Erika ist 30 Jahre alt, arbeitet in einer Bank und lebt in einer festen Partnerschaft. Nach einem Fernsehfilm zum Thema Aids entschließt sie sich zu einem Test und erfährt, dass sie HIV-positiv ist. "Wie könnte es Erika jetzt ergehen?" Eine Frage, die Hermann Schuster, Leiter der Aidsberatung Oberfranken, den vor ihn sitzenden Jugendlichen stellt.

Eine Klasse aus der Realschule in Burgkunstadt ist die erste, die am gestrigen Mittwoch den Aids-Parcours in der AOK Geschäftsstelle in Lichtenfels bewältigt. Es ist die zweite Veranstaltung dieser Art in Lichtenfels, organisiert von Kerstin Sommerluksch, Schul- und Studienberaterin bei der AOK.


Vier Stationen


Auf dem aus vier Stationen bestehenden Parcours geht es um Dinge wie Liebe, Sexualität, Verhütung, Freundschaft und Aids, die von den Jugendlichen in Gruppenarbeit erarbeitet und diskutiert werden.
Dafür erhalten sie Punkte, am Ende wird ein Sieger gekürt.

So wie eingangs beschrieben gibt es Erika nicht. Ihr Geschlecht, ihr Alter, ihren Namen und ihren Beziehungsstatus haben sich die Schüler selbst ausgedacht. Hermann Schuster geht es darum, dass sich die Jugendlichen in die Situation von Betroffenen hineinfühlen und dabei so etwas wie Empathie entwickeln.


Schock, Verzweiflung und Wut


Trotz des frühen Vormittags sind die Jugendlichen aufmerksam bei der Sache. Erika könnte geschockt sein, von Verzweiflung geplagt und auch so etwas wie Wut verspüren. Damit liegen die Schüler richtig. Schock, Verzweiflung und Wut sind Gefühle, die Hermann Schuster auch in der Praxis erlebt. Es geht aber auch um Fragen wie: Soll man vom positiven Testergebnis erzählen oder es lieber für sich behalten? "Wer positiv getestet ist, darf keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr haben", klärt der Leiter der Aidsberatung auf. Und für die Krankheit müsse man sich nicht schämen.

Bei Heribert Lempetzeder vom Gesundheitsamt und Matthias Wichert vom Jugendamt geht es um mögliche Ansteckungsquellen. Die Schüler sollten anhand von Alltagssituationen Risiken einschätzen. Eine nicht immer ganz leichte Aufgabe.


Nur ein Kondom kann helfen


Ein Kondom sei das einzige Verhütungsmittel, das auch vor Geschlechtskrankheiten schütze, erläutern Sabine Wegner und Kerstin Heinlein von der Schwangerenberatung. "Verhütung geht beide an", erklärt Sabine Wegner, auch wenn das Angebot an Verhütungsmittel für Frauen größer sei.

Um Liebe, Freundschaft und Sexualität geht es bei Brigitte Löffler und Claudia Ortloff von der Caritas-Beratungsstelle. Ein Thema, das erlebnisorientiert aufgebaut ist und von den Schülern auch zeichnerische und pantomimische Fähigkeiten erfordert.

Die Gruppe Unicorns ging am Ende des Aids-Parcours als Gewinner hervor und durfte sich über ein Siegerbild freuen.

Die Präventionsaktion für Schulklassen ist eine Gemeinschaftsaktion von AOK, Aids-Beratung, Diakonie, Caritas und Landratsamt Lichtenfels. Daran teilgenommen haben rund 300 Schüler der achten und Jahrgangsstufe aus dem gesamten Landkreis Lichtenfels.