Die zunehmende Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr, die Anspruchshaltung mancher Zeitgenossen, die nicht erkennen, dass Nehmen auch stets mit Geben zusammenhängt - und schließlich das, Entschuldigung, Herumgeprolle, das man täglich in den sogenannten sozialen Medien zur Kenntnis nehmen muss.

Kein Wunder, dass der Ton auch uns gegenüber rauer wird. Erst vorgestern wieder habe ich mich über zwei Dinge geärgert: erstens über einen ebenso ärgerlichen wie vermeidbaren Fehler, der uns unterlaufen ist - und zweitens über die Reaktion eines Lesers. Genau genommen nicht über dessen Reaktion, eher über dessen Wortwahl.

Noch vor ein paar Jahren hätten wir ein Mail erhalten, etwa mit folgendem Wortlaut: "Sehr geehrte Damen und Herren, leider ist Ihnen in Ihrer Ausgabe vom (...) folgender sehr ärgerlicher Fehler unterlaufen... - Es wäre schön (oder auch gerne: Ich erwarte von Ihnen...), wenn (dass) Sie eine Möglichkeit der Korrektur finden (könnten)."

Heute dagegen lautet ein Anschreiben immer öfter etwa so (Originalzitat): "Ich (muss) Euch absolutes Versagen vorwerfen! (...) grenzt an Unfähigkeit schlecht hin. Ich weiß das es schwierig ist heutzutage gutes Personal zu bekommen, doch das geht gar nicht."

Nun, wie soll man darauf antworten? - Natürlich höflich, denn man steht im Kundendialog - allerdings frage ich mich schon immer öfter: Färbt das Verhalten im Internet inzwischen so auf alltägliches Tun ab, dass man die simpelsten Regeln der Höflichkeit einfach über Bord wirft? Auch und vor allem dann, wenn man sich - völlig zurecht, keine Frage! - gerade sehr geärgert hat?

Ich bin inzwischen in einem Alter, in dem ich dagegenhalte und mein Gegenüber auf seine Wortwahl aufmerksam mache - sei es im persönlichen Dialog, im Internet oder in der geschäftlichen Korrespondenz. Das sollten wir alle tun, denke ich: Uns selbst ein wenig zurücknehmen, versuchen, rücksichtsvoll und höflich zu bleiben - und andere dazu ermuntern.