Es war eindeutig: Christian Meißner (CSU) hat sein Mandat verteidigt und wird den Stimmkreis Kronach/Lichtenfels weitere fünf Jahre im oberfränkischen Bezirkstag in Bayreuth vertreten.

Zwar fehlten am Montag um 17.20 Uhr noch die Ergebnisse von 37 Stimmbezirken in vier Kommunen des Landkreises Kronach. Der Vorsprung des Lichtenfelser Landrats war jedoch uneinholbar.

Bärenstarke 49 Prozent holte er bei den Erststimmen (alle Zahlen Stand nach 260 Stimmbezirken). Je nach Abschneiden in den noch fehlenden Kommunen könnte er sein Ergebnis von 2013 (47,9 Prozent) sogar noch steigern.

Der frühere Landtagsabgeordnete und heutige Lichtenfelser Landrat lag damit deutlich über dem Bayerntrend der CSU und übertraf auch das Ergebnis von Jürgen Baumgärtner (43,1%), dem CSU-Direktkandidaten für die Landtagswahl.

Flächendeckend stark

"Ein wunderbares Ergebnis. Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen - auch im Kronacher Kreis", sagt Meißner. Denn auch in Kronach (ohne die noch fehlenden Kommunen) erreichte er über 47 Prozent der Erststimmen. In seinem Heimatkreis Lichtenfels votierten 50,3 Prozent der Wähler für ihren Landrat.

"Wir haben einen guten Wahlkampf gemacht und werden jetzt dafür belohnt, dass wir für die Region vieles auf den Weg gebracht haben", findet Meißner mit Blick auf die Siege der CSU im Stimmkreis bei der Landtags- und Bezirkstagwahl.

In dem Gremium in Bayreuth, das vielen recht unbekannt ist, will sich der 48-Jährige für mehr Transparenz stark machen. "Es kann nicht sein, dass so wichtige Entscheidungen wie die Verlagerung von Abteilungen des Bezirksklinikums Kutzenberg nicht im Bezirkstag besprochen, sondern in den Verwaltungsrat Kommunalunternehmen ausgelagert werden."

Deshalb hat er auch einen schriftlichen Antrag gestellt, um das Thema auf die Tagesordnung zu bringen, scheiterte damit jedoch. "Ich werde demnächst einen neuen Antrag stellen. Die Leute wollen mitreden, das hat die Wahl gezeigt. Dazu müssen wir wichtige Entscheidungen öffentlich diskutieren."

Desaster für Biedefeld

Ob sie weiterhin auf großer Bühne diskutieren wird, ist bei Susann Biedefeld indes unsicher. 24 Jahre lang war sie Landtagsabgeordnete in München. Nun trat die Altenkunstadterin als Direktkandidatin zur Bezirkstagswahl an - und erlebte wie die gesamte SPD ein Desaster. "Ich leide richtig und bin völlig entsetzt. Mir blutet das Herz", sagt die 53-Jährige am Montag immer noch mitgenommen. "Das ist ein politisches Erdbeben für die Partei und für mich."

13,1 Prozent holte Biedefeld bei den Erststimmen - und damit satte 17,8 Prozent weniger alsvor fünf Jahren der ehemalige Kronacher Landrat Oswald Marr, der nicht mehr kandidierte. Biedefeld: "Ich bedauere es, dass in den Bezirkstag wohl wieder nur Landräte und Oberbürgermeister gewählt werden. "Für sie ist das Gremium das fünfte Rad am Wagen."

Biedefeld hatte am Montag noch eine "Mini-Hoffnung", dass sie aufgrund ihrer Bekanntheit in anderen oberfränkischen Kreisen über die Liste einziehen könne. Wahrscheinlicher ist aber, dass künftig nur noch Christian Meißner den Stimmkreis in Bayreuth vertritt.

Der dritte Platz ging an die AfD, für die Heike Kunzelmann aus dem Lichtenfelser Stadtteil Buch am Forst aus dem Stand über zehn Prozent holte. "Für jemanden, der erst vor zwei Jahren zugezogen ist, ist das ein phänomenales Ergebnis", betont die 49-Jährige. "Wir sagen offen, welche Probleme es auch in Kronach und Lichtenfels durch die Zuwanderung gibt."

Ebenfalls sehr zufrieden ist Mathias Söllner (Grüne) mit seinen knapp zehn Prozent. Im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren ein Plus von über sechs Prozent. "Wir sind sehr zufrieden", analysiert der 59-Jährige Bäckermeister. Das Erfolgsrezept: "Wir haben uns in der Flüchtlingspolitik klar gegen die AfD positioniert, etwa in Lichtenfels eine Großdemo veranstaltet."

Zu den Wahlgewinnern zählt auch Klaus Kasper. Er konnte das Ergebnis der Freien Wähler um 2,5 auf neun Prozent steigern. "Ich persönlich habe mir zwölf Prozent gewünscht. Aber es ist ein ordentliches Ergebnis, ich hatte mit dem Landrat und einer Landtagsabgeordneten ja prominente Konkurrenz."

Die kleinen Parteien

Den fünften Platz belegte Frank Scheidig (FDP) aus Lichtenfels. Allerdings konnte er nur 2,4 Prozent der Stimmen für sich verbuchen. 2013 lag die FDP aber bei nur einem Prozent.

Keine Rolle spielte auch "Die Linke". Hans-Hubert Kawaters erreichte 1,9 Prozent. Unter den nicht im Bundestag vertretenen Parteien schnitt Reinhold Münch für "Die Franken" mit 1,13 Prozent am besten ab. Lena Wegener holte für die ÖDP 1,0 Prozent. Peter Goßrau (Piraten) landete bei 0,87 und

Matthias Gerbig (Bayernpartei) bei 0,67 Prozent.

Das Ergebnis der Zweitstimmen der Bezirkstagswahl

Gremium Der Bezirkstag hatte bislang 17 Sitze. Acht gehen an die Direktkandidaten, der Rest wird über die Ergebnisse der Listenkandidaten vergeben. Die Auszählung lief am Montag noch. Wir berichten ausführlich in der Mittwochsausgabe.

Personen Neben den Direktkandidaten traten aus dem Stimmkreis für größere Parteien an: Kronachs Landrat Klaus Löffler (CSU/Listenplatz 15), Ludwigsstadts Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD/15), der Kronacher Kreisrat Stefan Wicklein (11). der Weißenbrunner Harald Meußgeier (AfD-Direktkandidat Stimmkreis Coburg/5) und der Bad Staffelsteiner Andreas Stumpf (Linke/10).