Gearbeitet wird nach wie vor unter Hochdruck. Aber ein Ende ist in Sicht. Ab Sonntag früh um 5 Uhr sollen nach 34 Wochen Vollsperrung wieder die Fernverkehrs- und Regionalzüge auf neu gebauten Gleisen zwischen Bamberg und Lichtenfels verkehren. Womit man voll im Plan liegt.

Was insbesondere den verantwortlichen Projektleiter der DB Netz, Dieter Thormann, freuen muss. Denn, das gab er gestern im Rahmen einer Pressekonferenz am Bamberger Bahnhof freimütig zu, "was wir uns mit dem Zeitplan für die Vollsperrung vorgenommen hatten, das war schon sehr ambitioniert." Der eng gesteckte Zeitrahmen für die anstehenden Arbeiten forderte allen Beteiligten einiges ab. Immerhin mussten 24 Kilometer Gleise zurückgebaut und teilweise neu verlegt werden, vier Bahnübergänge wurden beseitigt, vier Bahnhöfe umgebaut, der Main bei Ebing verlegt. Für Thomann neben der Einhaltung des Zeitplans genauso wichtig: Es gab keine Unfälle. Fertig ist man trotz Freigabe der Strecke am Sonntag noch lange nicht. Am viergleisigen Ausbau wird bis Sommer 2017 weitergebaut. Solange bleibt auch die Autobahnbaustelle der A 73 an der Engstelle bei Unteroberndorf bestehen.


Noch fünf Jahre Bauzeit

Sind diese Arbeiten erledigt wird das Teilstück zwischen Breitengüßbach und Hallstadt und weiter bis Bamberg in Angriff genommen. Für die Bauarbeiten unter Eisenbahnbetrieb veranschlagt Thormann nochmals mindestens fünf Jahre. Erleichterung auch bei Uwe Domke, dem Geschäftsleiter von DB Regio Nordostbayern. Er war während der Sperre für den Schienenersatzverkehr zwischen Bamberg und Lichtenfels zuständig. Um den Ausfall des Franken-Thüringen-Express zu kompensieren, waren täglich rund 150 Busfahrten nötig, über die gesamte Zeit der Sperre über 35 000.

Nach leichteren Startschwierigkeiten habe man im Raum Lichtenfels und beim Schülerverkehr noch nachjustiert. Das Buskonzept sei aber gut angenommen worden, Beschwerden hielten sich laut Domke im Rahmen, Abo-Kündigungen habe es kaum gegeben. Ab sofort heißt es also bei der Bahn wieder "freie Fahrt."
Nicht überall. Kaum ist die Totalsperre Vergangenheit gibt's im Fränkischen die nächste Bahnbaustelle. Vom 6. bis 12. September müssen sich Zugpendler auf der Strecke Nürnberg - Bayreuth auf Ausfälle vorbereiten.

Die Züge rollen wieder - aber die Arbeit geht weiter

Breitengüßbach Die größte Bahnbaustelle Deutschlands war in den letzten acht Monaten für viele Menschen eine echte Herausforderung. Für die Anwohner wegen des unvermeidlichen Lärms und Schmutzes. Für die Pendler wegen des Umstiegs auf Busse und des damit verbundenen höheren Zeitaufwands inklusive des Ärgers in der Umstellungsphase. Für die Bahn und die beteiligten Baufirmen wegen des enormen Zeitdrucks, unter dem gearbeitet werden musste. Verzögerungen im Zeitplan waren praktisch nicht vorgesehen.

Wenn am Sonntag wieder die ersten Züge rollen, ist man zwar längst noch nicht fertig, aber es ist einiges erreicht. Weil der Zugverkehr sich wieder am Takt des normalen Fahrplans orientieren kann. Wichtig nicht nur für die Pendler, sondern auch von bundesweitem Interesse. Die Bahn musste sich mit all ihren größeren Baumaßnahmen im Bundesgebiet an der Breitengüßbacher Baustelle orientieren. Was wurde in den vergangenen Monaten eigentlich alles geschafft? Grundsätzlich ging es bei den Arbeiten um die Einbindung der ICE-Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt in die Ausbaustrecke Nürnberg-Ebensfeld.

Dazu wurden zwei neue Gleise für den Ausbau der Bestandsstrecke angelegt, sowie zusätzlich zwei Gleise für die ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke. Dazu mussten vier bestehende Bahnschranken beseitigt und durch Brücken ersetzt werden - insgesamt sind 28 neue Eisenbahn- und Straßenbrücken gebaut worden beziehungsweise in Planung. Zwei Überholbahnhöfe wurden angelegt, hier können Güterzüge die schnelleren ICE passieren lassen, zwei elektronische Stellwerke errichtet. Dazu kamen Schallschutzwände und -wälle auf einer Gesamtlänge von 21 Kilometern. Nicht zu vergessen die Verlegung des Mains auf einer Länge von rund 1100 Metern um 170 Meter in westliche Richtung.

Um das zum Streckenbau benötigte Material heranschaffen zu können, wurden eigens Baustraßen mit einer Breite von 3,5 Metern entlang der Trasse angelegt. Einige davon werden auch nach Ende der Baumaßnahmen als bahnparallele Wege erhalten bleiben. So kann jeder Punkt der Strecke im Bedarfsfall auch in Zukunft schnell erreicht werden. Das alles kostet eine Menge Geld. Insgesamt werden für die ICE-Strecke München-Berlin 13 Milliarden Euro fällig. Allein die 12 Kilometer zwischen Breitengüßbach und Zapfendorf kosten rund 210 Millionen Euro. Die Investition dürfte schon deshalb lohnen, weil mit der Baumaßnahme zum Teil rund 100 Jahre alte Gleisanlagen komplett erneuert werden können.

Und wie geht es auf der Ausbaustrecke weiter? Gebaut wird derzeit zwischen Nürnberg und Ebensfeld dort, wo Baurecht besteht. Nicht nur zwischen Breitengüßbach und Ebensfeld, auch schon nördlich von Forchheim. Dazu zwischen Baiersdorf und Erlangen, wo der zweite Tunnel am Erlanger Burgberg ebenfalls schon fertig gestellt ist. Auch zwischen Erlangen und Eltersdorf laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Der Abschnitt zwischen Bamberg und Forchheim ist dagegen noch in der Planungsphase. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 soll schließlich das, was fertig ist, in Betrieb gehen. Dann verkürzt sich für den Franken die Fahrt in die Bundeshauptstadt auf knapp drei Stunden. Und in gut eineinhalb Stunde ist die Landeshauptstadt München erreicht.


Kommentar:

Die Bahn - Wegweiser in die Zukunft

Ein Wahnsinn. 13 Milliarden Euro werden für die ICE-Strecke München-Berlin ausgegeben. Eine gigantische Summe, viel zu viel. So oder so ähnlich denkt wohl jeder, der mit dieser Summe zum ersten Mal konfrontiert wird. Aber stimmt das denn? Wer sich in diesem Jahr im Sommer einige Stunden in den Staus auf bundesdeutschen Autobahnen aufgehalten hat, erlebte hautnah, dass unsere Verkehrsinfrastruktur an ihre Grenzen stößt. Und dass es so auf unseren Straßen nicht weitergehen kann.

Trotz aller Ausbaumaßnahmen. Schon deshalb nicht, weil uns der Klimawandel mit seinen Folgen anderes diktiert. Nicht die Straße, die Bahn ist unser Wegweiser in die Zukunft. Damit der Verkehr auf unseren Straßen wieder flüssiger wird - er soll ja nicht ganz verschwinden - gehört der Güterverkehr auf die Schiene. Und eine Bahn, die aufgrund ihrer Schnelligkeit zur attraktiven Alternative zum Flieger und zum Auto wird, lässt uns unsere selbstgesteckten Umweltziele zur Vermeidung einer Klimakatastrophe leichter reichen.

13 Milliarden Euro für den ICE-Ausbau von München nach Berlin. Das ist gar nichts im Vergleich mit dem, was uns blühen kann, wenn wir einfach so weitermachen wie bisher. Das Geld rentiert sich, wenn wir die Chance, die diese Investition bietet, auch nutzen.


Zahlen und Fakten

500 Arbeiter waren in Spitzenzeiten mit dem viergleisigen Ausbau der Trasse beschäftigt. Allein für die Baustellenorganisation waren 60 Mitarbeiter nötig, die in Containern in Breitengüßbach und Ebensfeld untergebracht waren und noch sind.

220  000 Lkw-Fahrten fanden in der Zeit von Januar bis September im Raum Breitengüßbach statt. Insgesamt gab es 74 Zufahrten zur Baustelle, die die Fahrer dank Satellitenortung zielgenau ansteuern konnten. Allein für die Verlegung des Mains mussten etwa 200 000 Kubikmeter Erdreich bewegt werden.

210 Millionen. Gigantische Summen wurden und werden noch verbaut. Allein für die Strecke zwischen Breitengüßbach und Zapfendorf werden rund 210 Millionen Euro fällig. Da ist die Strecke von Zapfendorf nach Ebensfeld ebensowenig dabei wie die von Breitengüßbach nach Hallstadt. Da kommen dann nochmal rund 200 Millionen Euro zusammen.