Das Dorf Burgberg bildete bis 1929 eine selbstständige Gemeinde, umschlossen von Lichtenfelser Stadtgebiet. Burgberg war, baulich gesehen, keine geschlossene Ortschaft, sondern bestand aus verschiedenen Siedlungsbereichen. Bloß ein Teil von Burgberg lag auf dem Höhenrücken, unmittelbar beim Standort der mittelalterlichen Burg Lichtenfels.

Für dieses Quartier des Ortes Burgberg stellte die Wasserversorgung ein schwerwiegendes Problem dar. Schon die kurze Burgberger Dorfordnung von 1572 widmete den letzten ihrer vier Punkte den Brunnen: "sollen die bede Prunnen ann der Leuchssen und das Eln Prunlein mit Waschen oder anderm verschont unnd gehegt werden". Nicht nur Zuwiderhandelnden drohte Strafe, sondern sogar denen, die Verstöße beobachteten und nicht anzeigten.

Zwei Brunnen lagen im Tal

Burgberg hatte, wie wir 1891 lesen, nur zwei Brunnen - reichlich wenig für damals 658 Einwohner. Beide Brunnen lagen im Tal. Was dies für manche "Berger" bedeutete, schilderte der Bürgermeister: "Es müssen nämlich die Bewohner des oberen Burgberges, welche mit ca 60 Familien ca 1/3 Theil der Gesammteinwohner des Ortes Burgberg zählen, jeden Tropfen Wasser, selbst das für das Vieh benoethigte, einen steilen in etwa 20 Minuten zu ersteigenden Berg hinauf tragen, wodurch namentlich den Frauen und Töchtern dieser ohnedies meist in schwerer Taglohnsarbeit stehenden Familien eine grosse Last aufgebürdet ist. Es ist aber dieses Wassertragen oft geradezu mit Lebensgefahr verbunden, da der wegen seiner Steilheit schwer in gutem Zustande zu haltende, vom Regen ausgespülte Weg durch Verschütten von Wasser fast immer mit Glatteis im Winter bedeckt ist und dadurch für die Wassertragenden eine anstrengende und gefährliche Passage bildet. Da infolge dieser Schwierigkeiten nur der nothwendigste Wasserbedarf seitens der betr[effenden] Familien gedeckt werden kann, so besteht für dieselben auch bei einer etwaigen Feuersbrunst die größte Gefahr, indem infolge der steilen Zugänge auch von Lichtenfels aus erst spät und unter den denkbar größten Schwierigkeiten eine Wasserzufuhr bewirkt werden kann. Es würden also in einem derartigen Falle die Häuser des sog. oberen Berges rettungslos ein Raub der Flammen, was die betr. Bewohner um so schwerer treffen würde, als dieselben fast ohne Ausnahme arm und wenig oder gar nicht versichert sind."

Bohrversuche am oberen Berg

Die Gemeinde unternahm Bohrversuche am oberen Berg, die 60 Meter in die Tiefe gingen. Sie verschlangen gehöriges Geld und führten dennoch zu keinem Erfolg. Die Lage blieb beim Alten, wie ein Bittschreiben von neun Burgbergern an die Regierung von Oberfranken aus dem Jahr 1902 belegt: "Wie traurig sind die Verhältnisse [...] bei einer Familie mit 5-6 kleinen Kindern, in welcher die Mutter schwach oder kränklich und somit nicht im Stande ist, [...] den nötigen Wasserbedarf beizubringen, so daß diese kleinen Wesen darauf angewiesen sind, bei Nachbarfamilien um Wasser zu betteln, obgleich diese oft auch kaum einen Tropfen im Hause haben."

Die nahe Stadt Lichtenfels erhielt 1901 eine Hauswasserleitung. Da lag es nahe, Burgberg anzuschließen. Doch die Lichtenfelser Stadtväter zeigten sich wenig entgegenkommend. Erst im Herbst 1902 erhielt Burgberg eine Wasserleitung, und diese Infrastruktur kam die arme Gemeinde teuer. Ein Brunnen der einstigen Gemeinde Burgberg ist noch erhalten, an der Einmündung der Oberen Brunnengasse in die Lange Straße. Ende Juli 1929 beschloss der Gemeinderat von Burgberg auf Vorschlag des Bürgermeisters, "den im Unteren Burgberg liegende[n] Brunnen renovieren" zu lassen. Dies war die letzte Aktivität der selbstständigen Gemeinde vor der Eingliederung nach Lichtenfels zum 1. Oktober 1929. Die damals angebrachte Inschrift an der Brunnenfassung lautet: "Errichtet vom letzten Gemeinderat Burgberg. Höhn, Bürgermeister. 1929."

Burgberg war, wie die meisten Dörfer, lange Zeit ohne amtliche Straßennamen. Die Häuser waren durchnummeriert. Dabei begann die im frühen 19. Jahrhundert eingeführte Zählung an der heutigen Unteren Burgbergstraße und endete im Grabenweg. Neu hinzukommende Wohngebäude wurden weitergezählt, was zu gehörigem Durcheinander führte. So trugen drei nebeneinanderstehende Häuser am oberen Burgberg die Nummern 44, 52 und 67. Erst 1937, gehörige Zeit nach der Eingemeindung, erhielten die Straßen und Wege des einstigen Dorfes förmliche Namen. Dabei wählte man für die beiden Straßen, die vom Zentrum des oberen Burgbergs zur Quelle nahe der Leuchse hinabführten, die Namen Obere und Untere Brunnengasse. Sie erinnern an das harte Leben auf der Höhe bis ins beginnende 20. Jahrhundert.