Wenn Büttenredner Franz Besold in seiner Rolle als Weingott "Bacchus" die Faschingsbühnen in Franken betritt, ist der Geräuschpegel bei den amüsierten Zuhörern in der Regel sehr hoch. Widmet sich Besold in seinen Reimen jedoch sensiblen politischen Themen, kann es in den Sälen schlagartig sehr leise werden: "Doch Terror, samt den Kämpfertypen, brutal, fanatisch und verhext, die sollen denke ich unbestritten, bleiben wo der Pfeffer wächst."

Standing Ovations für Mut

Franz Besold möchte sein Publikum nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen. Seine Verse zu brisanten Themen wie "Charlie Hebdo" oder Pegida kommen dabei gut an. "Bei meinen letzten Auftritten bekam ich für diese Zeilen nach einer anfänglichen Stille den größten Applaus und sogar Standing Ovations, erzählt der 55-Jährige.
"Der beste Beweis für mich, dass ich das Ganze richtig aufgezogen habe." Wie bei allen anderen Themen verfolgt der Weismainer auch bei "Charlie Hebdo" seine eigenen Grundsätze: "Ich gehe nie unter die Gürtellinie, beleidige niemanden persönlich und wahre stets die Privatsphäre."
Komplizierte Thematiken gehören für Besold zum Fasching dazu. Als Weingott "Bacchus" reimt der erfahrene Redner: "Fragt ihr, wie man diesen Mummenschanz, wie man ihn am besten rächt, mit freiem Wort und Toleranz sind Charlie, jetzt erst recht." Entscheidend sei immer ein gewisses Feingefühl, das man wahren sollte. Dies gelte auch für den potenziellen Einsatz politisch umstrittener Motivwagen auf großen Umzügen - wie in Köln. "Auch hier kommt es wieder auf die Art und Weise an, man darf niemanden mit Motiven ins Lächerliche ziehen", sagt Besold.
Am Faschingssonntag wird Besold wie gewohnt als "Till" seine Büttenrede auf Weismains Marktplatz halten. Ob er auch hier "Charlie Hebdo" aufgreift, entscheidet Besold kurzfristig. Pflichtthemen sind der berühmte Sturz mit dem Auto vom Staffelberg und das Lehrschwimmbecken in Burgkunstadt.