Mit weit aufgerissenem Maul liegt ein toter Fisch in einer Schlammpfütze, daneben zwei kleinere Exemplare. Das Foto von den toten Bachforellen macht Gemeinderat Steffen Domschke von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) wütend: "Das ist ein rücksichtsloser Umgang mit der Natur."

Ein Bürger, der nicht namentlich genannt werden möchte, habe ihm am 15. September rund 30 Fischkadaver gezeigt. Die Forellen waren unweit der Altenkunstadter Apotheke, dort wo sich Mühlbach und Flutmulde kreuzen, verendet. Bereits Anfang September hatte Domschke am Turbineneingang der ehemaligen Wiesenmühle, in die im 20. Jahrhundert die Porzellanfabrik Nehmzow eingezogen war und in der sich jetzt die Zimmerei Domschke befindet, mehrere tote Fische entdeckt. Einen Schuldigen für die verendeten Tiere hat Domschke bereits ausgemacht: die Bauverwaltung der Gemeinde Altenkunstadt, der er vorwirft, nicht sorgfältig genug geplant zu haben.

Für Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) liegt der 54-Jährige aus Baiersdorf völlig falsch. Der Baumaßnahme lägen detaillierte Pläne zugrunde. Diese seien nicht von der Bauverwaltung, sondern von dem Bayreuther Architekturbüro RSP erstellt worden, korrigiert er Domschke. Derzeit wird von der Baufirma Dietz aus Weismain das Fundament für das Mühlrad an der Neumühle angebracht. Die Bausteine, mit denen kürzlich eine Belastungsprobe durchgeführt worden war, werden momentan entfernt. Anschließend wird mit dem Anbau der Flügelwände begonnen.

Vom Landratsamt genehmigt

Wegen der Bauarbeiten an der Mühle mussten beim Wehr am Schul- und Sportzentrum in Röhrig am 28. und 29. Juli Gewässerabsenkungen vorgenommen werden. Diese wurden laut Hümmer durch das Landratsamt im Rahmen einer wasserrechtlichen Erlaubnis genehmigt. Auch bei der Anzahl der Tiere muss Hümmer den Gemeinderat berichtigen. "Durch hausinterne Erkenntnisse wurden wir am 15. September auf 15 tote Fische bei der Apotheke aufmerksam, die von Bauhofmitarbeitern beseitigt wurden."

Am 30. Juli wurde nach Auskunft des Rathauschefs mit den Bachumleitungen im Bereich der Neumühle begonnen. Am 7. September sei es dann zu einer zweiten Absenkung gekommen. Am 29. und 30. Juli hätten Bauhofmitarbeiter den gesamten Bach kontrolliert. "Diese Kontrolle wurde in erster Linie durchgeführt, um Fische, die in Pfützen feststeckten, in Bereiche mit viel Wasser umzusiedeln. Sie diente nicht der Einsammlung toter Fische", stellt er klar. Zudem habe man nach dem Auffinden der toten Fische am 15. September den Wasserstand kurzfristig erhöht. Für Bürgermeister Hümmer führten Baumaßnahmen an beziehungsweise in Gewässern immer zu Eingriffen in den Lebensraum von tierischen Bewohnern. "Es ist nicht möglich, ein Fließgewässer vor dessen Absenkung völlig fischfrei zu bekommen." Vielmehr gehe es darum, so Hümmer, die Durchlässigkeit des Gewässers zu jedem Zeitpunkt zu erhalten. Dies werde von den Mitarbeitern des Bauhofes wiederkehrend kontrolliert.