Der Spätsommer zeigt sich von seiner Sonnenseite. Auf der Hochebene oberhalb des Staffelsteiner Ortsteils Romansthal herrscht emsiges Treiben. Die Wanderer fangen noch einmal die letzten Sonnenstrahlen ein, bevor die Tage wieder kürzer werden. Achtlos laufen sie an einem Stoppelfeld vorbei, das einen Schatz hütet, der sich dem Betrachter nur bei näherem Hinsehen erschließt.

Zwischen den braunen Stoppeln und den Kalksteinen lugen sie hervor, die gelb-weißen, roten und blauen Farbkleckse, die Mutter Natur Nebenerwerbslandwirt Lothar Teuchgräber geschenkt hat. Kamille, Mohnblume und Ackerrittersporn sind übrig geblieben von den insgesamt 28 Wildkräuterarten, die sich auf dem konventionell bewirtschafteten Acker wohlgefühlt hatten.

Im Sommer war hier die Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen in voller Blüte gestanden. "Eine unwahrscheinlich große Vielfalt an Ackerwildkräutern, die eine große Vielfalt an Insekten nach sich zieht. Hier wurde mit guter fachlicher Praxis gearbeitet", schwärmt Kreisvorsitzender Anton Reinhardt vom Bund Naturschutz (BN). Wie zum Beweis steuert eine Biene die Blüte eines Augentrostkräutchens an. Das Lob geht bei Teuchgräber runter wie Öl: "Landwirtschaft ist meine Leidenschaft."

Seine Frau Susan hält ihn in den Händen, den Lohn für die Passion - einen Gutschein für ein Verwöhnwochenende in einem Hotel im Wert von 300 Euro. Das Feld ihres Mannes beeindruckte die Jury beim Ackerwildkrautpreis 2020 in der Kategorie konventionell wirtschaftender Betriebe am meisten. Der Wettbewerb wurde vom Bund Naturschutz, der Landesanstalt für Landwirtschaft, dem Verband für Landschaftspflege und dem Verband Bioland ausgerichtet. Betriebe aus ganz Oberfranken beteiligten sich daran.

Ein artenreiches Gebiet

Landwirtschaft ist für den 50-Jährigen mehr als nur Lebensmittelproduktion - sie trägt auch zur Pflege und zum Erhalt der Kulturlandschaft bei. Das Feld hat er ganz bewusst ausgewählt. Das Trockenbiotopverbundsystem Staffelberg sei schon immer ein artenreiches Gebiet gewesen. Ackerwildkräuter lieben magere, trockene Kalkscherbenäcker wie den von Lothar Teuchgräber. Darunter versteht man flachgründige, steinige Äcker auf Kalkverwitterungsböden. Bei der Bearbeitung dieser Böden werden immer wieder Steine hochgepflügt, die dann als "Scherben" an der Bodenoberfläche liegen. Auf Teuchgräbers Feld fühlen sich nicht nur Hundspetersilie und Klatschmohn wohl, sondern auch neun Arten die auf der Roten Liste stehen, also vom Aussterben bedroht sind. Dazu zählen unter anderem das Sommer-Adonisröschen oder der Ackerrittersporn und als "besonderes Highlight", wie die Ausrichter des Wettbewerbs in ihrer Pressemitteilung schreiben, der kleinfrüchtige Leindotter.

Auf der Scholle des Unterzettlitzers befand sich sogar ein Wildkraut mehr als auf dem Siegeracker in der Kategorie ökologischer Landbau. Eine Tatsache, die den konventionell wirtschaftenden Landwirt mit Genugtuung erfüllt. "Wir sind klar besser als unser Ruf", sagt er. Ohne die Wildkräuter auf seinem Acker hätte er das Dreifache dreschen können. Aber der Aufwand sei der gleiche.

Aus diesem Grund entschied sich der 50-Jährige, sein Stück Land nach den Vorgaben des Vertragsnaturschutzprogrammes zu bewirtschaften, das ihm eine Ausgleichszahlung gewährt. Das Feld durfte er bis zur Saat nur mit Festmist düngen, anschließend galt bis zur Ernte ein Betretungsverbot. Der erste Platz ist für Teuchgräber die Bestätigung, alles richtig gemacht zu haben. Zugleich erklären er und seine Frau, dass sie gerne am Fuße des Staffelberges arbeiten und leben. "Er hat etwas Mystisches an sich", betont Teuchgräber und seine Frau nickt ihm zu. Auf das Vertragsnaturschutzprogramm folgt das gewonnene Verwöhnprogramm. Die Berge dort werden etwas höher sein als in der Heimat. "Wir möchten ins österreichische Zillertal", spricht Teuchgräber seiner Gattin aus der Seele, während die Vorfreude auf ihren Gesichtern mit der Spätsommersonne um die Wette strahlt.