Eben noch mitten im Leben, plötzlich nicht einmal mehr in der Lage, die Gedanken in Worte zu fassen oder einfachste Alltagstätigkeiten zu erledigen. Die Erfahrung einer Hirnschädigung, durch einen Schlaganfall beispielsweise oder Unfall, macht hilflos. Keiner sollte in so einer Situation alleine auf sich gestellt sein. In Oberfranken gab es mit dem Aphasiker-Zentrum (AZO) 17 Jahre eine Institution, die Betroffenen weiterhilft, seit 2008 auch in einer Außenstelle in der Schön-Klinik Bad Staffelstein. Doch Aphasie - die "Sprachlosigkeit" oder genauer Störung der Sprache, ist nur eine der Auswirkungen, unter denen Menschen nach einer Hirnschädigung leiden können. Häufig kommen mehrere Beeinträchtigungen zusammen wie Lähmungen, Krämpfe, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.
Deshalb hatte der Bezirk Oberfranken eine Öffnung des Beratungszentrums für alle Schädel-Hirn-Patienten angeregt, die seit März umgesetzt ist. Diese Ausweitung der Zuständigkeit ging auch mit einer Namensänderung einher. Aus dem Aphasiker-Zentrum wurde das Beratungszentrum Oberfranken für Menschen nach erworbener Hirnschädigung (BZO). Auf rund 1400 Patienten und deren Familien schätzte das Mitarbeiterteam bislang den Kreis derer, für die man Ansprechpartner war und ist. "Ich gehe davon aus, dass diese Zahl schnell ansteigen wird", sagt Doris Schäfer. Die Diplom-Sozialpädagogin ist seit vier Jahren in der Außenstelle im Klinikum Bad Staffelstein tätig. Sie kann Betroffenen - und nun einem noch größeren Personenkreis - auf vielfältige Weise weiterhelfen.

Der Chefarzt der Neurologischen Klinik der Schön-Klinik Bad Staffelstein, Friedrich von Rosen, begrüßt das Beratungsangebot vor Ort, wofür im Haus ein eigenes Büro zur Verfügung gestellt wurde. Diese Kooperation sei für die Patienten sehr wertvoll. "Nun finden alle das Hilfeangebot, das sie in dieser schwierigen Situation brauchen." Er macht deutlich, dass erworbene Hirnschädigungen nichts Seltenes sind. Patienten nach Schlaganfall oder Hirnblutung sind die größte Gruppe der Betroffenen. Ursachen können aber auch Tumorerkrankungen oder Unfälle sein. Über 50 000 Krankenhausbehandlungen gebe es Jahr für Jahr deswegen in Bayern, wie von Rosen vor Augen führt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe man zu ihrer akutmedizinischen Versorgung und anschließenden Behandlungen vorbildliche Strukturen im Freistaat aufgebaut.


Wegweiser im Sozialsystem

Etwa zwei Drittel der Schlaganfallpatienten überleben, sagt die Statistik, ein erheblicher Anteil mit Beeinträchtigungen. Der Rehabilitationsweg nach einer Schädigung des Gehirns ist oft mühsam und langwierig. Häufig müssen die Patienten und ihre Familien ihren Alltag völlig neu strukturieren. Dabei kann das Beratungszentrum Hilfestellung geben. Während des Klinikaufenthaltes seien zwar oft schon viele Informationen weitergegeben worden, doch in der konkreten Situation, wieder zu Hause, tauchten dann viele Fragen auf, weiß Doris Schäfer. "Welche Therapien und Verordnungen stehen mir zu? Auch die berufliche Wiedereingliederung ist ein großes Thema." Es sei nicht leicht, sich in unserem komplexen Sozialsystem zurechtzufinden, ergänzt der Chefarzt.
In oberfrankenweit 24 Selbsthilfegruppen und zusätzlichen Neigungsgruppen für sportliche, handwerkliche, künstlerische oder kulturelle Interessen können Betroffene erste Schritte gegen einen sozialen Rückzug und hin zu neuen Aufgaben wagen. "Wir versuchen auch, Fahrgemeinschaften zu organisieren oder einen ehrenamtlichen Fahrdienst einzusetzen, damit Unternehmungen ohne Angehörige möglich werden", sagt Doris Schäfer. Wer sich nicht so gern einer Gruppe anschließen möchte, dem könne auf Wunsch auch ein Tutor zur Seite gestellt werden, jemand mit einer ähnlichen Krankengeschichte. Daraus entstehen häufig Freundschaften.

Eines zeigt sich immer wieder: Es können bei Menschen mit erworbener Hirnschädigung auch noch nach den ersten, intensiven Behandlungsmonaten viele Verbesserungen erzielt werden - positive Entwicklungen, die über die ärztliche Einschätzung hinaus gehen. Diese sind möglich durch Willen, Anstrengung, Freunde, Angehörige, positive Umgebungsfaktoren und dadurch, dass der Betroffene gefördert und gefordert wird. Diese Ressourcen zu nutzen, dazu kann die BZO-Anlaufstelle in Bad Staffelstein einen Beitrag leisten.

Kontakt
Beratungszentrum Oberfranken für Menschen mit erworbener Hirnschädigung e.V. (BZO),
Schön-Klinik Bad Staffelstein, Am Kurpark 11, Tel. 09573/56225, E-Mail: staffelstein@b-z-o.de.
Persönlich besetzt ist das Büro jeweils Montag bis Donnerstag vormittags.