Derzeit sind rund 650 Flüchtlinge im Kreis untergebracht, darunter 44 unbegleitete Jugendliche. Mittlerweile gibt es über 20 dezentrale Unterkünfte, in denen diese Menschen leben. Die meisten Migranten kommen aus Syrien (145), Afghanistan (115) und dem Irak (67). Auf alle Gesichtspunkte der Flüchtlingsunterbringung im Landkreis ging Achim Liesaus, der Leiter des Sachgebietes "Öffentliche Sicherheit, Ordnung und Ausländer" am Landratsamt, in der Kreisausschusssitzung ein.

Der Winternotfallplan vom Herbst 2014 sei im Frühjahr 2015 zum dauerhaften Plan erklärt worden, sagte Liesaus. Anfang September 2015 habe die Regierung von Oberfranken mitgeteilt, dass jeder Kreis 300 Plätze für die Notunterbringung zur Verfügung stellen muss. Die Turnhalle der Lichtenfelser Berufsschule (150 Plätze) werde seither als vorübergehende Notunterkunft genutzt. Neu sei, dass der Kreis dem Roten Kreuz den Betrieb dieser Notunterkunft übertragen habe. Von den neu hinzukommenden Migranten müsse der Kreis pro Woche 14 Personen dauerhaft aufnehmen und unterbringen.

Wenn die eigens neu errichtete Notunterkunft auf dem Gelände des Staffelsteiner Kreisbauhofs mit 150 Plätzen am 21. März in Betrieb genommen wird, könne die Lichtenfelser Turnhalle wieder für den Schulsport genutzt werden, fuhr Achim Liesaus fort. Die Turnhalle an der Pater-Lunkenbein-Schule in Ebensfeld (150 Plätze) bleibe jedoch weiterhin in der Reserve, sollte die Einrichtung in Bad Staffelstein nicht ausreichen.

Seit August 2014 habe der Kreis rund 200 Objekte zur dezentralen Unterbringung angeboten bekommen, fuhr Liesaus fort. Das Abklären und Abstimmen bedeute für die Behörde einen hohen zeitlichen Aufwand.

Der Personenkreis der rund 650 Migranten hat nach Achim Liesaus' Angaben folgende Altersstruktur: 83 Kinder unter sechs Jahren, 82 Sieben- bis 15-Jährige, 141 Personen zwischen 16 und 21 sowie 355 Menschen über 21 Jahre. 47 Kinder besuchen derzeit eine Tagesstätte.

2015 seien 81 Asylbewerber anerkannt worden, im laufenden Jahr bislang 18. Diese Menschen müssten aus den vom Kreis angemieteten Objekten ausziehen und sich auf dem freien Markt selbst eine Wohnung suchen.
Interessant werde es, wie es weitergeht, denn nun seien Job-Center, Kindergärten, Kitas und Schulen mit im Spiel. Nach der Anerkennung sei das Jobcenter zuständig, denn diese Menschen hätten Anspruch auf Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II). Aktuell gebe es 52 solcher Fälle im Kreis. Diese Leute müssten die Gemeinschaftsunterkünfte und dezentralen Quartiere verlassen; momentan gebe es 34 sogenannte Fehlbeleger, die ausziehen müssten.

Der Leiter des Kreisbauhofs Bad Staffelstein, Heiko Tremel, gab einen Sachstandbericht zum Bau der Notunterkunft. Die Arbeiten lägen gut im Zeitplan, vieles sei in Eigenleistung gemacht worden. Derzeit laufe der Innenausbau des Gebäudes, das in zwei Bereiche unterteilt sei: Aufenthalt sowie Ruhe- und Schlafzone.

Landrat Christian Meißner (CSU) sprach von einem personellen Engpass in seiner Behörde aufgrund der starken Beanspruchung der Mitarbeiter bei der Aufnahme und Unterbringung der Flüchtlinge. Sehr dankbar sei er für die intensive Hilfe der Aktiven Bürger, die überall unterstützen, wo das notwendig ist.

Im Lauf des Jahres werde es spannend, sagte der Landrat bezüglich der anerkannten Asylbewerber: "Bleiben die bei uns oder wandern sie in die Zentren ab?" Abzuwarten bleibe, wie sich das auf den Wohnungsmarkt auswirke. Nach der Anerkennung hätten die Migranten keine Residenzpflicht, sondern die gleichen sozialen Rechte wie jeder deutsche Bürger.


Weitere Themen im Kreisausschuss

Stromleitung Auf Veranlassung des Eisenbahnbundesamts erhebt die Regierung von Oberfranken Daten fürs Anhörungsverfahren zur Erneuerung der 110 kV-Bahnstromleitung Ebensfeld-Steinbach/Wald. Die Kreisräte nahmen Stellung zum Projekt. Einstimmig entschied der Kreisausschuss, dass für die Querungen der Kreisstraßen bei Wiesen, Schney und Neuensee Kreuzungsvereinbarungen mit dem Kreis abzuschließen sind. Das Gremium lehnt die geplanten Masterhöhungen ab, soweit sie nicht wegen technischer Vorgaben oder aus Gründen des Immissionsschutzes erforderlich sind.

Genussregion Der Landkreis beteiligt sich an dem Leader-Projekt "Genussregion Oberfranken III" mit 6600 Euro. Ziel des Projektes ist die Verknüpfung der bereits entwickelten Strukturen (Spezialitätendatei, Genusserlebnisse, Themenwanderung, Genussbotschafter) und die touristische Vermarktung derselben. Einen Schwerpunkt stellt dabei die Entwicklung von 30 buchbaren Angeboten zum Thema Kulinarik. Das beschloss der Kreisausschuss einstimmig.

Flechthandwerk Der Kreisausschuss stimmte der Umsetzung des Leader-Projekts "Mobile Flechtwerkstatt" des Zentrums Europäische Flechtkultur zu und beteiligt sich mit 9701 Euro an den Gesamtkosten von 242 540 Euro. Ziel dieses Projektes ist es, das Flechthandwerk außerhalb der Region bekannt zu machen und auf neue Weise zu präsentieren - etwa durch interaktive Elemente, Filmbeiträge und Mitmachaktionen. Zudem soll der werbewirksame Auftritt der Marke "Obermain Jura" durch Flechtbeiträge und ein innovatives Messestandsystem bereichert werden, um auf dem Sektor des Tourismus' einen Nutzen zu erzielen.

Attraktivität Mit der Studie "Regionale Materialitätsanalyse" soll die Attraktivität der Region gesteigert werden. Damit will der Verein "Obermain Jura - Das Wirtschaftsforum" die Stärken und Schwächen sowie die Herausforderungen identifizieren. Mittelfristig werden ein einheitliches Regionalmarketingkonzept und eine Außenstelle der Universität Bayreuth angestrebt. Der Landkreis beteiligt sich mit 3000 Euro an den geschätzten Gesamtkosten von 114 954 Euro, die Kommunen Burgkunstadt, Altenkunstadt und Weismain mit jeweils maximal 10 000 Euro.



Das Potenzial des Kordigast

Landrat Christian Meißner (CSU) hat mitgezählt: 21-mal wurde das Thema "künftige Freizeitnutzung des Kordigast" in den vergangenen Monaten von der Presse aufgegriffen. "Ich finde die Debatte sehr interessant und notwendig", sagte er am Montag in der Kreisausschusssitzung, "und ich möchte, dass der Kordigast mehr in den Blickpunkt rückt".

In die Kritik geraten war der Vorschlag, eine Strecke für Elektrokarts am Berg auszuweisen. "Was wir gemacht haben, sind Vorschläge", sagte Meißner. "Unsere Umweltstation steht sicher nicht im Verdacht, dass sie Rummelplätze errichtet", fuhr er fort. Was am Kordigast geplant werde, geschehe stets im Einklang mit der Natur. Ziel sei es, dort etwas für Familien zu schaffen. Die ins Spiel gebrachte Kartbahn sei nur ein Vorschlag - würde sie entstehen, wäre sie in der Landschaft nicht auffällig und zu hören wären die Elektro-Karts auch nicht.

Nun werde ein Gremium aus Vertretern der Kommunen Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain sowie des Landratsamtes gebildet, das in dieser Sache berät. Im Klaren müsse man sich aber sein, ob man dort einen sanften Tourismus fördern möchte oder nicht. "Das kriegen wir sicher hin - in einem breiten Konsens", resümierte er.