Die Fachmediziner aus Lichtenfels, Coburg, Kronach, Bamberg und Witten an der Ruhr stellten bei der Jahrestagung am Samstag fest, dass die professionelle Sterbebegleitung kaum bekannt sei, dass die regionalen Netzwerke noch enger geknüpft und die finanzielle Basis verstärkt werden müsse. Alle Referenten zollten dem hohen Engagement der ehrenamtlichen Kräfte Respekt und waren sich einig, dass nur ein vertrauensvolles Miteinander in der Begegnung von Mensch zu Mensch den Sterbenden ein Hilfe sein kann.

Die bayerische Gesundheitsstaatsekretärin Melanie Huml (CSU) fasste in ihren Referat zusammen: "Wir alle werden noch einen langen Atem brauchen, denn nicht alle Ziele sind kurzfristig erreichbar". Alle Bereiche der Palliativmedizin bräuchten eine fundierte und qualitätsorientierte Fort-und Weiterbildung, vor allem Hausärzte sollten künftig fortgebildet werden.
Außerdem wünschte sie sich ein alle Versorgungsbereiche umfassendes palliativmedizinisches Angebot.


Sterben ohne Angst und Schmerz

Mit der Einführung der gesetzlichen Regelungen zur Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) in das Sozialgesetzbuch V im Jahr 2007 seien große Chancen für den Ausbau und die Verbesserung der ambulanten Versorgung für schwerstkranke und sterbende Menschen in Deutschland eröffnet worden. Vielen Menschen könne damit ein Streben in gewohnter Umgebung ohne Angst und Schmerz ermöglicht werden. Neue SAPV-Teams würden finanziell gefördert.

Auch die Allgemeine Ambulante Palliativversorgung (AAPV), die von Hausärzten und Pflegediensten gemeinsam mit Hospizvereinen erbrachte wird, solle gestärkt werden. Hierbei bestehe insbesondere Handlungsbedarf im ländlichen Raum. Die palliative Grundversorgung in Krankenhäusern sei mit 470 Palliativbetten fast erreicht. Es gebe derzeit 48 Stationen mit 442 Betten, sagte die Staatssekretärin. In 43 Krankenhäusern seien palliativmedizinische Dienste anerkannt.


Zu Hause oder in der Klinik?

Jörg Cuno, Facharzt für Innere Medizin am Klinikum Bamberg, erläuterte die Situation in Oberfranken: 90 Prozent aller Patienten wollten zuhause sterben, aber 70 bis 80 Prozent stürben in Pflegeeinrichtungen oder Kliniken. Seine Palliativstation sehe er als Teil des regionalen Versorgungssystems. Er plädierte für weniger Technik an den Sterbebetten, dafür mehr menschlichen Kontakt. "Im Streben müsse die Individualität wie im Leben gewahrt bleiben."


Zu wenig Palliativstationen

In Oberfranken gebe es nur fünf anerkannte Palliativstationen: in Bamberg, Bayreuth, Coburg, Hof und Kulmbach, sagte Cuno. Palliativmedizinische Dienste bestünden in Bamberg, Ebermannstadt und Lichtenfels. Ziel müsse die Einrichtung weiterer Stationen sein, damit weite Wege für die Angehörigen vermieden werden. Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung biete viel Vorteile für Patienten und Angehörige. Darüber hinaus reduziere sich der Notarzteinsatz um 97 Prozent und in Kliniken um 84 Prozent. "Ziel muss sein, den gesetzlichen Anspruch auf palliative Versorgung auch in die Fläche zu bringen."

Europaabgeordnete Monika Hohlmeier (CSU), die Moderatorin einer Podiumsdiskussion, möchte den Ärzten bei der Sterbehilfe mehr Rechtssicherheit einräumen. Die Aufgabe der Krankenhäuser sei in erster Linie, Patienten zu heilen. Aber die Sterbebegleitung stehe nicht im Mittelpunkt. "Wir müssen lernen, mit dem Sterben als etwas Normalem umzugehen", sagte sie.

Mattias Thöns, Vorstand Palliativnetz Witten, machte die ambulanten Möglichkeiten und Strategien in der Palliativmedizin transparent. Er wünschte sich mehr Unterstützung durch die Politik und die Ausweitung der Palliativversorgung.

Anja Grottker, Leiterin des Gesundheitsamtes am Landratsamt Lichtenfels, moderierte mit gemeinsam Birgit Ach, Palliativmedizinerin am Klinikum Lichtenfels, die Jahrestagung. Grottker freute sich über die gute Zusammenarbeit zwischen Landratsamt, Hilfsdienst und Hospizverein: "Alle ziehen an einem Strang", sagte sie.
Professor Johannes Kraft, Chefarzt für Geriatrie und Palliativmedizin am Klinikum Coburg, wünschte sich einen Stärkung der regionalen Netzwerke mit Ehrenamtlichen. Das sei lokal ganz wichtig. Beim Aufbau müsste man den Menschen jedoch Zeit geben: "Lieber etwas langsamer und richtig gut und reinhören was wirklich gebraucht wird."


Ambulante Dienste ausbauen

Der Leiter der Lichtenfelser Tumorkonferenz, Bernd Greger, Chefarzt der Abteilung für Viszeral-, Allgemein- und Gefäßchirurgie, wünschte sich eine besserer Finanzierung der Sterbebegleitung. Die ambulanten Dienste müssten ausgebaut werden, war sein Fazit der Jahrestagung.