistisch – die Lokalsorte Staffelsteiner Beckenbirne ist jetzt reif und hänge zum Teil voll, ebenso viele andere Sorten.

Da der Apfelbaum aber der "Brotbaum" der Region ist, sei das Gesamtergebnis ernüchternd. Um derart schlechte Erntejahre abzudämpfen, empfiehlt der Kreisfachberater eine breite Streuung an Obstsorten. Wichtig ist es zudem, die Bäume während der Hitzesommer gut zu wässern.

Für Obstbauern, die weder chemisch spritzen noch mineralisch düngen, hat Stromer einen weiteren Tipp: Im Herbst ist eine Initiative für Saft aus Bio-Streuobst geplant. Das Ziel der Fördermaßnahme ist die Zertifizierung der Produkte. Hierdurch werde die Wertschöpfung gesteigert.

Obstmärkte entfallen dieses Jahr

Eine schlechte Nachricht hat Stromer jedoch auch – für Erzeuger und für Käufer: Die diesjährigen Obstmärkte in der Region fallen der Corona-Pandemie zum Opfer. "Es lohnt sich aber, die Obstbauern direkt zu kontaktieren, um vor Ort zu kaufen", weiß Stromer. Kontakte kann die Umweltstation vermitteln. Ein letzter Hinweis des Experten betrifft die Aktion "Gelbes Band – das Ernteprojekt" (wir berichteten). In dem Zusammenhang bedeute ein gelbes Band an einem Baum, dass jeder ihn abernten dürfe – ohne vorherige Rücksprache.