"Hallo Du, ich muss momentan von der Schule zu Hause bleiben. Mir ist langweilig, weil ich keine Freunde treffen kann und weil kein Fußballtraining ist. Du musst in dieser Zeit bestimmt viel arbeiten. Ihr haltet unser Leben am Laufen. Ohne Euch geht es nicht. Vielen Dank für Euren Einsatz für uns alle. Dein Felix."

Es sind Kinderbriefe wie dieser, die in den letzten Tagen in der Ivo-Hennemann-Grundschule ankamen. Per Mail, per Post oder in den Briefkasten geworfen, wenn die Eltern auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkauf waren. Die Schüler der vier Klassen waren von Beatrix Rost, Klassenlehrerin und stellvertretende Schulleiterin, eingeladen worden, ein paar aufmunternde Worte, ein farbenfrohes Bild oder auch einfach nur ein großes Dankeschön an diejenigen zu senden, die in der aktuellen Situation für uns alle da sind. Ohne die es nicht geht. Die "systemrelevant" sind.

Weit mehr als 100 Zuschriften sind in den letzten Tagen eingetroffen, Bilder, die gemalt oder geklebt sind, gebastelte Karten, Zeichnungen und herzliche Grüße. Rektorin Gudrun Mackert ist überwältigt: "Unsere Kinder machen das gigantisch! Kinder, Eltern und Lehrer arbeiten Hand in Hand, DAS ist eine richtige Schulfamilie."

Mit den wöchentlichen Arbeitsplänen ging das Anschreiben zu den 154 Erst- bis Vierklässlern nach Hause, auch Geschwister durften sich beteiligen. "Wenn du aus dem Fenster schaust, siehst du den gleichen Himmel wie ich. Das verbindet. Hab Mut!", schreibt zum Beispiel Lea. Aus dem Anschreiben weiß sie, dass die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen derzeit keinen Besuch empfangen dürfen, ebenso wenig wie Patienten in den Klinken und Krankenhäusern. Auch für diese Menschen sollen die liebevollen Botschaften der Kinder ein kleiner Mutmacher sein.

Beatrix Rost, Gudrun Mackert und ihr Mann Walter haben bereits angefangen, die Briefe zu verteilen. Die Liste der Empfänger ist lang: Bäcker, Metzger, Polizei, Feuerwehr, THW, Krankenhäuser und Seniorenheime, Tankstellen, Optiker, Ärzte, Apotheken, Banken, Gasthäuser, Post, Landratsamt und Gesundheitsamt, Rotes Kreuz und Bauhof. Nicht zu vergessen die Supermärkte, die Transportunternehmen, Handwerksbetriebe und auch die Presse. "Ich wünsche euch starke Nerven und ein kräftiges Immunsystem!", schreibt Grundschülerin Lina. "Wir bleiben zu Hause."