Der Frauenbund Burgkunstadt ist Geschichte. Nach 91 Jahren löste sich der Verband, der an Mitgliederschwund und Überalterung leidet, am Montagnachmittag auf. Von Grabesstimmung jedoch keine Spur: Bei Kaffee und Kuchen wurden Neuigkeiten ausgetauscht, herzte und scherzte man miteinander. Kurzum: Im Pfarrheim herrschte eine Atmosphäre, die die stellvertretende Vorsitzende des Diözesanverbands Bamberg, Elisabeth Ullrich, zur Aussage veranlasste: "Ich blicke in freundliche, lächelnde und zufriedene Gesichter."

Der Gast aus Bamberg hatte die undankbare Aufgabe, mit der Frage "Stimmen Sie für die Auflösung des Burgkunstadter Zweigvereins?" das Totenglöcklein einzuläuten. Nicht mit einem Federstrich, sondern mit 44 Armen, die sich in die Höhe reckten, wurde an einem hochsommerlichen Tag das Ende einer Ära besiegelt.

Am 31. Dezember dieses Jahres wird in Burgkunstadt endgültig der Frauenbund ad acta gelegt oder wie es Ullrich auf Fränkisch formuliert: "Jetzt gibt's na nimmer den schön Frauenbundgarden aus Borkuschd."

In bilderreicher Sprache verglich sie die Vereinigung vom Obermain mit einem Gemüsegarten, in dem viele fleißige Gärtnerinnen einst reiche Ernte eingefahren hätten. Das waren für sie die Frauen, die über Jahrzehnte hinweg die Vereinigung zum Blühen gebracht hatten.

Was hatte zum Verwelken geführt, um im Bilde zu bleiben? "Es fehlt schlicht und ergreifend der Nachwuchs. Die jungen Leute haben heute ganz andere Interessen", erläuterte Vorsitzende Hanne Lore Albert.

Von einem bayernweiten Trend will Ullrich aber nicht sprechen, die die Zahl der Mitglieder im Frauenbund im Freistaat auf rund 180 000 beziffert. Als Gegenbeispiel führte sie die Gemeinde Heroldsbach bei Forchheim an: "Dort werden Sport und Mittagsbetreuung angeboten. Das zieht junge Frauen an."

Doch in Burgkunstadt seien die Uhren anders gelaufen, fand sich niemand, der eine solche Kehrtwende hätte herbeiführen können. Im Jubiläumsjahr der Pfarrei 1988 zählte der Verein noch 184 Mitglieder - heute sind es nur noch 59.

Von diesen wiederum votierten die in der Vereinssatzung vorgeschriebenen zwei Drittel dafür, den Verein endgültig zu Grabe zu tragen. Zudem gibt es ein Führungsproblem: Vorsitzende Albert, die 2011 aus der Not heraus den Verein übernommen hatte, möchte ihr Amt aus persönlichen Gründen niederlegen. Doch eine Nachfolgerin ist nicht in Sicht.

So mancher Gedanke schweifte dabei zurück in längst vergangenen Zeiten. "Als Kinder spielten wir unter der Leitung von Maria Bullinger, der Gründungsvorsitzenden, Theater. Da ging es immer recht lustig zu", erinnerte sich Christine Schramm (65).


Erwachsenenbildung

Das Kapitel Theater ist schon längst geschlossen, andere hingegen sind bis heute aktuell. "Mit Vorträgen, beispielsweise zu religiösen und medizinischen Themen, tragen wir zur Erwachsenenbildung bei. Zudem führten und führen wir eine Faschingsveranstaltung, Halbtage sausflüge, eine Adventsbesinnung und den Weltgebetstag durch", zählte die 75-jährige Albert auf. Bei letzterer Veranstaltung habe man sich mit der evangelischen Kirchengemeinde abgewechselt. 2017 sind die Katholiken wieder an der Reihe. Wie es weitergehen wird mit dem Gebetstag? "Das muss die Pfarrgemeinde entscheiden", sagt Albert.

Obgleich es noch einmal heiter zuging, glücklich über die Auflösung des Vereins war niemand: "Es geht ein wertvolles Stück Kultur und Erwachsenenbildung verloren", meinte Albert, während Gunda Düthorn (94) seufzte: "Ich werde die Gemeinschaft und die Geselligkeit vermissen."