Klar, Birgit Höhn macht etwas mit Computern. Das ist jedem klar, der einen Blick unter ihren Schreibtisch wirft. Drei Rechenmaschinen blinken dort um die Wette. Die Computer sind mit Windows 7, XP beziehungsweise Vista ausgestattet. Nun ist Birgit Höhn weder passionierte PC-Sammlerin, noch Hobby-Stromverschwenderin - sie braucht die Geräte. Beruflich. Als Leiterin der EDV-Abteilung bei der Stadt Lichtenfels ist sie die Herrin über sämtliche Computer, Monitore, Drucker und Server. Kurz: Sie kümmert sie sich um alles, was ausschließlich in Nullen und Einsen denkt.

Alle paar Minuten klingelt in ihrem Büro das Telefon. Und immer geht sie mit freundlicher Stimme ran. Wieso funktioniert der Drucker nicht mehr? Weshalb hängt sich mein Computer ständig auf auf? Wie lautet mein Passwort nochmal? Mit all diesen Fragen ist Birgit Höhn täglich konfrontiert. Rund 85 Computerarbeitsplätze betreut sie bei der Stadt; hinzu kommen noch beispielsweise Geräte in Schulen, dem Hallenbad und der Kläranlage. "Meine Kollegin und ich sind wie Mutter Theresa meist Helfer für alles, das macht auch den Reiz aus", sagt Höhn.
Hinzu kommt die eigentliche Systembetreuung. Also nicht die Probleme der Anwender, die über ihren strombetriebenen Kollegen verzweifeln, sondern Aktualisierungen und die Sicherheit des Netzwerks.

Selbst wenn es heute undenkbar scheint: Es ist noch nicht lange her, dass das einzig Digitale bei der Stadtverwaltung die Armbanduhren mancher Angestellten waren. Birgit Höhn kann sich noch gut an die Anfänge des Computerzeitalters bei der Stadt Lichtenfels erinnern: 1989 übernahm Birgit Höhn, die fünf Jahre davor bei der Stadt anfing, die EDV-Abteilung. Bis zu dahin hatte längst nicht jeder einen PC unter seinem Schreibtisch stehen. "Es gab eine zentrale Maschine, die wie eine große Schreibmaschine aussah. Mit dem "riesigen eineinhalb auf einen Meter großen Kasten", der nicht mehr als ein "dummes Terminal" gewesen sei, hat sie sich sogar das Büro geteilt. Über eine Tastatur und ein Zeilendisplay haben wir die Datensätze eingegeben", erzählt Birgit Höhn. Von dort wurden die Daten an die Anstalt für kommunale Datenverarbeitung Bayern (AKDB, Anm. d. Red.) nach Bayreuth geschickt, wo sie verarbeitet wurden. Doch schon hier fand der digitale Spaß sein Ende. Denn einige Tage später kamen die bearbeiteten Datensätze von der AKDB zurück - wohlgemerkt in Papierform.

Auf zu neuen Ufern


1989 war das Ende der "besseren Schreibmaschine" besiegelt. Die Stadt hat eine MS-DOS-Anlage angeschafft. "Wir hatten einen riesigen Server, da konnten wir erstmals Daten selbst verarbeiten und zentral bei uns im Hause speichern", erklärt sie. Ab diesem Zeitpunkt konnten die Daten auch dezentral gespeichert werden. Der größte Vorteil der neuen Anlage: Niemand musste eigens zum Computer laufen, um dort etwas einzugeben oder abzurufen. Vielmehr hatte jeder Mitarbeiter einen eigenen Monitor und eine Tastatur. Aber: Einen eigenen Rechner hatte trotzdem noch niemand. Den Mitarbeitern der Stadtverwaltung stand lediglich der eine Server zur Verfügung. Aus heutiger Sicht vollkommen überholt, doch Birgit Höhn kann der Zeit auch Positives abgewinnen: "Früher gab es eigentlich nur eine Fehlerquelle."

Ab 1999 konnten sich die Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit eigenen Rechnern rühmen. "Da sind wir auf Windows umgestiegen", sagt Birgit Höhn. Ihr erster PC war für damalige Verhältnisse ein Kraftpaket: 33 Megahertz Prozessorleistung, 2 Megabyte Arbeitsspeicher, 50 Megabyte Festplatte - fast jedes Mobiltelefon kann heute mehr. Auch die Form der Systemaktualisierung bringt einen heute zum Schmunzeln: Statt sich die Daten aus dem Internet herunterzuladen, war der analoge Weg Ende der 90er unumgänglich: "Wenn ich ein Update gebraucht habe, habe ich bei Microsoft angerufen und die haben mir dann eine Diskette geschickt."

2005 Dokumenten-Management eingeführt


Die technische Entwicklung habe in der Verwaltung vieles verändert, sagt Birgit Höhn. Weniger Papier sei es geworden. Ganz darauf zu verzichten, ist in ihren Augen allerdings nicht möglich: 2005 wurde in Lichtenfels das Dokumenten-Management eingeführt. Das Ziel: Die Stadt wollte Papier sparen. Manche Daten sollen fortan nur noch elektronisch gespeichert werden. "Das ist auf jeden Fall die Zukunft", betont Birgit Höhn, auch wenn sie noch nicht bei allen Kollegen angekommen ist: "Manche speichern die Daten im Daten-Management ab, drucken es sich dann aus und heften es ab." In manchen Fällen, zum Beispiel im Liegenschaftsamt, sei es jedoch nicht anders möglich, erklärt Birgit Höhn. "Die Bürger müssen Grundstücksangelegenheiten auch noch in 100 Jahren nachvollziehen können." Daher werde es diese Vorgänge niemals nur in digitaler Form, sondern immer auch in Papierform geben. Andere Schriftstücke wie zum Beispiel Kassenbelege müssen lediglich zehn bis 30 Jahre in schriftlicher Form aufbewahrt werden. Dies kann anstelle in schriftlicher Form auch elektronisch erfolgen, wenn der Datensatz revisionssicher abgelegt und gespeichert ist. Das heißt, die Daten dürfen nicht mehr abänderbar sein.

Vorbild: Raumpatrouille Orion


Obwohl Birgit Höhn technikbegeistert ist, bei ihr kein Tag ohne Computer vergeht, ist sie kritisch: "Das Angebot für die Online-Nutzung des elektronischen Personalausweises ist noch sehr überschaubar." Daher sehe sie keinen großen Nutzen darin, "für rund 80 Euro ein Kartenlesegerät zu kaufen, das ich dann vielleicht nur alle zehn Jahre nutze, um mir elektronisch einen neuen Personalausweis zu beantragen".
Auch wenn sie nicht alles am Fortschritt begeistert, ist sie gespannt, wie es weitergehen wird: "Bei Raumschiff Orion hatten sie auch schon Tablets. Wenn ich mir überlege, wo wir vor 20 Jahren waren, wo wir heute sind und wo wir in 20 Jahren sein werden - ich freu' mich drauf."