Orden und Klöster sind für viele immer noch eine fremde Welt jenseits des alltäglichen Erfahrungshorizonts. Man denkt an Entsagung und Verzicht, strenge Disziplin und ein eher weltabgewandtes als lebensbejahendes Dasein ständigen Betens hinter hohen Klostermauern. Ordensleben ist jedoch anders, ist engagiertes Christsein in Gemeinschaft, ist konsequente "Nachfolge Christi" in immer neuem Gewand. Ordensleben ist vielfältig und vielseitig, ist zeitlos und doch immer modern. Es kommt aus einer oft langen geistlichen Tradition und sucht immer neue Bezüge zur Gegenwart.

Ein gutes Beispiel dafür geben die Franziskusschwestern, die heuer ihr 100-jähriges Dasein in Vierzehnheiligen feiern. Zu diesem Jubiläum findet am Samstag, 14. September, ab 10 Uhr, ein Pontifikalamt mit Erzbischof Ludwig Schick in der Basilika statt. Während des Gottesdienstes feiern sieben Schwestern ihr Jubiläum "50 Jahre Profess".

Fachschulen und Konradshof

Die engagierten Ordensfrauen übernehmen vielseitige Aufgaben in einem modernen Dienstleistungsbetrieb wahr. Die Berufsfachschulen "St. Kunigund" für Ernährung und Versorgung, Kinderpflege und Altenpflegehilfe stellen die Franziskus schwestern unter das Motto "Miteinander leben - eigene Schritte gehen". Hier erwerben junge Menschen das Rüstzeug dafür, ihren eigenen Lebensweg zu gehen. Die Berufsfachschule bietet einen neuen Ausbildungszweig an: Die Altenpflegehilfe.

Generaloberin Schwester Regina Pröls sagt: "Wir reagieren auf die demografische Entwicklung und den steigenden Bedarf an Pflegekräften für ältere und behinderte Menschen."

Im Konradshof schaffen die Schwestern einen Lebensraum für Ein-Eltern-Familien. Er bietet allein erziehenden Frauen Lebens- und Wohnraum an, die auf Grund ihrer Elternschaft und ihrer persönlichen Lebenssituation individuelle Unterstützung benötigen. Der Name Konradshof geht zurück auf den Bauernhof, der 50 Jahre an diesem Ort stand. Der heilige Konrad war Pförtner. In dieser Funktion öffnete er viele Türen. Das soll auch im Konradshof Wirklichkeit werden: Türen öffnen, Perspektiven entdecken und Möglichkeiten ergreifen.

Küche, Garten und Pflegestation

In der Mutterhausküche schwingt die Hauswirtschafterin Margarethe Höhe das Zepter und den Kochlöffel. Sie zaubert mit ihren drei Mitarbeiterinnen und einem Lehrling "himmlische Gerichte" auf dem heiligen Berg. Ihr Erfolgsrezept liegt in der Verwendung hochwertiger Lebensmittel, überwiegend aus dem eigenen Garten. Die Köche bedienen sie sich neuester Technik, mit dampfbeheizten Kochherden und Hightech-Komfort, die es ihnen möglich machen, die Gerichte schonend zu garen. Rund 60 bis 80 Essen werden hier täglich zubereitet. An Festtagen können es auch schon mal 350 werden.

Die weiträumigen Garten- und Parkanlagen erfordern viel Pflege. Die 40.000 Quadratmeter großen Gemüse- und Obstgärten liefern von Ende März bis in den späten Herbst Nahrungsmittel, vom ersten Kopfsalat bis zum Grünkohl im Herbst, der nach einem Nachtfrost besonders gut schmeckt. Sechs Tonnen Äpfel werden zu Saft verarbeitet, vier Tonnen eingelagert, die bis ins Frühjahr Vitamine spenden.

Auch in der Pflegestation sind viele fleißige Franziskusschwestern tätig. Das zehnköpfige Team unter der Leitung von Schwester Selvi Mary betreut 20 kranke und behinderte Brüder und Schwestern. Sieben professionelle Pflegerinnen und Pflegehelferinnen sind neben den drei Schwestern rund um die Uhr für ihre Patienten da.