Man nennt ihn auch den Flussmeister der Natur, denn wie keine andere Tierart gestaltet der Biber seinen Lebensraum selbst. Mit seinen Aktivitäten an heimischen Gewässern schafft es der Biber immer wieder auf die Tagesordnung des Michelauer Gemeinderates. In der Novembersitzung fragte Gemeinderätin Gudrun Oechsner (FW) nach, ob man nicht den Bieberbach einen Meter tiefer ausbaggern könnte. Damals machte Bürgermeister Helmut Fischer deutlich, dass dies bei einer Länge von 150 Metern wohl ein zu großer Aufwand wäre.
Mittlerweile hat sich ein Dutzend betroffener Grundstücksbesitzer an die Gemeinde gewandt, mit der Bitte um Hilfe. Von Versumpfung ihrer Grundstücke als Folge der Biber-Aktivitäten ist die Rede.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt möchte die Gemeinde aber keine definitive Aussage über die Ursache machen, da noch weitere Fragestellungen einer Klärung bedürfen.

Drei Punkte beleuchten

Ein Fachbüro soll jetzt unter Einbeziehung der geplanten Bieberbach-Renaturierung, der Deichnachrüstung und der angesiedelten Biberpopulationen eine Ursachen- und Bestandsaufnahme machen und entsprechende Lösungsmöglichkeiten erarbeiten. Drei Punkte, die, so vermutet die Gemeinde, offenbar untereinander verzahnt sind. Erst wenn das Gutachten und entsprechende Lösungsvorschläge vorliegen, sollen notwendige Maßnahmen ergriffen und die Grundstücksbesitzer informiert werden. Auf den Baye rischen Biberschadensfonds angesprochen, teilte Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) mit, dass die Gemeinde keinen Anspruch habe, weil sie kein Grundstück am Biberbach besitze.
Aus dem Fonds werden nur die Leute entschädigt, die durch den Biber verursachte Schäden an ihrem Grundstück auch nachweisen können. Soweit ihm bekannt sei, habe es im letzten Jahr keine Entschädigungsforderungen vom Michelauer Grundstücksbesitzern gegeben. (Anmerkung der Redaktion: Eine Rückfrage beim zuständigen Landratsamt hat dies bestätigt. Weder im Jahr 2012, noch in 2013 bis zum gestrigen Tag wurden dort Schäden geltend gemacht.)
In der Biberproblematik arbeite die Gemeinde eng mit dem Landratsamt und dem dafür zuständigen Sachbearbeiter zusammen, teilte der Bürgermeister weiter mit. "Auch wenn Biberdämme entfernt werden müssen". Aus dem Gemeinderat wurde die Forderung laut, dass auch der Neuenseer Weiher in die Überlegungen mit einbezogen werden muss. Laut Drittem Bürgermeister Paul Habich (SPD) sollten die Gemeinde oder das Landratsamt die Wiesen oder Äcker den betroffenen Grundstücksbesitzern zu einem vernünftigen Preis abkaufen. Dem hielt Bürgermeister Fischer entgegen, das bisher noch kein Bürger auf die Gemeinde zugekommen sei, der sein Grundstück verkaufen wollte. "Die Leute, die sich beschwert haben, wollen ihre Grundstücke behalten."

Beschwerden, aber kein Antrag

Manfred Höppel aus Schwürbitz, Sprecher der Bibergeschädigten Grundstücksbesitzer, und Kurt Fischer von der Jagdgenossenschaft Schwürbitz verließen enttäuscht die Gemeinderatssitzung. Sie hätten zumindest erwartet, dass Bürgermeister Fischer ihr Schreiben an die Gemeinde vorliest. Darin haben sie darauf aufmerksam gemacht, dass vor rund sechs Jahren der Roßstaudengraben noch in den Biberbach floss. Heute sei es umgekehrt, sagen sie. Die dadurch bedingten Überschwemmungen hätten die landwirtschaftlich genutzten Flächen der Grundstücksbesitzer in ein Sumpfgebiet verwandelt. Erschwerte Bearbeitung der Äcker und Ernteeinbußen seien die Folge. "Die Verschlammung des Biberbachs entstand nur durch die Biber, also sind es Biberschäden", sagt Höppel. Die Gemeinde sollte versuchen, Mittel aus dem Bayerischen Biberschadensfonds zu bekommen, der in den letzten Jahren von 100 000 Euro auf 450 000 Euro aufgestockt wurde, lautete ihr Vorschlag. Damit sollte dann der Biberbach tiefergelegt werden, also seine ursprüngliche Form wieder erhalten. Dadurch erhoffen sich die Geschädigten, dass sich die Situation für sie deutlich verbessert.
Alle anderen Maßnahmen, wie die Beseitigung von zwei von insgesamt fünf Biberstaus, brächten ihrer Meinung nach nicht viel. Zwölf Betroffene haben das Schreiben an die Gemeinde unterschrieben.
Mittlerweile hat sich auch der Bauernverband des Themas angenommen. Am Dienstag, 5. Februar, ab 19.30 Uhr, findet im Gasthof Spitzenpfeil in Michelau dazu eine Podiumsdiskussion statt.