"Ja, ja, ja, ja, ja", sagt Anthony Ith. Oui, oui, oui, oui, oui, würde das in seiner Muttersprache heißen. Die Frage, ob er vor seiner Ankunft in Lichtenfels seine Deutschkenntnisse aufgemöbelt habe, bejaht er heftig. Zwei Monate lang wird der junge Mann aus der Partnerstadt Cournon als Praktikant in der Lichtenfelser Tourist-Information arbeiten. Er bereitet eine Foto-Ausstellung im Stadtschloss vor.

Literatur, Geschichte und Wirtschaft studiert der 24-Jährige mit kambodschanischen Wurzeln. Sein Aufenthalt in Deutschland soll ihm seine Kenntnisse verbessern, vielleicht auch im Hinblick auf die anstehende Berufswahl. Ein junger Student, der eben die Nase in den Wind hält. Befürwortet durch Allmut Schuhmann, Präsidentin des Städtepartnerschaftskomitees, Abteilung Cournon.

Der Mann spricht nicht schlecht Deutsch, wenngleich er von Zeit zu Zeit im Computer nachschaut, was ein Wort bedeutet. Auf die Frage, welche Hobbys er pflegt, zählt er auf: Fotografie, Wandern, Mountain-Biking (Downhill/Abfahrt) und Snowscoot, was an eine Art Fahrrad mit Kufen erinnert, das im Schnee talwärts fährt.
Dann folgt eine kurze Pause. Aber bald nach der Aufzählung hat der junge Mann doch noch eine Frage: "Ist Bier-Trinken ein Hobby?"

Wandern und Fotografieren - zwei Hobbys, die sich für ihn am Obermain zu einer Ausstellung verdichten können. 80 Prozent seiner Aufnahmen seien schließlich Landschaftsfotografien, sagt Ith. Vom 24. bis 28. Juli wird ihm mit einem weiteren Fotografen eine Foto-Ausstellung eingeräumt werden, deren Name zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht feststeht.

Aufnahmen der hiesigen Landschaft habe er schon gemacht. Dafür streifte er schon durch die Gegend, stieg schon auf den Staffelberg. Bilder aus seiner Heimatregion, der Auvergne, hat er auch im Gepäck. Franken und Frankreich, zusammen auf einer langen Wand im Stadtschloss.

Porträts und Architektur zählen zu seinen weiteren bevorzugten Motiven; sie komplettieren die 100 Prozent seines Aufnahmenfundus.

Fränkisch leichter als Bayerisch

Er habe - ohne Kenntnis des hiesigen Landes und hiesiger Leute - sofort zugestimmt, als für ihn ein Praktikumsplatz in Lichtenfels ins Gespräch kam. Weil es sich gut macht, wenn man etwas im Lebenslauf vorzuweisen hat, weil er auch seine Kenntnis der deutschen Sprache verbessern und erweitern will, lässt Ith anklingen. Der fränkische Dialekt machte ihm zu Anfang Schwierigkeiten, aber er sei "weniger schwer als Bayerisch".

Der junge Mann denkt einerseits pragmatisch, andererseits aber liege es auch in seinem Naturell, etwas Neues zu wagen. "Ich mag keine Routine, ich mag Abenteuer", sagt er. Für die Begründung des Gesagten sucht er noch nach einem weiteren Wort, wirft er noch einen Blick in den Computer und bemüht ein Deutsch-Französisch-Vokabelprogramm. "Curieux" gibt er ein, erhält sofort die deutsche Übersetzung und liest diese vorsichtig stockend vor: "neu-gie-rig."

"Wir haben eine Städtepartnerschaft, und die (Studenten) brauchen Bescheinigungen für das Studium", fasst Anthony Iths derzeitiger Vorgesetzter und Städtepartnerschaftsbeauf tragter, Harald Fischer, lakonisch zusammen.

Freundliche Begegnungen

Wenn er durch die Straßen läuft, beispielsweise auf der Suche nach einem Foto-Motiv, werde er gelegentlich auf seinen Akzent angesprochen, erwähnt Ith. Er habe hier freundliche Begegnungen gehabt, und er weiß, dass es überall auf der Welt gute und böse Menschen gibt. Zu Unterschieden, oder Gemeinsamkeiten zwischen den Bewohnern der Städtepartner Cournon und Lichtenfels könne er nichts sagen, gibt er zu verstehen. Ob er die Mentalität als gleich empfinde?

"Schwierig, hier bin ich Gast, in Frankreich bin ich zuhause. Ich kann darauf nicht wirklich antworten", erwidert er in sehr gutem Schul-Deutsch. Schon einmal war er in Deutschland: vor einem Jahr in Ulm. Heuer also in Lichtenfels, und nächstes Jahr könnte es ihn nach Regensburg verschlagen. Aus Neugierde.
Anthony Ith hat die Menschen hier schätzen gelernt. Auch die Biergärten, auch die Zapfanlagen. In seiner Gastgeberfamilie in Michelau gebe es sogar zwei davon, sagt er, zufrieden lächelnd. "Das ist echt (sucht dabei nach Worten)...praktisch", wie er noch anfügt.

In den nächsten Wochen obliegt es ihm, die Ausstellung im Stadtschloss vorzubereiten. Motive finden, sie fotografieren, die Bilder auswählen, einrahmen, den Raum im Stadtschloss präparieren, und was es sonst noch gibt. Wenige Tage nach Ende der Ausstellung wird er wieder in seiner Heimat sein.